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“Der Sohn des Mondes”

von Christiane "BlackBolt" Breuherr und Marlene "Goody" Ziegler

 

 

 

Glossar:

 

Die Welt Absolan ist ein erdähnlicher Planet mit vergleichbarer Schwerkraft, einer Sonne und einem Mond. Die Kontinente sind jedoch anders aufgeteilt und es gibt nicht nur Menschen, sondern auch Orks und mythische Wesen, sowie weiße, schwarze und wilde Magie. Die Handlung spielt in einer unserem Mittelalter vergleichbaren Zeit, jedoch mit dieser Welt eigenen Unterschieden.

 

 

 

 

 

Kapitel 1  

 

 

Auf dem Markt war buntes Treiben zu sehen. Marktweiber, die ihre Waren darboten, Männer, die sich unterhielten und Kinder, die herumliefen und versuchten, hier und da etwas abzustauben.

 

Durch dieses bunte Treiben gingen zwei Wanderer, und schließlich legte der Jüngere der beiden ein Fell auf die Mauer des Brunnens am Markt, und der Ältere setzte sich darauf. Sein Aussehen verriet schon, daß er Barde und Geschichtenerzähler war, er trug etwas abgetragene, bunte Kleidung und holte nun seine Laute hervor, die ebenso mit Bändern verziert war, um sie rasch zu stimmen.

 

Elasai freute sich schon, die Geschichten zu singen und erste Kinder kamen, um ihn neugierig zu beobachten. Elorian war der Bruder von Elasai und würde nachher eine Schale herumreichen, um kleine Gaben einzusammeln. Nicht nur Geld war gern gesehen, auch Essen und Trinken.

 

Natürlich waren die Leute um sie herum schon neugierig und kamen rasch näher, denn ein jeder war neugierig auf die Geschichten und Lieder, die der Barde bestimmt in den anderen Städten gehört hatte und ihnen nun singen würde. Einige der Kinder kamen ganz nahe und betrachteten die Laute und die Bänder daran, ehe sie mit großen Augen zu dem Barden hochsahen und lächelten.

 

Elasai lächelte die Kinder an und wuschelte einem der Jungen durch die Haare, ehe er ein Band von der Laute nahm und es einem besonders ärmlich wirkenden, kleinen Mädchen gab.

 

“Für deine Haare, dann bist du noch hübscher.” Er grinste, als sie sich das Band gleich in die Haare wickelte, und nickte sacht.

 

“Gleich geht es los, wehrte Zuhörer.” Er schlug nochmal jede Seite der Laute an, und wirkte zufrieden. “Ich erzähle die Geschichte vom Sohn des Mondes.”

 

Und das wiederum sorgte für zum Teil völlig gegensätzliche Reaktionen. Einige der Leute atmeten erschrocken ein und liefen sofort weg, da sie die Stadtwachen fürchteten - doch die Meisten blieben trotz ihrer Unruhe, und schließlich trat eines der kleinen Mädchen scheu vor und fragte leise.

 

"Ich habe sie schon gehört... aber nie ganz. Kennst du wirklich die ganze Geschichte?"

 

Der Barde war kurz verblüfft, daß einige der Männer und Frauen so schnell verschwanden, aber das Kind lenkte ihn wieder davon ab und er nickte sacht.

 

“Ja, ich kenne sie. Eine alte Frau erzählte sie mir und ich finde die Geschichte so schön, daß ich sie weitergeben möchte. Und nun beginnen wir.”

 

Elasai blickte zu seinem Bruder und der setzte sich neben ihn, dann schlug der Barde die Laute an und spielte ein kurzes Lied darauf, ehe seine Stimme erklang.

 

“Die Geschichte beginnt wie so viele schon, ein König verliebte sich in eine schöne Frau, und machte ihr lange den Hof. Er gewann ihr Herz, und sie heirateten...”

 

~~~***~~~***~~~

 

In den kühlen Mauern einer Burg, die in einem weit entfernten, kleinen Land lag, schmunzelte eine wunderschöne Frau, als sie das verschmitzte Lächeln ihrer Leibzofe im Spiegel sah. Wie einen jeden Abend, verbrachte Maria ein wenig Zeit vor dem warmen Kamin damit, über ihren Tag nachzudenken... und wie einen jeden Abend, nutzte ihre Zofe die Gelegenheit, um das lange, weiche Haar ihrer Herrin zu bürsten, bis es so weich und dunkel schimmernd wie der schwarze Nachthimmel über ihre Schultern wallte.

 

"Was geistert dir durch den Kopf, Ina?"

 

Die Zofe lachte nun leise und legte den Kopf ein wenig schief, ehe sie sich verschwörerisch näherneigte und zu ihrer Herrin sprach.

 

"Ich denke nur gerade daran, wie sehr ihr von dem Werben des jungen Königs aus dem Osten angetan wart, meine Prinzessin... und ich kann es verstehen, er sieht sehr gut aus."

 

Die junge Prinzessin lachte nun ebenfalls und nickte, ehe sie leise seufzte und sich ein wenig hinterlehnte.

 

"Ja, ich weiß, Ina... er ist so stark und männlich, doch nicht so grob wie dieser rothaarige Barbarenprinz aus dem Norden. Oder so eitel und fett wie der Prinz aus dem Nachbarland, mir schaudert schon, wenn ich nur an ihn denke. König Nintano ist ein hervorragender Krieger, doch er besitzt Verständnis für die schönen Künste und ist gebildet, Ina... ich dachte immer, daß nur meine Mutter das Glück hatte, einen Mann zu bekommen, der sich für Schriften oder Schach interssiert, oder die Mathematik oder Sprachen. Auch die Art, wie er um meine Gunst wirbt, ist so anders, Ina... sieh, das hat er mir Heute geschenkt."

 

Mit den Worten öffnete Maria die Hand und lächelte, als sie die kleine, halb geöffnete Rosenknospe betrachtete, die darin lag. Eine Blüte, deren Blätter so roseweiß wie ihre Haut schimmerten, doch die Ränder leuchteten in einem sanften Rubinrot.

 

"Er sagte, daß diese Blüte ihn an mich erinnere... denn die Blütenblätter würden meiner Haut gleichen und die dunklen Ränder besäßen die Farbe meiner Lippen. Noch nie hat Jemand so etwas Wundervolles zu mir gesagt, Ina... und er gab mir einen Kuß, so zart wie der Hauch des Windes, den ich an meinen Lippen verspürte. Ich glaube, ich werde ihm meine Gunst schenken, Ina... und ich hoffe, daß mein Vater es erlaubt."

 

Die junge Zofe nickte nur und fuhr damit fort, die weichen Haare ihrer Herrin zu bürsten... sie waren gemeinsam aufgewachsen und Vertraute, sie würde alles für ihre Herrin tun und wenn diese sich in den jungen König verliebte, so würde sie ihr auch in dessen Königreich folgen.

 

.::: | :::.

 

Einige Wochen später ritt König Nintano mit seiner Angebeteten in sein Königreich ein. Er war noch nicht lange König, da sein Vater erst vor wenigen Monaten bei einer Schlacht verstorben war... das Volk liebte Nintano aber und war hocherfreut darüber, daß er seine Königin gefunden und deren Vater die Ehe gestattet hatte. Die Menschen standen an der Straße, jubelten und warfen Blumenblüten auf das glückliche Paar.

 

“Sie lieben dich schon jetzt, meine Schöne.”

 

Und das war etwas, das Maria lächeln ließ und die Menschen, welche an der Straße standen, jubelten noch ein wenig mehr, da sie sahen, daß dies ein ehrliches, sanftes Lächeln war, das von der ebenso sanften Seele dieser schönen Königin sprach.

 

"Ja... obwohl sie mich doch noch gar nicht kennen, mein Liebster."

 

Während sie sprach, schmiegte die schlanke, schwarzhaarige Frau sich ein wenig näher an den starken Körper des Königs, der sie bei sich auf dem Pferd trug. Er hatte die Strenge einer Kutsche abgelehnt und Marias Herz schlug noch immer ein wenig schneller, als sie sich daran erinnerte, wie Nintano seine Würdenträger mit dem Argument zurechtwies, daß er dem Volk zeigen wollte, wie sehr er seine Zukünftige verehrte.

 

"Ich hoffe, daß im Tempel alles gutgeht, mein Liebster... die Rituale sind mir noch so neu, auch wenn dein Priester sehr geduldig war."

 

“Ich bin sicher, es wird alles gutgehen, und du hast mich sehr glücklich gemacht, als du dich unserem Gott zugewandt hast.”

Sein Volk betete den Sonnengott an und es war nicht selbstverständlich, daß Maria ihren Glauben aufgab, um sich dem seinen anzuschließen.

 

“Ich unterstütze dich, wenn du Hilfe brauchst.” Das war für ihn selbstverständlich - aber er war sicher, daß Maria schnell in die Rituale hineinfand. “Aber jetzt bereiten wir uns für die Feier vor... heute Abend werden wir Mann und Frau sein.”

 

"Ja, mein Liebster - endlich."

 

Die junge Prinzessin lächelte zärtlich zu ihm hoch und kuschelte sich danach wieder an die breite Brust des jungen Königs, während sie sich schon darauf freute, endlich auch vor den Priestern und Göttern seine Frau zu werden. Auch wenn sie in einer liebevollen Familie aufwuchs - dies war neu, galt nur ihr und sie war glücklich, endlich das gleiche Glück wie ihre sich noch immer liebenden Eltern gefunden zu haben.

 

Nintano war auch glücklich, denn er hatte die Frau bekommen, in die er sich verliebt hatte, und eine der schönsten Frauen der Königreiche. Er freute sich auch darauf, wenn die Zeremonie vorbei war - denn dann konnte er ihrem Körper huldigen und ihr erstmalig Erfüllung bringen.

 

Auch wenn dies Maria auch ein wenig ängstigte, so freute sie sich schon darauf, da sie den Mann liebte, der ihr ihre Jungfräulichkeit nehmen würde. Und auch wenn es ihr einerseits in ihr Innerstes stach, so hoffte sie doch, daß er schon bei Frauen gelegen hatte und wußte, was er tat... denn sie selbst wußte nicht sehr viel darüber, da es einer Prinzessin nicht gestattet war, zuviel darüber zu wissen.

Dann wurde Maria jedoch abgelenkt, da der junge König auf den Hof seiner Burg ritt und sie blickte staunend umher, denn die Burg war nicht nur groß, sondern auch sauber und fast schon so schön, wie man es von einem Landschloß erwartete.

 

Nintano wusste, was er zu tun hatte und lächelte nun stolz, als er seine Liebste leise fragte.

 

“Gefällt dir dein neues Zuhause? Ich will, daß du dich wohlfühlst, meine Königin.”

 

Er ritt noch ein Stück weiter und stieg ab, um letztlich Maria vom Pferd zu heben und sie sanft neben sich abzustellen. Gleich mussten sie sich trennen, und er genoss jeden winzigen Moment in ihrer Nähe.

So erging es auch ihr und so löste sie sich nur langsam aus den starken Armen, die sie hielten. Doch es war notwendig, da die Minister und auch die Priester herankamen und sie grüßten.

 

Inzwischen kam auch die Leibzofe der Königin an und blieb unauffällig hinter ihr, während die Diener schon das Gepäck in die königlichen Gemächer brachten. Sicherlich würde es nicht lange dauern, bis die Höflichkeiten und Begrüßungen zu Ende gingen... denn es brauchte seine Zeit, die Königin für die bevorstehende Zeremonie einzukleiden und Ina machte sich schon Sorgen, daß sie es nicht schaffen würden, auch wenn der König das Gehabe beschleunigte.

 

“Genug für jetzt... eure zukünftige Königin muss sich zurechtmachen.”

 

Er winkte zwei weitere Zofen aus seinem Schloss herbei und sie brachten Maria und Ina zu den Gemächern, um dort dafür zu sorgen, daß ihr Brautkleid richtig angezogen wurde... denn auch dies hatte gewisse Traditionen.

 

“Und sorgt dafür, daß Prinzessin Maria noch etwas isst, die Reise war anstrengend.”

 

Die beiden Diener, denen die letzten Worte galten, nickten respektvoll und liefen dann in die Richtung der Küche, damit sie der Prinzessin und auch deren Leibzofe eine kleinere Speise bringen konnten. Denn in wenigen Stunden - gleich nach der Zeremonie - war ein großes Festbankett anberaumt und es wäre fatal, wenn die Prinzessin dafür keinen Hunger mehr hätte.

 

Indes seufzte Maria leise, als sie den beiden Zofen folgte... sie waren zwar höflich, aber noch fremd, so fremd wie die Burg, die sie durchquerten. Erst, als sie in den Königsgemächern ankamen, sah Maria etwas Vertrautes - denn ihr Gepäck und ihre Aussteuer waren schon hochgeschafft worden und mußten nur noch ausgepackt und eingeräumt werden.

 

Derweil kehrte Nintano in seine Gemächer ein. Auch er aß einen kleinen Happen und wurde eingekleidet, während er nebenher noch einige Staatsgeschäfte regelte, denn Morgen Abend reiste er schon wieder ab. Der Krieg, in dem sein Vater fiel, war noch im Gange... und Nintano musste ihn langsam aber sicher beenden.

 

.::: | :::.

 

Seit der Hochzeit waren einige Wochen vergangen und Nintano erinnerte sich jeden Tag an die Hochzeit und die Hochzeitsnacht. Es war ein Lichtblick in der Schlacht, die sich jetzt nun endlich zum Ende wandte... und das positiv für ihn, denn seine Streitmächte hatten mehr Ausdauer, und er dankte dem Sonnengott für seine Stärke.

 

Sein General nickte, als er sah, wie der junge König das Zeichen der Dankbarkeit gegenüber ihrem Gott an seinem Herzen schlug, ehe er es ihm gleichtat und ihrem Gott dankte. Das Land König Nintanos besaß viele Berge, die reich an Metallen waren - doch dafür gab es vergleichsweise nur wenig Ackerland, so daß sie darauf angewiesen waren, das geschmolzene Metall für Nahrung einzutauschen.

 

Und sie mußten es auch gegen andere Nationen verteidigen, die gierig auf ihre Minen blickten und sie angriffen, um diese Minen zu erobern. Die Geschichte ihres Landes war eine Geschichte der Kriege... und deshalb beteten sie den Gott des Krieges, der Stärke und Schutzpatron der Metalle an, baten um seinen Segen und kämpften auch im Namen des hell erstrahlenden Sonnengottes.

 

"Woran denkt ihr, mein König? Für einen Moment erhellte ein Lächeln euer Gesicht."

 

“An die Königin... ich vermisse sie und hoffe, sie bald wiedersehen zu können.”

 

Und vielleicht trug sie ja schon ein Kind unter dem Herzen. Dieser Wunsch erhellte sein Inneres, es war der Wunsch jeden Mannes und auch er träumte davon, einen Sohn aufziehen zu können, den diese wundervolle Frau ihm gebar.

 

Der General nickte auf diese Worte - er wußte, daß sein junger König sehr von seiner neuvermählten Frau angetan war und auch er hoffte, daß die Königin bald einen Thronfolger gebar.

Denn der Krieg barg immer die Gefahr, daß der junge König starb - und wenn er keinen Sohn hatte, würde der Streit um die Thronfolge ihr Reich in Stücke reißen.

 

"Bald könnt ihr euch eine Pause von den Schlachten gönnen, eure Hoheit... ihr wißt, daß zur Hochfeier des Sonnengottes die Waffen ruhen und ihr in dieser Zeit zu eurer Gemahlin zurückkehren könnt. Nicht mehr lange... ein wenig mehr als ein Mondzyklus noch."

 

Nintano nickte und lächelte kurz zu seinem General.

 

“Ich hoffe, daß wir bis dahin unser Ziel erreicht haben, aber ich bin zuversichtlich.”

 

Noch war die Schlacht nicht gewonnen, aber sie waren nahe dran. Daß danach lange Frieden war, hofften alle... aber diese Hoffnung hatten sie bei und nach jedem Krieg. Doch die Leute wußten auch, daß es bald wieder den nächsten Krieg geben würde, da die Erze einfach zu wertvoll waren, um ohne Kampf beschützt werden zu können.

Auch darum war es wichtig, viele Kinder zu bekommen - und der General hoffte, daß auch die Königin ihrer Pflicht bald nachkam und dem König mindestens einen Sohn schenkte.

 

"So wie auch ich,  mein König - und nun kommt, wir müssen wieder zurück."

 

König Nintano seufzte leise und nickte, dann machte er sich auf den Weg zurück zu seinen anderen Generälen, die schon warteten, da noch weiteres besprochen werden musste.

 

~~~***~~~***~~~

 

“Der König kehrte nach der Schlacht zu seiner Königin zurück - doch nicht für lang, denn wie erwartet, folgten weitere Schlachten. Er besuchte Königin Maria sehr oft, und doch trug sie nie ein Kind unter dem Herzen.”

 

Elasai erzählte nun leise, und seine Laute verstummte für einen Moment. Seine Zuschauer hingen gefesselt an seinen Lippen, und saugten jedes Wort auf. Und das war auch kein Wunder - denn so hatte noch keiner von ihnen diese Geschichte gehört, obwohl es doch ihr König war, um den es hier ging.

Viele der Menschen, welche damals die Königin gesehen hatten, waren inzwischen in den andauernden Kriegen gefallen... und die Anderen, die noch lebten, hatten es verdrängt oder vergessen, da der Zorn König Nintanos und vor allem der Sonnenpriester keine Grenzen kannte.

Doch das zählte nun nicht, als die melodische Stimme des Barden die vergangene Zeit wiederbelebte... und so bemerkte auch Niemand, daß im Schatten eines Tores einige Stadtwachen standen und einer sich nun umdrehte, um so schnell es ihm möglich war seinen Vorgesetzten Meldung zu machen, während der Sänger nun wieder zu erzählen begann.

 

~~~***~~~***~~~

 

Kapitel 2

 

 

In ihrem Gemach seufzte die junge Königin leise vor sich hin und bemühte sich, die Tränen zurückzuhalten, die sich in ihren schönen Augen sammelten... dann legte sie die Stickarbeit auf das Fensterbrett, blickte aus dem Fenster auf die untergehende Sonne und lehnte sich ein wenig an den Sessel an, auf dem sie saß.

Seit nunmehr zwei Jahren war sie mit ihrem Liebsten verheiratet - doch sie konnte ihm noch immer keinen Thronerben schenken. Sicherlich konnte man es im ersten Jahr dadurch erklären, daß der König nur sehr selten bei ihr sein und sich mit ihr vereinigen konnte... doch seit einem Jahr war der Krieg vorbei und auch wenn König Nintano jede Nacht bei ihr lag, ihr Körper war noch immer bar jeder Frucht und das Gefühl, ihren Liebsten zu enttäuschen, stieg mit jedem Mondzyklus mehr.

 

Es war aber nicht nur das... auch sie selbst sehnte sich nach einem Kind. Maria liebte Kinder über alles und die Sehnsucht, die sie erfüllte, wenn sie eine Frau mit einem Neugeborenen sah, schmerzte wie eine Hand, die ihr Herz umfaßte.

Und dazu kamen noch die Höflinge, Adeligen und vor allem die Sonnenpriester, die auf den König einredeten - denn gerade in ihrem Land, das immer wieder durch Kriege gezeichnet wurde, waren viele Geburten wichtig und besonders bei ihrem König, damit die Thronfolge gesichert war.

 

Die Priester gingen sogar soweit, daß sie dem König ein Ultimatum setzten - wenn sie nicht innerhalb eines Jahres ein Kind empfing, so sollte er sich von ihr trennen und eine andere Frau zu seinem Weib nehmen.

Alleine schon der Gedanke daran ließ endlich die Tränen fließen, welche die junge Königin so lange zurückgehalten hatte... denn sie liebte Nintano, und auch wenn dessen Liebe inzwischen von der Enttäuschung ihrer Kinderlosigkeit überschattet wurde, so war sie sich doch in ihrem Herzen sicher, daß es nur daran lag und er sie wieder lieben würde, wenn sie endlich ein Kind von ihm empfing.

 

"Ach, Ina... was soll ich nur tun? Es ist, als ob mein Körper sich weigert und ich weiß nicht, weshalb. Ich liebe ihn doch so sehr - wieso kann ich ihm nicht das geben, das er sich wünscht?"

 

Die Zofe seufzte nur leise und kam zu ihrer Herrin, umarmte sie kurz und ging schließlich vor ihr auf die Knie, damit sie die Tränen ihrer Herrin mit einem Tüchlein abtupfen konnte.

 

"Ich kann es euch nicht sagen, meine Herrin... aber vielleicht liegt es daran, daß ihr nicht mehr zum Mondgott betet? Er ist der Gott der Fruchtbarkeit und des Lebens... sicherlich kann er euch helfen, denn der Sonnengott hat es bisher nicht."

 

Es war ein Sakrileg, so darüber zu reden - doch die junge Zofe konnte nicht anders, sie mußte es sagen und ihrer Herrin vielleicht ein wenig Hoffnung geben. Diese blickte überrascht auf Ina, ehe sie langsam nickte und leise seufzte.

 

"Ich glaube, ich werde es versuchen... ich würde alles tun, um Nintano glücklich zu machen - alles."

 

Dann stand sie auf und nickte noch einmal, ehe sie zu ihrer Kleidertruhe ging und aus deren Tiefen eine kleine Schatulle holte, die sie dort versteckt hatte.

 

.: | :.

 

Im Studierzimmer saß der König und seufzte leise, denn die Priester klopften schon wieder und drängten darauf, ihn zu sprechen. Es war wirklich schwer für Nintano... er liebte Maria noch wie am ersten Tag und würde ihr noch Zeit geben, aber die Priester drängten und drängten, und machten ihm so das Leben schwer. Der Druck machte es nicht leichter, und so bat er die Priester herein und verneigte sich kurz vor ihnen.

 

“Ich weiß, warum ihr hier seid. Und ich werde mich fügen.”

 

Nintano atmete kurz durch.

 

“Wenn sie innerhalb eines Jahres kein Kind empfängt, wähle ich eine neue Gattin... jedoch möchte ich sie als Nebenfrau behalten.”

 

Doch davon wollten die Priester jedoch nichts hören, und der Hohepriester ergriff schließlich das Wort.

 

"Mit Verlaub, mein König - das ist ein Sakrileg! Ihr wißt, daß die Thronfolge unbestreitbar sein muß, und wenn diese Frau als Nebenfrau doch noch schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen würde, dann käme es vielleicht zu einem Kampf um den Thron - etwas, das wir seit Jahrhunderten zu vermeiden suchen!

Bitte nehmt Vernunft an, König Nintano... bis zum Fest des Sonnengottes im nächsten Sommer muß Königin Maria von euch empfangen haben, wenn nicht, wird sie in das Kloster der Witwen geschickt und ihr müßt euch eine neue Gemahlin suchen, die euch hoffentlich eher einen Erben schenkt."

 

Gerade in dieser Hinsicht waren die Priester mehr als nur strikt - denn hier ging es nicht um den persönlichen Geschmack des Königs, sondern um das Wohlergehen des Reiches und ihren Glauben. Es war die letzte Möglichkeit gewesen, die Nintano gesehen hatte, aber er hätte sich denken können, daß die Priester keine Nebenfrau zuließen.

 

“Ich werde es ihr sagen.”

 

Auf die Worte ging er nicht weiter ein und das zeigte den Priestern auch, daß ihr König verstanden hatte. Es schmerzte jedoch sehr und Nintano betete, daß es gelang und daß Maria bald ein Kind trug. Sicher machte es der Druck nicht leichter, aber er konnte die Priester nicht länger hinhalten. Also erhob er sich und ging langsam zu den Gemächern seiner geliebten Maria, um schweren Herzens mit ihr zu sprechen.

 

.: | :.

 

Dort seufzte Ina lautlos, als sie ihre Herrin dabei beobachtete, wie sie mit einem sichtbar erleichterten Blick in die kleine Schatulle blickte - doch als sie die schweren Schritte des Königs hörte, schloß Maria die Schatulle schnell und gab sie ihrer Zofe, die sie wieder unter der Kleidung in der Kleidertruhe versteckte, ehe der König in die Gemächer trat.

Maria freute sich sichtbar, ihn wiederzusehen - doch die traurige Miene ihres Gatten ließ sie langsam innehalten und schließlich fragte sie ihn leise.

 

"Mein Liebster... dich belastet etwas? Kann ich dir helfen?"

 

“Das Übliche... die Priester waren schon wieder bei mir.”

 

Nintano seufzte und setzte sich in den Sessel. Er zog Maria gleich auf seinen Schoß, und küsste sie zärtlich.

 

“Sie haben ein Ultimatum gesetzt... ich habe alles versucht, aber... bis zum Sommer, zum Fest des Sonnengottes, ist Zeit - danach musst du in das Kloster der Witwen.”

 

Es brach ihm das Herz, es ihr zu erzählen... man sah es in seinen Augen und seine Arme umfingen Maria einen Moment mit mehr Kraft. Diese hatte so etwas schon befürchtet und seufzte verloren, ehe sie sich einfach an die kräftige, breite Brust ihres Liebsten schmiegte und mit einem wohligen Schauern die Arme genoß, die sich so besitzergreifend um sie schlossen.

Maria wußte, wie schwer es ihrem Gatten fiel, den Priestern ihren Willen zu lassen - und sie schwor sich in diesem Moment, daß sie alles ihr Mögliche versuchen würde, um ihm diese Bürde zu nehmen und endlich einen Thronfolger zu gebären.

 

"Ich liebe dich, mein wunderschöner Gatte... und ich bin mir sicher, daß die Götter nicht zulassen werden, daß die Priester uns entzweien. Laß uns einfach nicht mehr darüber nachdenken, ja? Genießen wir die wenige Zeit, die uns Abends noch bleibt... die Regierungsgeschäfte lassen uns leider viel zu wenig davon."

 

Während sie sprach, blickte Maria in die wunderschönen, saphirblauen Augen des Königs und lächelte dabei zärtlich - sie bewunderte und verehrte ihn, liebte ihn aus ganzem Herzen und zeigte es ihm auch, wann immer es ihr möglich war.

Und er zeigte es ihr und behandelte sie immer voller Liebe und Zärtlichkeit. Er hasste es, sie unter Druck zu setzen, und so gestaltete er ihre Zusammenkünfte immer liebevoll und zärtlich, damit der Druck, der auf ihnen Beiden lastete, sie nicht entzweite. 

 

~~~***~~~***~~~

 

Der Barde lächelte, denn die Zuschauer machten große Augen.

 

“Die Königin stand sehr unter Druck... daher wagte sie es, ein Ritual auszuführen, welches den Mondgott bitten sollte, ihr zu helfen. Für die Menschen, über die ihr Gatte herrschte, war es natürlich ein Sakrileg, da sie ja den Gott der Sonne anbeteten. Aber sie tat es, um ihrem geliebten Gatten endlich einen Sohn schenken zu können.”

 

Bei diesen Worten atmeten viele der Zuhörer scharf ein und einige machten das Zeichen des Sonnengottes, da es schon als Ketzerei vor den Priestern galt, wenn man die Rituale des Mondgottes erwähnte. Doch gerade das schürte natürlich auch die Neugier der Menschen und so hingen sie trotz allem erwartungsvoll an den Lippen des Barden, darauf hoffend, daß dieser weitererzählte.

 

~~~***~~~***~~~

 

Mit einem leisen, doch erleichterten Seufzer legte Königin Maria ihren Mantel um und zog die große Kapuze über ihren Kopf, während ihre Leibzofe es ihr gleichtat und den Korb aufnahm, in dem die notwendigen Dinge für das Ritual lagen, das die Königin ausführen wollte.

Es war ein altes und ihrem Volk sehr heiliges Ritual, das nur in Zeiten größter Not ausgeführt wurde - und nur die Königsfamilie kannte es, so wie auch die notwendigen Dinge dafür innerhalb der Königsfamilie weitervererbt wurden.

 

Während sie durch die nachtleeren Gänge des Schlosses huschten, grämte sich Maria darüber, zu diesem Mittel greifen zu müssen... doch der innige Wunsch, ihrem Mann endlich dessen Herzenswunsch zu erfüllen, war stärker und so ging sie entschlossen weiter, bis sie an dem kleinen Garten ankamen, den die Wenigsten kannten.

Es war ein Rosengarten, doch die starken Kletterrosen hatten die Pergolen und Bäume schon lange überwuchert und sorgten dafür, daß sie vor den Blicken der Nachtwachen geschützt waren, während das Licht des vollen Mondes ungehindert durch die dornenbewehrten Zweige in einen kleinen Teich fiel, der inmitten der großen Mittelpergola lag.

 

Dort spiegelte sich der Vollmond und leichter Nebel kam auf - wie eine Vorsehung, und so kniete die junge Königin sich vor den Teich, holte aus der kleinen Schatulle eine weiße, hellblau schimmernde und handtellergroße Schuppe hervor und nahm einen uralten, aus Obsidian geschlagenen, fingerlangen Dolch, um sich damit in die Hand zu stechen und das Blut auf die Schuppe tropfen zu lassen, die sie schließlich auf dem Teich schwimmen ließ.

 

"Ich bitte dich, du großer Gott des Mondes... ich flehe dich in meiner Not an und erhoffe mir deinen Segen."

 

Die sanften, schmerzvollen Worte wisperten durch den aufkommenden Nebel und dieser verdichtete sich noch ein wenig, ehe eine tiefe Stimme durch diesen Nebel und die Dornenranken zu hallen schien.

 

"Was willst du, junge Königin? Schon lange habe ich deine Stimme nicht mehr gehört, sie wehte immer nur zum Sonnengott."

 

Maria schluckte und die Zofe wich verängstigt ein wenig zurück - auch wenn die Stimme nicht wütend klang, der Vorwurf war berechtigt und die junge Königin seufzte leise, als sie den Kopf senkte und das Bild des Mondes im Wasser betrachtete.

 

"Ich weiß, großer Mondgott... ich habe dir gefrevelt, doch ich liebe meinen Mann und als dieser mich darum bat, nahm ich auch seinen Glauben an. Aber der Sonnengott erhörte meine Gebete nicht und ich bin verzweifelt - mein Schoß ist bar jeden Lebens und der König wünscht sich so sehr ein Kind. Ich bitte dich, kannst du mir nicht helfen, großer Mondgott?"

 

Die Worte ließen ein leises Lachen erwachen, doch es klang nicht abwertend, sondern eher wie das Lachen eines sanften Vaters. Und plötzlich schien sich der Nebel noch zu verdichten und zusammenzuziehen, bis aus ihm die Gestalt des riesigen Mondgottes erschien, der auf seinem Schlangenunterleib zu der Königin schlängelte und vor ihr stehenblieb.

 

"Es ist wahr - der Sonnengott war dir nicht wohlgesinnt, er verhinderte bisher, daß du empfängst. Ich kann dir helfen, junge Königin... doch es hat seinen Preis. Bist du bereit, ihn zu zahlen?"

 

Maria schluckte schwer und senkte ergeben den Kopf - doch dann hob sie den Blick wieder und nickte, stand auf und sah dem riesigen, weißhäutigen Schlangenmenschen in die tiefster Nacht gleichenden Augen.

 

"Ich bin bereit, großer Mondgott... meine Liebe ist rein, und ich würde mein Leben für meinen Mann geben."

 

Der Mondgott nickte nur und hob seine Hand, fing damit ein wenig seines Lichtes und berührte ihren Schoß, ehe er sich vorneigte und sanft zu ihr sprach.

 

"Geh, und teile das Lager mit deinem Gatten... du wirst einen Sohn empfangen, noch ehe ich wieder den vollen Mond erscheinen lasse. Doch der Preis für euer Glück ist hoch - ich verlange dein Leben, sobald der Junge geboren und seinem Vater gezeigt wurde."

 

Die Worte waren wie eine eisige Klammer um das Herz der jungen Königin - doch dann nickte sie und lächelte, während eine einzelne Freudenträne über ihre langen Wimpern perlte und auf den Finger des Gottes fiel, der sie in seiner Hand barg und zu einem Kristall werden ließ.

 

"So sei es, großer Mondgott... ich danke dir für deine Gunst."

 

Dann nahm die junge Königin die Schuppe und wusch das Blut in dem Wasser des Teiches ab, legte sie mit dem ebenfalls gesäuberten Obsidiandolch wieder in die Schatulle und nickte, als der große Schlangenmensch sich wieder in Nebel auflöste und auch dieser im Wind verwehte.

 

"Gehen wir, Ina - es ist getan, und so soll es geschehen."

 

Die zutiefst geschockte Zofe nickte nur und legte ihr den Mantel wieder um, ehe sie ihr folgte und sich insgeheim fragte, ob dies wirklich die richtige Entscheidung gewesen war.

 

.::: | :::.

 

Wie geheißen, lag die junge Königin in dieser Nacht bei ihrem Mann - und diese Nacht wurde zu einer der Schönsten, die sie je mit ihm erlebt hatte. Es war, als wäre ein besonderer Zauber um sie gewoben... ihre Liebe erstrahlte und sie berührten einander so zärtlich wie am ersten Tag, während sie sich küßten und einander Erfüllung schenkten.

Auch der Schlaf, der auf ihre Vereinigung folgte, war tief und so süß wie nichts zuvor... denn Maria fühlte, wie der Keim neuen Lebens in ihr erwachte und lächelte, während sie geborgen in den Armen ihres Liebsten lag.

 

Und noch ehe der Mond sich wieder füllte, wußte sie, daß ihr Wunsch in Erfüllung gegangen war - denn ihre Blutung blieb aus, obwohl sie doch all die Jahre zuvor immer regelmäßig kam.

 

"Ina... es ist passiert! Ich danke dem Mondgott für seine Gunst, ich freue mich so."

 

Die junge Zofe kam zu ihrer Herrin und hielt sie trostspendend... denn auch wenn sich Maria über ihr Glück freute, so wußte sie ebenso wie Ina, welchen Preis dieses Glück fordern würde.

 

"Ihr solltet es dem König sagen, Herrin... und noch einen Monat abwarten, erst dann wißt ihr es mit Sicherheit."

 

Maria nickte nur und wischte sich mit einem kleinen Tüchlein die Freudentränen ab, ehe sie lächelte und sich auf einen der Stühle am Fenster setzte.

 

"Schicke einen Boten, Ina... ich bin sicher, daß der König es so schnell es geht, wissen will."

 

Die junge Zofe nickte nur und ging nach draußen, um einen der Pagen mit der Nachricht, daß die Königin ihn sprechen müsse, zum König zu schicken - und sie hoffte, daß der Junge seinen Auftrag auch richtig ausführte. Nur kurze Zeit später hörte man die schweren Schritte im Gang, und der König trat leise ein. Seine Gemahlin saß wie so oft am Fenster und lächelte zu ihm.

 

“Was ist los, meine Liebste?”

 

Nintano war wie so oft besorgt um seine Frau, und kam sogleich zu ihr, um sie in seine Arme zu schließen. Eine Umarmung, die Maria sichtbar genoß und sich eng in die starken Arme schmiegte, ehe sie das Gesicht hob und einen zärtlichen Kuß auf die Lippen Nintanos hauchte.

 

"Ich weiß gar nicht, wie ich es dir sagen soll, mein Liebster... unsere Gebete wurden erhört, ich glaube, ich trage ein Kind unter dem Herzen. Meine Mondzeit hätte schon seit zwei Tagen beginnen sollen und sie blieb niemals aus... ich möchte noch abwarten, ob sie auch in einem Mondzyklus ausbleibt, doch ich bin guter Hoffnung, mein Liebster."

 

“Was?”

 

Nintano war so verblüfft, daß er nicht viel sagen konnte, und kuckte total überrascht. Aber dann lachte er erleichtert und drückte Maria an sich, um sie stürmisch zu küssen.

 

“Oh Gott, ich bin so froh! Das war diese eine berauschende Nacht, nicht wahr?”

 

Als er bemerkte, wie eng er sie hielt, lockerte er den Griff, da er nicht wollte, daß noch etwas passierte.

 

“Und wir warten noch einen Monat, bevor es die Priester erfahren.”

 

Es war nicht auszudenken, wenn es nicht stimmte - die Priester würden ausrasten. Maria nickte nur und schauderte alleine schon bei dem Gedanken daran... denn die Priester würden sie dann sicherlich nicht nur des Betrugs bezichtigen, sondern ihr auch vorwerfen, daß sie den König absichtlich hingehalten hätte.

Doch sie war sich sicher, daß sie wirklich einen Jungen unter ihrem Herzen trug - denn der Mondgott hatte sein Versprechen gehalten, sie vertraute ihm und lächelte schließlich wieder zu ihrem Liebsten auf.

 

"Du hast wie immer Recht, mein Liebster - wir werden noch einen Mondzyklus warten, ehe wir ihnen die gute Nachricht überbringen. Ich bin so froh, mein Liebster... endlich trage ich deinen Sohn unter dem Herzen, und kann dir damit deinen innigsten Wunsch erfüllen."

 

“Dein Wunsch hoffentlich auch... es grämt mich, daß man dich so drängte und ich dich so drängen musste!”

 

Bei jeder anderen Frau, die er womöglich nicht aus Liebe geheiratet hätte, wäre es womöglich anders, aber Maria liebte er aufrichtig und so war er umso glücklicher, daß er sie nicht hergeben musste.

Das wußte sie auch und lächelte, ehe sie ihn zärtlich küßte und den Kopf auf seine breite Schulter legte.

 

"Ich weiß, mein Liebster... und ich mache dir keinen Vorwurf, ich weiß doch selbst, wie wichtig es ist, daß du einen Thronfolger hast. Und ja, es war auch mein Herzenswunsch, mein Liebster - du weißt, ich liebe Kinder und kann es kaum erwarten, deinen Sohn in meinen Armen zu halten."

 

“Und ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen, wie du ihn in den Armen hältst.”

 

Nintano war überglücklich. Später würde er dem Sonnengott danken, aber jetzt genoss er noch den Moment, da er nachher wieder Pflichten hatte, denen er nachgehen musste.

 

~~~***~~~***~~~

 

Kapitel 3

 

 

Die Menschen waren wirklich gefesselt, und der Barde erzählte leise weiter.

 

“Es war mitunter die schönste Zeit für das glückliche Paar. Der König sorgte dafür, daß seine Liebste ihre Ruhe fand, und sie verbrachten so viel Zeit, wie es ging, zusammen.”

 

Unter den Zuhörern ging ein leises Raunen umher - denn sie alle kannten ihren König nur als harten, vom Leben gezeichneten Mann, der das Land ebenso hart, doch gerecht regierte. Sie konnten sich kaum vorstellen, daß er einmal so liebevoll und zärtlich zu einem Menschen sein konnte... nur die Ältesten begannen nun, sich daran zu erinnern und nickten, ehe eine gebrechliche Alte leise sprach.

 

"Ich erinnere mich... ich war damals Putzmagd im Schloß und sah sie manchmal im Garten oder durch die Gänge gehen. Es war wirklich so, wie der Sänger sagte - er war so zärtlich und fürsorglich, am Ende der Schwangerschaft trug er sie manchesmal sogar auf Händen, wenn es ihr zu beschwerlich wurde."

 

Elasai stutzte, denn er hatte die Alte reden hören. Er hätte nicht gedacht, daß er sich genau in dem Land aufhielt, in dem dieser König noch lebte, und sein Bruder rückte etwas dichter zu ihm.

Der stille Junge hatte vorher mitbekommen, wie einige flohen und auch in dem Sänger machte sich ein ungutes Gefühl breit.

 

“Bitte erzählt doch weiter.” drängten die Kinder, und Elasai nickte. Jetzt hatte er angefangen, dann konnte er den letzten Rest ebenso erzählen.

 

“Im Frühsommer war es soweit. Die Königin war wie so oft im Garten, als sie den Schmerz verspürte, der die Geburt ankündigte. Zum Einen ein wundervoller Moment, doch auch der Moment, in dem sie wusste, daß sie bald sterben würde.”

 

~~~***~~~***~~~

 

"Ah... ihr Götter..."

 

Maria keuchte leise, als sie sich leicht nach vorne krümmte und die Arme schützend vor ihren großen Bauch legte. Die Wehe verebbte langsam und schließlich entspannte sie sich und blickte zu Ina auf, die gerade mit dem Frühstückstablett in den Garten kam.

 

"Es ist soweit, Ina - wir müssen in die Gemächer und schicke dem König einen Boten, damit er rechtzeitig von dem Treffen der Händler wiederkommt."

 

Gerade jetzt war Nintano auf ein Treffen in die Stadt geladen worden und schon seit etwa einer Stunde weg, und es würde bis zum Abend dauern, bis er wieder zurückkam. Die Zofe nickte nur und stellte das Tablett ab, half ihrer Herrin die Treppen hinauf bis in die Gemächer und stützte sie immer, wenn eine Wehe kam und Maria vor Schmerz aufkeuchen ließ.

 

Als sie endlich angekommen waren, schickte die Zofe sofort eine Magd nach Schüsseln, frischen Tüchern und heißem Wasser - und natürlich auch einen Pagen, der panisch nach draußen rannte, sich ein Pferd geben ließ und so schnell es ihm möglich war, in die Stadt ritt.

 

Währenddessen kam die Hebamme, die die Königin schon durch die Schwangerschaft begleitet hatte und nickte - denn die Geburt schien ein wenig schneller als normal zu gehen, da schon jetzt das Fruchtwasser abging und die Wehen heftiger wurden.

 

.: | :.

 

Sofort, als der Bote ihm Bescheid gesagt hatte, beendete Nintano das Treffen und kam zurück zur Burg. Die Geschäfte hatten jetzt zu warten - und man richtete sich auch nach ihm und wagte nicht, zu widersprechen.

Aber jetzt war der König recht hilflos, er hörte Maria stöhnen und schreien und durfte nicht zu ihr. Es war nicht üblich, und so blieb ihm nichts anderes übrig, als nervös auf und ab zu schreiten. Jedoch stoppte er sofort, als der Schrei des Kindes zu hören war und lächelte sacht. Sein Kind war geboren.

 

In den Gemächern lächelte Maria erleichtert, als die Hebamme das Neugeborene abwusch und untersuchte, ehe sie es mit einem Nicken in ein warmes Tuch wickelte und ihr in die Arme gab.

Sie strahlte förmlich, als sie in das kleine Gesicht blickte und streichelte zärtlich über die weiche Wange des Kleinen, während die Hebamme nur leise seufzte und auf die Seite zu der Zofe ging.

Sowohl sie wie auch Ina hatten nur zu deutlich die schneeweiße Haut des Jungen gesehen - und auch wenn er die saphirblauen Augen und die schwarzblauen Haare seines Vaters hatte, so waren dies die einzigen Merkmale, die an ihn erinnerten und die Hebamme floh durch die Dienstbotengänge, während Ina dem König die Türe öffnete, respektvoll den Kopf neigte und zur Seite trat, um ihn einzulassen.

 

"Liebster... es ist ein Sohn. Dein Sohn, mein Liebster."

 

Die Stimme Marias war schwach und erschöpft, so wie auch ihr Körper - denn die Geburt war durch die Größe des Neugeborenen sehr schwer gewesen. Nintano lächelte erleichtert und kam zu ihr, um die noch immer schweißfeuchte Stirn zu küssen.

 

Maria war blass, und reichte ihn nun den Jungen. Daß Ina hinter einem Vorhang verschwand, bemerkte er nicht, denn sein Blick lag fest auf dem kleinen Gesicht. Die Haut war weiß wie Schnee, und fast glaubte er, das Kind sei doch tot, aber es bewegte sich.

 

“Was?”

 

Er legte das Kind auf das Bett, und wickelte es eilig aus den Tüchern. Sein Sohn hatte Haut, die so weiß wie Mondlicht war.

 

“Was ist das... warum hat er weiße Haut?” fragte er aufgebracht, denn sein Volk hatte von Natur aus eine eher dunklere Haut.

 

Der aufkeimende Zorn ihres Gatten ließ Maria sichtbar beben und sie senkte beschämt den Blick, ehe sie ihre letzte Kraft sammelte und ihn wieder ansah.

 

"Als die Priester das Ultimatum setzten, bekam ich Angst... denn ich hatte bis dahin jeden Tag zum Sonnengott um ein Kind gebetet, doch er verweigerte es uns beiden, so daß ich dachte, er wollte uns entzweien. Ich konnte nicht anders, mein Liebster - ich habe den Gott des Mondes angefleht, mir zu helfen... und er erhörte mein Flehen und schenkte uns dieses Kind. Deshalb ist das Kind auch hellhäutig... es ist ein Zeichen des Gottes."

 

Als Maria endete, rannen ihr Tränen über die Wangen und sie schluchzte leise, da sie sehen konnte, wie sich die Züge des Königs in seinem Zorn verdunkelten.

 

“Du hast WAS!!!!?” Nintano war außer sich und brüllte Maria an.

 

“Gerade den Mondgott? Du weißt doch, was das für ein Sakrileg ist!”

 

Langsam stieg die Wut und der Zorn... und das machte ihn blind, seine Liebe war im Moment verschwunden.

 

“Es wäre dann besser, du hättest kein Kind bekommen und wärst in das Kloster gekommen. Wie konntest du mich so hintergehen?!”

 

Blind in seinem Hass zog er das Schwert und schlug zu. Ein Hieb genügte, um Maria zu töten, und Nintano wickelte das Kind sofort in die Tücher, legte noch eine Decke um den winzigen Leib und trug das Neugeborene hinaus. Es musste weg, und danach musste er den Sonnengott um Vergebung bitten.

 

Zurück im Zimmer blieb die am ganzen Leib zitternde Zofe, die sich nur langsam wieder hinter dem Vorhang hervorwagte und tief aufschluchzend neben das Bett und ihre tote Herrin kniete.

 

Sie hatte ebenso wie die Königin gewußt, daß dieser Tag ihr Todestag war - doch sie hätten niemals gedacht, daß der Todesstoß vom König selbst kommen würde. Ina wußte, daß sie fliehen mußte... der König würde nicht lange wegbleiben und die Hebamme hatte den weisesten Weg gewählt, den auch die Zofe nun einschlagen würde.

 

Doch zuvor betete sie noch zum Mondgott und hoffte, daß die Seele der armen Königin ihre Ruhe finden würde. Dann stand sie auf, packte das Nötigste und blickte noch einmal zu dem Leichnahm in dem blutbesudelten Bett, ehe sie sich umdrehte und ebenso durch die Dienstbotengänge floh.

 

.: | :.

 

Ohne gestört zu werden, war Nintano zu den Ställen gelangt, da er viele der Wachen und die Dienerschaft weggeschickt hatte. Es war ihm jetzt recht und er legte das Kind ins Heu, um sein Pferd zu satteln. Er tat es schnell und erfahren, und würdigte dem wimmernden Bündel keinen Blick.

 

“Wie konnte sie nur... warum musste sie mir das antun?”

 

Immer wieder grollte er diese Worte, dann packte er das Kind und führte sein Pferd auf den Hof, um dort aufzusitzen. Er wollte dieses Kind wegschaffen und ritt in die Richtung der Berge. Er stoppte nicht auf seinem Weg und bemerkte nach einigen Stunden, daß dieses Kind ruhig geworden war. Es wimmerte nicht mehr, und schien zu schlafen.

 

“Auch gut, dann ist es ruhig.” knurrte der König und ritt noch weiter, bis die Sonne unterging und er zum Fuße eines Berges gelangte. Ein Blick in den Himmel ließ ihn erneut knurren, denn der Vollmond erstrahlte, als wenn er ihn verspotten wollte.

 

“Pah... du kannst dein Kind gern zurückhaben!”

 

Es war Zeit abzusteigen, das Pferd wurde angebunden und wenig später kletterte der König zielstrebig zur Spitze des kleinen Berges. Auch wenn es Zeit brauchte und anstrengte, Nintano gelangte nach einiger Zeit bis zur Spitze und legte das Kind dort ab.

 

“Da hast du deinen Bastard!!! Nimm ihn zurück, ich will ihn nicht mehr... ich will ihn nicht!”

 

Fast schien es, als ob das leise Wimmern des Kindes und der laute Ruf den Mond noch heller werden ließen, doch dann waberte das helle Leuchten einem Nebel gleich auf die Spitze des Berges herab und ein riesiger Schlangenmensch erschien, dessen Körper sich um die Bergkuppe ringelte, während der kräftige, menschliche Oberkörper sich langsam zu dem jungen König neigte.

Die nachtschwarzen Augen glommen einen Moment lang hell auf - doch dann verging es, als der große Mondgott das kleine Bündel aufnahm und mit einem tiefen Lächeln, das die langen, hellblauen Giftfänge entblößte, den Säugling betrachtete.

 

"Du irrst dich, junger König... Beljaro ist kein Bastard. Deine Frau liebte dich von ganzem Herzen - so sehr, daß sie alles dafür gab, um dir und deinen dummen Sonnenpriestern euren Herzenswunsch zu erfüllen.

 

Aber mein Preis war nicht eine Nacht in Lust und Leidenschaft, denn das hätte sie niemals getan - mein Preis war ihr Leben, auch wenn du es mir in deinem Haß gegeben hast. In diesem Jungen fließt das Blut aus den Lenden, die ihn gezeugt und das der Lenden, die ihn geboren haben... er ist dein wahrhafter Sohn, du dummer, junger König.

 

Und wenn du ihn mit Liebe angenommen hättest, wäre seine Hautfarbe das einzige Zeichen meines Erbes gewesen - er wäre ein starker und gerechter König geworden, der dein Reich in eine glorreiche Zukunft des Friedens geführt hätte. Doch du hast ihn stattdessen mit Haß empfangen, und nun gehört er mir... den nun erwacht sein wahres Erbe und nurmehr ein Teil seines Blutes wird menschlich sein, und von dir und seiner Mutter künden."

 

Kaum, daß der Mondgott geendet hatte, schien das Mondlicht sich in der weißen Haut des Jungen zu fangen, den der Gott von den Decken befreite - und noch im gleichen Moment verschmolzen die Beine des Neugeborenen zu einem langen Schlangenschweif und die vormals schwarzen Haare färbten sich so saphirblau wie dessen Augen, während auch kleine Krallen an seinen Fingerspitzen und Giftfänge in seinem Mund wuchsen, die ebenso saphirblau gefärbt waren.

 

Nintano entsetzten die Worte sichtlich - aber seine Überraschung wandelte sich in Zorn und er wich zurück und schlug das Zeichen des Sonnengottes, als sich sein Kind veränderte.

 

“Du hättest wissen müssen, daß ich ein Kind mit solcher Haut nicht als meines sehen konnte ... verfluchter Mondgott ... behalte ihn !!”

 

Er war außer sich und wandte sich ab, um zu fliehen. Hier wollte er auf keinen Fall länger bleiben und innerlich zerbrach etwas in ihm, sein Herz erkaltete durch seinen Gram, weil ihm bewusst wurde daß er die Frau, die er liebte, erschlagen und seinen Sohn dem Mondgott gegeben hatte.

 

Der Mondgott hatte ein übles Spiel gespielt, als er dem Kind die helle Haut gab. Ein Spiel, das Folgen trug und dem König all die Wärme nahm, die er bisher zeigte. Ihm folgte ein kaltes Lachen, ehe noch einmal die Stimme des großen Mondgottes erklang.

 

"Ich habe dein Herz getestet, junger König - wäre es rein und voll der Liebe gewesen, derer du dich immer gerühmt hast, dann hättest du deinen Sohn selbst mit heller Haut erkannt und ihn als den deinen gesehen, da nur die wahre Liebe auch durch solche Dinge sehen kann. Maria weckte das Gute in dir, das die Sonnenpriester abtöten wollten - merke dir meine Worte, junger König:

 

Der Tod der Königin wird ihnen die Gelegenheit geben, die sie schon lange herbeisehnten. Sie werden dich zwingen, andere Frauen zu heiraten, die sie selbst aussuchten, um den Thronfolger zu zeugen - doch aus deinen Lenden wird nie wieder ein Junge entspringen, da du auch an deinem Gott freveltest, als du deine Frau in grundloser Eifersucht im Kindbett erschlugst. Alle Götter spielen mit dem Wesen der Menschen und testen sie... und jede Entscheidung trägt die Früchte, die sie säht."

 

Dann verstummte die Stimme des Mondgottes, ehe er seine Gedanken zu der Zofe sendete und ihr von dem berichtete, das hier geschehen war. Ina erschrak bis ins Mark, als die Stimme ihres Gottes in ihrem Inneren erklang - doch sie fügte sich und nickte, da sie die Wahrheit in sich bergen und für immer bewahren würde.

 

Der König war geschwind den Berg hinabgeklettert, und ritt nun ebenso geschwind zurück zu seiner Burg. Die Zeit, bis er dort war, hatte er leider, um nachzudenken... und als er dort ankam und die Gemächer seiner Gattin betrat, schloss er die Tür und brach zusammen, als er sie auf tot auf dem Bett liegend vorfand - so, wie er sie zurückgelassen hatte.

Er hatte seine große Liebe aus Eifersucht getötet, den Mondgott erzürnt und ebenso den Sonnengott. All das war schon Strafe genug, und nun lastete auch noch ein Fluch auf ihm. Warum musste das alles nur passieren?

 

~~~***~~~***~~~

 

Kapitel 4

 

 

“Die Königin erhielt noch ein wundervolles Begräbnis und der König erzählte, das Kind sei bei der Geburt verstorben. Ob er sich noch etwas Liebe im Herzen bewahrte, wissen nur die Götter. Doch der Fluch wirkte wohl, denn er zeugte seit damals nur noch Töchter.”

 

Elasai beendete die Geschichte hier und atmete kurz tief ein. Er fand die Geschichte sehr traurig, und als die alte Frau sie ihm erzählte, war er richtiggehend geschockt. Die Leute um ihn herum schluckten schwer und blickten einander an, ehe sie dem jungen Bruder einige kleine Münzen in dessen Schale warfen und wieder gingen.

 

Doch diesen Moment nutzten nun die Wachen, die bis jetzt im Dunkel eines Tores gewartet hatten und kamen hervor, packten den Sänger und dessen Bruder und fesselten sie, während der Kommandant seine Befehle brüllte und einer der Soldaten noch deren Gepäck auf- und mitnahm. Das Ganze ging so schnell, daß die Brüder kaum wussten, was mit ihnen passierte... und schon waren sie gefesselt, und wurden grob mitgezerrt.

 

“Bitte... wir haben doch nichts getan, was wirft man uns vor?”

 

Elasai wollte es wissen, und sein Bruder schluchzte leise und verängstigt. Der stille Junge stand unter Schock, und war kreidebleich geworden.

 

Doch die Wachen knurrten nur und einer von ihnen schlug dem Sänger in den Rücken, ehe er wütend zischte.

 

"Halt dein Schandmaul! Niemand beleidigt ungestraft unseren König!"

 

Dann zerrte er ihn weiter und auch die anderen Wachen gingen etwas schneller, so daß sie nicht lange brauchten, um aus der Stadt herauszukommen und den Weg in die Burg einzuschlagen.

Dort brachte man sie sofort in den Keller der Burg und übergab sie den dortigen Wachen und dem Kerkermeister, der sie in eine der Zellen werfen ließ, sobald man ihnen die Fesseln abgenommen hatte.

 

Als die Tür ins Schloss fiel, klammerte sich der jüngere Bruder an Elasai fest und schluchzte erbärmlich. Elorian war außer sich, und der Rothaarige streichelte ihm beruhigend über den Kopf.

 

“Ich werde nicht zulassen, daß man dir etwas tut.”

 

Ihm war jetzt mehr als nur klar, daß sie in dem Königreich waren, dessen König der aus der Geschichte war... und Elasai hatte die Geschichte gesungen, die so lange verschwiegen worden war.

 

“Alles wird gut.”

 

Doch auf diese Worte folgte ein geringschätziges Schnauben und die Wachen salutierten, als König Nintano an die Zelle trat und die Gefangenen betrachtete. Ein Sänger und dessen Bruder - und sie hatten gegen sein Gesetz verstoßen und den Leuten die Wahrheit erzählt, so daß Nintano sicher war, daß sich diese Neuigkeit wie ein Lauffeuer verbreiten würde.

 

"Nichts wird gut - das wurde es noch nie. Man kann nur auf die eigene Stärke vertrauen und selbst dann wird man oft genug verraten. Sag mir nur eines, Sänger - wer hat dir erzählt, was damals wirklich geschah? Wenigstens das will ich wissen, ehe ich euch dafür köpfen lasse, daß ihr meinen Untertanen die Wahrheit erzählt und mich damit zum Gespött aller gemacht habt."

 

Elasai blickte in ein verbittertes und kaltes Gesicht, doch er neigte respektvoll seinen Kopf, da er vor einem König stand.

 

“Es war eine alte Frau, die uns eine Nacht bei sich aufnahm... mehr werde ich nicht sagen.” Er wollte nicht, daß der Alten etwas passierte, denn er ahnte, daß sie die Zofe von damals war.

 

“Und ich hatte gewiss nicht vor, euch zu schaden, ich wusste nicht, daß ich in genau diesem Königreich bin.”

 

"Dann solltest du dich besser vorher erkundigen, Sänger! Und du brauchst nicht zu antworten, ich kann mir schon denken, wer es war. Es muß die Zofe von ihr gewesen sein, nur sie kannte all diese Einzelheiten, von denen du gesungen haben sollst und die mir berichtet wurden... Dinge, von denen noch nicht einmal ich selbst wußte."

 

Die Worte Nintanos waren so kalt wie seine Augen - er hatte seither nicht eine Nacht verbracht, in der ihn seine Tat nicht heimsuchte, und so lachte er verbittert auf und strich sich durch die kurzen Haare, die an den Schläfen schon ergrauten.

 

"Mittlerweile ist es bald dreißig Jahre her, seit dies geschah... und nun haben die Priester endlich den Einfluß, den sie schon immer haben wollten. Sie gestatteten mir nach Marias Tod gerade einmal ein Jahr der Trauer, ehe sie die erste Frau brachten, die ihnen der Sonnengott prophezeite... doch sie gebar mir nur drei Töchter, ehe die Priester sie in das Kloster verbannten und mir eine andere Frau brachten.

Diese brauchte Jahre, ehe auch sie mir nur eine Tochter gebar und ebenso in das Kloster geschickt und die dritte Frau von den Priestern ausgesucht wurde. Allesamt nur hungrig nach dem Reichtum, den die Minen meinem Land schenken - und nach einem Mann, den sie umgarnen und beherrschen konnten, falsch wie Schlangen und unfähig zu reiner, selbstsüchtiger Liebe.

 

Auch die Letzte schenkte mir vier Töchter, ehe ich sie in das Kloster schicken konnte... und da der Fluch des Mondgottes sichtbar wirkte, zwangen mich die Priester dazu, meine besten Krieger und danach die besten Söldner, die Gold kaufen konnte, zu dem Dornenwald am Fuß des Berges zu schicken, in dem der Sohn des Mondes lebt.

 

Sie sagen, es ist zwecklos, wenn ich wieder heirate... der Fluch des Mondgottes wird erst aufgehoben, wenn Beljaro und damit mein Blut in ihm stirbt, erst dann werde ich einen weiteren Sohn zeugen können."

 

Der verbitterte König schnaubte erneut und schüttelte nur kurz den Kopf... denn er glaubte den Phrasen der Sonnenpriester schon lange nicht mehr und verfluchte sich jeden Tag, daß er damals in seinem jugendlichen Leichtsinn an sie geglaubt und auch Maria gebeten hatte, an den Sonnengott zu glauben.

 

"Keiner der Krieger und Söldner überlebte - entweder tötete der Mondsohn sie schon im Dornenwald oder sie starben, nachdem sie sich herausgeschleppt und davon erzählt hatten, wie er sie tötete.

Er ist ein Monster - wie der Mondgott ein riesiger, kräftiger Mann mit dem Körper einer Schlange, den Krallen eines Monsters und langen Fängen voller Gift, das so stark ist, daß schon ein Biß den stärksten Krieger fällen kann."

 

Für einen Moment sah Nintano Mitgefühl durch die grünen Augen des Sängers schimmern und es schürte seinen Zorn - doch dann kam ihm eine Idee und er lachte, auch wenn es ein Lachen war, das Gänsehaut in seiner Kälte und Verachtung wecken konnte.

 

"Doch vielleicht lagen die dummen Priester erneut falsch - und es braucht keine Krieger, um diese Aufgabe zu erledigen? Du besitzt einen Dolch, Sänger... der Kerkermeister hat ihn neben deiner Laute in deinem Bündel gefunden. Du wirst gehen, Sänger - du wirst ihn für mich töten und mir seinen Kopf bringen, oder dein Bruder wird eines qualvollen Todes sterben. Was sagst du dazu, Sänger?"

 

Elasai hatte den Worten mit gemischten Gefühlen gelauscht und war der Meinung, daß die Priester an allem schuld waren. Auch von den Kämpfern hatte er gehört und kannte viele Lieder darüber, aber als der König seinem Bruder drohte und ihn so dazu zwang, gegen den Mondsohn zu kämpfen, war er entsetzt.

 

“Natürlich werde ich gehen... ich werde nicht zulassen, daß meinem Bruder etwas passiert! Allein, daß ihr einem Knaben so etwas antun wollt, zeigt, wie verbittert euer Herz ist.”

 

Elorian hatte sich erneut in seine Arme geflüchtet, und bebte am ganzen Leib.

 

“Ihr tut mir wahrlich leid, König Nintano.”

 

"Noch ein Wort über Mitleid, und ich vergesse mich und töte dich eigenhändig! Welches Recht glaubst du zu haben, so mit mir zu reden?! Und ja, ich bin verbittert - mehr, als du jemals wissen wirst. Und wenn ich dich zwingen muß, das zu tun, das Andere nicht schafften, dann sei es so!

 

Wachen - packt diesen singenden Abschaum und gebt ihm seine Sachen wieder. Er soll am Tor eine Karte bekommen, die ihm den Weg zum Dornenberg zeigt und verkündet allen Wachen, daß er nur wieder in die Burg gelassen werden darf, wenn er mir den Kopf des Mondsohns bringt!"

 

Als die Wachen die Zelle öffneten und den jüngeren Bruder mit Gewalt von dem Sänger wegrissen, schloß Nintano für einen Moment seine Augen - er haßte es, so sein zu müssen, doch was die beiden Gefangenen nicht wußten, war, daß sie selbst hier von einem der Priester aus einem versteckten Alkoven beobachtet wurden.

Und dieser nickte und verschwand, um dem Hohepriester von den Ereignissen zu berichten, so daß er nicht mehr sah, wie der König nun den kleinen Jungen an den erneut angelegten Handfesseln packte und hinter sich die Kerkertreppen nach oben zerrte.

 

Derweil wurde Elasai zum Tor gezerrt. Dort warf man ihm sein Bündel in die Arme und er fing seine Laute gerade noch, bevor sie zu Boden ging, da die Männern nicht darauf achteten, ob er es schaffte, sie zu fangen. Sie drückten ihm dann lachend eine Karte in die Hand und stießen ihn fast schon aus dem Tor hinaus.

 

“Viel Erfolg, Barde... vielleicht kannst du ihn ja mit deinem Gesang zum Schlafen bringen!”

 

Oben in seinen Gemächern seufzte Nintano leise, als er dem Sänger hinterhersah, der nun langsam und sichtbar niedergeschlagen den Weg zum Dornenberg einschlug. Neben ihm stand der junge Bruder des Sängers und schluchzte leise, als auch er ihn beim Weggehen betrachtete und der Blick des Königs wurde dabei weicher.

Erst jetzt zog er den Dolch aus der Scheide an seinem Gürtel und als der Junge ängstlich zurückzuckte, schüttelte Nintano nur leicht den Kopf und kniete sich vor ihn hin, während er ihm die Fesseln aufschnitt.

 

"Hab keine Angst, Junge... ich werde dir nichts tun. Aber es war die einzige Möglichkeit, ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren - denn er hat dem Sonnengott gefrevelt und die Priester hätten seinen Kopf gefordert.

Ich hoffe, daß dein Bruder überlebt, Junge... und bis dahin bleibst du hier, denn hier bist du vor den Priestern und den Intrigen geschützt. Meine Töchter werden sich um dich kümmern, ja? Und auch ich werde es tun, ich bin nicht so, wie ich es außerhalb dieser Gemächer immer sein muß."

 

Elorian kuckte den König mit großen Augen an und bekam erstmal den Mund nicht zu. Aber er begriff sofort, was los war, denn die Schrecken der Sonnenpriester waren in vielen Ländern bekannt.

 

“Ich... danke euch.” hauchte er und schluchzte erneut auf, weil er wusste, daß sich sein Bruder in Lebensgefahr begab.

 

“Was ist, wenn er nicht wiederkommt? Elasai kann doch nicht so gut kämpfen.”

 

Die Sorge des rothaarigen Jungen ließ Nintano wieder leise aufseufzen und er nickte zu einem bequemen Sofa, ehe er sich darauf setzte und lächelte, als der kleine Junge sich neben ihn setzte und ihn hoffnungsvoll aus seinen hellbraunen Augen anblickte.

 

"Gerade deshalb denke ich, daß er noch am Ehesten eine Chance gegen Beljaro hat. Denn dein Bruder ist kein Kämpfer, er ist Sänger... vielleicht überlebt er gerade deshalb. Denn Beljaro haßt Krieger und Kämpfer so sehr, wie ich ihn damals - denn er weiß, daß sie ihn in meinem Namen töten wollen, und wehrt sich.

Doch dein Bruder ist nicht so... ich glaube nicht, daß er so hart und kaltherzig ist, daß er einfach reingeht und ihn töten will. Ich denke eher, daß er es eigentlich nicht möchte und daran verzweifelt, wie er es anstellen soll, dich zu retten. Vielleicht verschont ihn Beljaro, wenn er das bemerkt... hab einfach nur Vertrauen."

 

“Ihr... sprecht so, als ob ihr euren Sohn doch mögt, Herr.” hauchte der Junge und wagte jetzt nicht, aufzusehen, denn er hatte nicht das Recht, dies zu sagen.

 

Er wusste aber um die Geschichte, und er hatte einen Moment den Blick im Zimmer schweifen lassen und sah, daß überall Erinnerungen an Königin Maria hangen und lagen. Aber dann kam ein Mädchen ins Zimmer und lächelte warm.

 

“Ist das der Barde, Vater? Er scheint mir etwas jung?”

 

Nintano lachte leise und hielt die starken Arme auf, so daß das junge Mädchen zu ihm laufen und sich lachend umarmen lassen konnte.

 

"Aber Nein, kleine Maria... das ist sein Bruder. Der Barde ist wieder abgereist und sein kleiner Bruder wird bei euch bleiben, bis der Barde wieder zurückkommt. Freust du dich darüber?"

 

“Ja, sehr... sehr sogar.” Maria lächelte glücklich und musterte den Jungen, der etwas unglücklich wirkte.

 

“Dein Bruder kommt bestimmt zurück, und bis dahin bist du bei uns gut aufgehoben. Kannst du auch singen?” fragte sie aufgeregt, und Elorian nickte schüchtern.

 

Noch nie hatte er so ein hübsches Mädchen gesehen. Sie ähnelte Königin Maria, und trug daher wohl auch ihren Namen.

 

“Du bist sehr hübsch, Prinzessin.” hauchte er und wurde rot, jedoch nicht so rot wie sie.

 

Bei den Worten schmunzelte Nintano und nickte, ehe er seiner Tochter einen Kuß auf die Stirn gab und sie wieder losließ.

 

"Kommt - gehen wir zu deinen Schwestern, kleine Maria, sie freuen sich sicherlich ebenso über unseren Neuzugang."

 

Der Anblick des hochroten Jungen, der sicherlich nicht mehr als acht Jahre zählte, war zu niedlich - und der König war sich sicher, daß Elorian die Herzen seiner anderen Töchter im Sturm erobern würde.

 

.: | :.

 

Kapitel 5

 

 

Derweil war Elasai schon ein Stück entfernt, und blickte immer wieder zurück zu der Stadt und der Burg. Es grämte ihn, daß er seinen Bruder dortlassen musste, und er betete zu den Göttern, daß ihm sein Vorhaben gelingen würde.

Allein, daß der König einem achtjährigen Kind etwas antun würde, um den Mondsohn tot zu sehen, zeigte, wie verbittert er war... und doch hatte der Barde das Gefühl, daß mehr dahintersteckte. Der König hätte ihn auch sofort töten können, ebenso seinen Bruder.

 

“Vielleicht? Ich weiß nicht.”

 

Nachdenklich folgte er weiter dem Weg, der auf der Karte eingezeichnet war, um zum Dornenberg zu kommen. Und doch schweiften seine Gedanken immer wieder zum König. Er hatte ihnen die Chance gegeben, ihr Leben zu retten, und irgendwie glaubte Elasai nicht mehr, daß der König seinem Bruder etwas tun würde.

Auf seinen Wanderungen hatte er viel über Menschen gelernt, auch daß sie oft Masken trugen. Und der König trug eine, da die Priester scheinbar großen Einfluss gewonnen hatten.

 

Erst spät bemerkte er, daß es dämmerte, und er blickte sich nach einem Schlafplatz um. Zum Glück hatte er seine Sachen bekommen, so daß er warm schlafen konnte.

 

Noch ein wenig von ihm entfernt, kam ein Bauer mit einem Karren voller Heu von seinem Feld, als er den Wanderer erblickte, der sich gerade umsah. Nun doch ein wenig unsicher werdend, nahm der große Bauer die Heugabel von seiner Schulter und hielt sie unauffällig so, daß er sie als Waffe benutzen konnte - doch als er näherkam und sah, daß dieser Wanderer kein Schwert trug, entspannte er sich wieder und legte die Heugabel über die Schulter, als er nach dem Fremden rief.

 

"Holla, Wanderer - sucht ihr etwas?"

 

Der Barde erschrak halb zu Tode und hielt kurz die Hand ans Herz, um durchzuatmen.

 

“Ja, Herr Bauer... ich suche einen Schlafplatz für die Nacht. Wärt ihr vielleicht so gütig, mich in der Scheune übernachten zu lassen? Ich würde euch ein Kupferstück dafür zahlen.”

 

"Ein ganzes Kupferstück?"

 

Der Bauer war einen Moment lang sichtbar sprachlos - doch dann lachte er auf und kam zu dem schlankeren Sänger, schlug ihm kurz freundlich auf den Rücken und nickte heftig zu dessem Vorschlag.

 

"Aber sicher doch! Und für den Preis bekommt ihr dazu auch noch ein gutes Abendessen, damit ihr gut gesättigt einschlafen könnt. Kommt, mein Hof ist nicht weit von hier entfernt... und meine Frau hat den Eintopf bestimmt schon auf dem Herd."

 

“Ich danke euch. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, und ich bin dankbar über ein gutes Lager und ein gutes Essen.”

 

Elasai wusste, daß ein Kupferstück viel war, aber er gab es gern für ein warmes Lager und ein gutes Essen.

 

Der Bauer nickte nur und führte sein Pferd und den Wagen weiter, bis sie nach einigen Minuten einen Seitenweg einschlugen und schon bald an einem kleinen Bauernhof ankamen. Dort wartete schon die Frau des Bauern mit ihren beiden Kindern, die ihrem Vater lachend entgegenliefen - sie stutzten nur kurz bei dem Anblick des Sängers, doch da ihr Vater ihn mitbrachte, schien er nicht gefährlich zu sein und sie umarmten den Bauern noch immer lachend.

 

Die Bäuerin nickte zum Gruß und lächelte ein wenig scheu - als ihr Mann jedoch, nachdem er das Pferd versorgt hatte, von dem Angebot des Reisenden erzählte, wurde es zu einem Strahlen und sie nickte, als sie den Gast hereinbat.

 

"Kommt doch herein, werter Herr - es ist nur ein einfacher Eintopf, doch er schmeckt und sättigt gut."

 

“Ich danke euch und ich bin sicher, er wird sehr gut schmecken... so gut, wie es hier riecht.”

 

Der Barde lächelte, als die Kinder ihn neugierig musterten... denn er wusste, daß er eine besondere Wirkung auf Kinder hatte.

 

“Solll ich euch später eine kleine Geschichte erzählen? Ich bin Barde.”

 

Er hockte sich zu den Kindern und lachte leise, als sie bittend zu den Eltern blickten. Die Mutter seufzte leise und senkte kurz den Blick, ehe sie wieder zu dem Barden blickte.

 

"Wir haben leider nicht das Geld, um euch zu bezahlen, junger Barde... so gern wir auch eure Geschichten hören würden. Wir sind nur arme Bauern und alleine schon das Kupferstück, das ihr uns für die Übernachtung geben wollt ist mehr, als mein Mann in einem Monat verdienen kann."

 

“Ich verlange auch kein Geld. Vielleicht, wenn ihr es entbehren könntet, etwas Wegzehrung für meine Reise? Aber auch das ist nicht unbedingt nötig.”

 

Allein die glücklichen Kindergesichter waren genug, und er setzte sich nun an den Tisch, da die Hausherrin schon aufdeckte. Das Angebot war mehr als nur ungewöhnlich und im ersten Moment wußten die Bauersleute nicht, was sie sagen sollten - doch dann nickten sie und der Bauer lächelte, als er sich ebenso wie die Kinder an den Tisch setzte.

 

"Gerne, Herr - zu Essen können wir euch genug für die Reise geben, das ist das Einzige, das wir Bauern immer und gerne geben können."

 

Dann senkten sie alle den Kopf und sprachen den Essensegen des Sonnengottes, ehe die Bäuerin ihnen allen Eintopf in die einfachen Schüsseln schöpfte. Elasai sprach das Gebet nicht mit - er war nicht so gläubig, aber er trug einen Talisman vom Schutzgott der Barden auf Wanderschaft. Er kostete sogleich den Eintopf und seufzte wohlig.

 

“Wunderbar... ihr seit eine großartige Köchin.”

 

Das Lob war ehrlich, und er genoss jeden weiteren Bissen der des Eintopfes. Und auch das verwunderte die einfachen Bauersleute, obwohl die Frau nach einigen Augenblicken leicht errötete und sich freute.

 

"Ihr seid sehr freundlich, Herr... so anders als die Barden, die sonst über die Straßen von Stadt zu Stadt ziehen. Sie spielen immer nur zu den Herrschaften und Kaufleuten, viele von ihnen reisen in noblen Kutschen und manche von ihnen haben einen ganzen Troß an anderen Spielleuten dabei, um eine ganze Königsgesellschaft zu unterhalten. Ihr seid ehrlich und freundlich, Herr - und ihr schämt euch nicht, bei uns einfachen Leuten zu sitzen und ein ebenso einfaches Essen zu essen. Ich danke euch, Herr."

 

Dann verstummte die Frau wieder und ihr Mann drückte ihr liebevoll die Hand, da sie ihm aus der Seele gesprochen hatte.

 

“Ich pflege noch die alten Werte der Barden. Ich wandere umher und höre mir alte Geschichten an, um sie dann weiterzutragen. Ich nehme, was man mir gibt, sei es Kupfer oder Essen. Ich weiß, es gibt nur noch wenige Barden meines Schlags.”

 

Elasais Blick wurde ein wenig traurig, denn er dachte wieder an seinen Bruder. Die beiden Bauersleute bemerkten den Blick, doch sie gingen höflicherweise nicht darauf ein. Stattdessen aßen sie in einvernehmlichen Schweigen weiter und als sie fertig wurden, halfen die beiden Kinder beim Abräumen und die Bauersfrau spülte die einfachen Schüsseln noch ab, während der Bauer eine der Lampen nahm und die Kerze anzündete, um den Barden in die Scheune zu bringen.

 

"Es ist nicht viel, doch es dürfte euch genügen, Herr. Wenn ihr aufwacht, kommt zu meiner Frau - sie wird euch noch ein Frühstück richten und euch ein wenig Wegzehrung für die Reise mitgeben, ich werde Morgen leider schon zeitig zurück auf die Felder müssen. Ich wünsche euch eine geruhsame und gute Nacht, Herr... und mögen die Götter mit euch sein und euch allzeit beschützen."

 

Dann drehte er sich um und ging wieder zurück, denn auch für ihn wurde es Zeit, sich hinzulegen, da er mit der Morgensonne aufstehen mußte.

Elasai bedankte sich noch bei dem Bauern und nickte, denn er mochte solche Schlaflager gern und auch sein Bruder schlief gerne in Scheunen. Der Mond schien oben durch ein Fenster hinein, und Elasai blickte zu ihm auf.

 

“Vollmond.” wisperte er, und lächelte einen Moment.

 

“Ich hoffe, du verstehst mein Tun, Mondgott. Ich fürchte um meinen kleinen Bruder, deswegen mache ich mich auf dem Weg zu deinem Sohn.”

 

Er wendete den Blick wieder ab, und richtete sein Lager. Es war einsam ohne Elorian und er hoffte bei den Göttern, daß es ihm gutging. Sie waren bisher nie getrennt gewesen, ihre Mutter starb bei Elorians Geburt und Elasai und ihr Vater zogen ihn auf, bis dieser dann vor vier Jahren ebenso verstarb. Elorian war immer still und schüchtern... außer sie waren allein, dann konnte er eine Plaudertasche sein.

 

“Ich vermisse dich, kleiner Bruder.”

 

Das Lager war langsam gerichtet und Elasai legte sich hin, doch er konnte noch nicht schlafen. Zum Einen strahlte ihn das Mondlicht an, und zum Anderen überlegte er, wie er es anstellen konnte, den Kopf des Mondsohns zum König zu bringen.

 

“Dabei will ich ihn gar nicht umbringen, und ich wäre auch nicht in der Lage dazu... was mache ich nur?”

 

Doch Niemand antwortete auf die Frage des Barden, nur das Mondlicht schien sanft über dessen Körper zu streichen und wanderte langsam weiter, so daß der Barde nicht mehr im Hellen lag und leichter schlafen konnte.

 

.: | :.

 

Am nächsten Morgen hatte Elasai seine Habe eingepackt und saß nun bei Tisch in dem Bauernhaus. Die Bäuerin machte gerade ein gutes Frühstück und packte nebenher ein wenig Essen ein, das der Barde mit auf seinen Weg nehmen konnte.

 

“Sagt, gute Frau - wisst ihr etwas über den Mondsohn, und wie man zu dem Dornenberg gelangt? Ich habe zwar eine Karte, aber ich würde doch gern mehr erfahren.”

 

Die Kinder spielten gerade draußen und bekamen so nicht mit, wie die Bäuerin zutiefst erschrak und das Brett fallen ließ, das sie gerade von der kleinen Anrichte genommen hatte. Sie brauchte einen Moment, um sich von dem Schreck zu erholen - doch sie zitterte noch immer, als sie das Brett wieder aufhob, in den Waschbottich legte und sich dann zu dem Barden setzte, um ihn aus entsetzt geweiteten Augen anzusehen.

 

"Der Mondsohn? Ihr wollt wirklich zum Dornenberg? Der Berg ist verflucht, ich bitte euch, bleibt ihm fern. Schon seit ich eine junge Frau war, reisten die stärksten Krieger und Söldner unseres Reiches und anderer Reiche dorthin... doch Niemand kehrte jemals lebend von dort zurück.

Nur manchmal schaffte einer der Krieger es, sich sterbend bis vor den Dornenwald zu schleppen und seinen Dienern noch etwas zu sagen - doch sie starben nach nur wenigen Worten. Der Dornenberg gehört dem Mondgott... seit dieser einen Nacht, in der er wie eine Schlange aus dichtestem Nebel vom Himmel herabkam, und sein Sohn auf dem Berg blieb."

 

Die Bäuerin verstummte und schluckte schwer... doch sie sah, daß sie den Barden nur neugierig gemacht hatte, und senkte schwer seufzend den Blick.

 

"Früher war dieser Berg dem Sonnengott geweiht und auf ihm blühten die schönsten Blumen und wuchs das saftigste Gras, so daß meine Eltern dort immer die Schafe und Kühe weiden ließen. Doch in dieser Nacht flohen alle Herden und es wuchsen Dornenranken, so dick wie Bäume, und die Dornen sind so lang und scharf wie ein Schwert.

 

Viele der Krieger fanden schon an ihnen den Tod, da der Weg lang und tückisch ist... doch der Wald ist nur wie ein Ring um den Fuß des Berges, in dem der Sohn des Mondes wohnt. Ein Wesen, so tödlich wie nichts sonst - er soll wie sein Vater den Unterleib einer Schlange haben, so weiß wie das Mondlicht... doch er besitzt Krallen, Stacheln und so lange Giftfänge wie die einer Schlange.

 

Und so tödlich ist er auch - er reißt mit seinen Krallen und Stacheln durch die stählernen Rüstungen wie durch Papier, sein Gift tötet augenblicklich und er kann sich in Nebel wandeln, so daß keine Waffe ihn trifft. Und selbst wenn sie es tut, so heilen seine Wunden augenblicklich.

Er ist wahrlich der Sohn eines Gottes und selbst ein Gott - und man kann ihn nicht töten, bitte geht nicht dorthin, Herr. Es heißt, daß er die Angst und den Zorn der Menschen riechen kann... und daß er sogar riechen kann, ob man die Wahrheit sagt oder lügt. Bitte, Herr, geht nicht - gerade ein Sänger, wie ihr es seid, sollte sein Leben nicht wegwerfen."

 

“Ich muss aber dorthin, um das Leben meines Bruders zu retten. Ich danke euch, daß ihr mir euer Wissen erzählt habt, es wird mir sehr helfen. Und sorgt euch nicht, gute Frau... ich werde ihm offen und ehrlich begegnen, damit er mich anhört.”

 

Elasai berührte kurz die Hand der Frau und lächelte zuversichtlich. Und diese seufzte kurz, ehe sie die Hand des jungen Barden drückte und ein wenig wehmütig lächelte.

 

"Vielleicht... ja, vielleicht habt ihr mehr Erfolg darin, am Leben zu bleiben als die Krieger, die ihn töten wollten. Ihr habt ein gutes Herz - das und eure sanfte Seele sind eine mächtigere Waffe als alle Schwerter, die es gibt.

Nicht umsonst heißt es in den alten Legenden, daß der Mondgott nur deshalb existiert, um mit seinem sanfteren, liebevollen Wesen die Kampflust und Härte des Sonnengottes zu mildern.

Die Sonnenpriester haben diese Legenden verteufelt und es ist bei Kerkerstrafe oder sogar Tod verboten, über den Mondgott zu erzählen - doch ich habe etwas von meiner Urgroßmutter geerbt, das euch vielleicht helfen könnte."

 

Es fiel der Bäuerin schwer, überhaupt darüber zu reden - doch sie hatte den jungen Barden, der so edelmütig war, in ihr Herz geschlossen und holte nun aus einem versteckten Astloch in der Wand eine Pergamentrolle, die geschützt in einem hohlen Stück Schilfrohr ruhte.

Dieses Schilfrohr gab sie dem Barden in die Hand und schloß lächelnd dessen Finger darum, ehe sie zurücktrat und ihm das Bündel mit der Wegzehrung gab, da sie mit dem Frühstück fertig waren.

 

"Ich schenke es euch, junger Barde - ihr könnt es sicherlich besser gebrauchen als ich, doch lest es erst, wenn ihr weit genug von hier entfernt seit. Mögen die Götter euch beschützen und führen... und möge euch immer die Sonne scheinen."

 

“Ich danke euch...” wisperte Elasai, und nahm die Rolle und auch den Proviant an sich.

 

Er stand auf und nahm noch kurz die Hand der Frau, um ihr ein weiteres Kupferstück hineinzulegen.

 

“Keine Widerworte, ihr habt mir sehr geholfen.”

 

Er nahm nun sein Bündel auf und verließ die Hütte, denn die Frau war im Moment zu verblüfft, um noch etwas zu sagen. Mit den zwei Kupferstücken konnte die Familie besser leben und es war das Mindeste, das er ihnen geben konnte, auch wenn er vergessen hatte, den Kindern etwas zu erzählen. Vielleicht kam er ja nochmal dazu, wenn er lebend zurückkehrte.

 

.::: | :::.

 

Kapitel 6

 

 

Ein paar Tage später stand der Barde vor dem Berg und seufzte leise. Die Abenddämmerung war schon hereingebrochen und er musterte die Dornenranken, die wahrlich dick wie Baumstämme waren.

Die Dornen waren so lang wie sein Arm, und spitzer als ein Schwert. Noch in der Dämmerung konnte er Knochen und Rüstungsteile sehen, die darin lagen oder an ihnen hingen. Und er sah nun auch, wie langsam Nebel durch die Ranken kroch, so daß er leicht zurücktrat.

 

“Ob er das wohl ist?” fragte er sich leise wispernd, und trat noch ein weiteres Stück zurück... denn er wollte jetzt noch nicht in die Dornen gehen und musste daher noch ein Lager vorbereiten. Er fragte sich auch, ob der Mondsohn wusste, daß er da war.

 

Tatsächlich wußte dieser von seinem neuen Besucher - doch auch nur deshalb, weil er eigentlich einen jeden Abend bei Sonnenuntergang in seiner Nebelform um den Dornenwald waberte.

So entdeckte er auch diesen Menschen, der nun ein einfaches Feuer machte und sich daneben in eine schlichte Decke hüllte, ehe er ein wenig nachdenklicher werdend eine Schriftrolle herausnahm und sie betrachtete.

 

Beljaro wußte nicht, was er von diesem Menschen halten sollte - es war augenscheinlich kein Krieger, denn er trug nur einen kleinen Dolch und dieser steckte halb verborgen im Beutel dieses Mannes.

Keine Rüstung, keine Waffen... und Beljaro roch auch keine Aggressivität und Wut, sondern eher leichte Angst und ein Gefühl, das er beinahe nicht einordnen konnte: Leichte Verzweiflung.

 

Dann wurde er jedoch abgelenkt und ließ seinen Nebelkörper um die Dornenranken und auch ein wenig auf dem Boden ruhen, lauschte und hoffte, so ein wenig mehr über diesen seltsamen Menschen zu erfahren.

 

Erst jetzt wagte Elasai, die Rolle mit dem Pergament anzusehen, und er rollte es vorsichtig auf. Im Licht des Mondes und dem des Feuers konnte er gut erkennen, was darauf abgebildet war, und nickte sacht.

 

“Ich verstehe, warum sie es versteckt hat.” wisperte der Barde und lächelte.

 

Auf dem Bild waren der Mondgott zusammen mit dem Sonnengott vereint. Beide hatten einen Schlangenunterleib, und wirkten sehr liebevoll zueinander.

 

“Da könnte man sich fast denken, daß sie ein Paar sind. Die Sonne strahlt den Mond an, und so lebt der Mond vom Licht der Sonne.”

 

Hätte der Barde auf den Nebel um sich geachtet, dann hätte er bemerkt, daß dieser leicht in seinem Wabern stockte - denn Beljaro blickte mehr als nur verblüfft auf dieses Bild und zögerte, ehe er es ein wenig näher betrachtete. Natürlich erkannte er seinen Göttervater sofort... doch der Sonnengott war etwas Neues für ihn, er hatte bisher nur wenig von ihm gehört und haßte dessen Priester, die daran schuld waren, daß seine Mutter durch die Hand seines Menschenvaters gestorben war.

 

Dann wurde seine Aufmerksamkeit aber wieder abgelenkt und er beruhigte sich ein wenig, da dieser seltsame Mensch wieder leise zu sprechen begann.

 

“Es gibt so viele Geschichten über den Sonnengott. Er soll viele Kriege führen und man sagt, er und der Mondgott seien einst eins gewesen, der Tag, an dem sich der Mond vor die Sonne schob. Der Mond hat sich frech vor das Antlitz der Sonne geschoben, und ihn herausgefordert.”

 

Diese Geschichte hatte er einmal gehört, doch hier wagte wohl keiner, etwas darüber zu sagen, denn es würde die Würde des Sonnengottes ankratzen.

 

“Scheinbar ist er ein nachlässiger Gott.”

 

Beljaro schnaubte ungehört, da er noch immer in seiner Nebelform war. Vieles von dem, das dieser Mann sagte, stimmte - er wußte, daß der Mond- und der Sonnengott sich immer wieder trafen, zumindest hatte ihm das sein Göttervater erzählt.

Und ebenso, daß der Sonnengott in einer Schlacht der Götter kämpfte und schon seit Jahrhunderten nicht mehr hier in dieser Welt gewesen war. Nun doch ein wenig neugieriger werdend, ließ Beljaro seinen Nebelkörper tiefer sinken und nurmehr über den Boden wabern... denn er wollte hören, ob dieser Mensch noch mehr wußte, und vielleicht davon erzählte.

 

Elasai wusste viele Geschichten über diese beiden Götter und er seufzte leise, aß erst einen Happen und sprach leise weiter. Er erzählte, um sich sicher zu fühlen, denn er hatte den Nebel inzwischen bemerkt, der sich um sein Lager herumschlich. Er hielt kurz inne, denn er hatte das Gefühl, daß der Nebel sich hin und wieder bewegte, und hin und wieder stehenblieb.

 

‚Ob er es ist?’ fragte sich der Barde erneut und nahm seine Laute aus dem Beutel, um ein paar Töne zu spielen, während er erzählte.

 

“Der Sonnengott gilt als großer Krieger der Götter. Er kämpft in vielen Schlachten, und erst, wenn der Mond erneut die Sonne verdunkelt, heißt es, daß er zurückkehren wird.”

 

Für einen winzigen Moment hielt der Nebel tatsächlich inne - doch dann schien er sich wieder in die Dornenranken zurückzuziehen und dort zu bleiben. Beljaro mußte sich mit Mühe zurückhalten, nicht laut aufzufauchen... denn er haßte es, an den Sonnengott und dessen Priester zu denken. Sicherlich wußte er, daß der Sonnengott überhaupt nicht hier war und die Priester das taten, was sie wollten - davon hatte ihm sein Göttervater schon oft erzählt.

 

Doch daß es auch geschehen konnte, daß der Mond die Sonne verdunkelte, davon wußte Beljaro nichts und so verhielt er sich unauffällig, damit dieser seltsame Mann weitererzählen konnte. Er hatte eine schöne Stimme, die dem Nebelnaga sehr gefiel... und auch das leise Klingen der Saiten gefiel ihm, es erinnerte ihn an das melodische Gezwitscher der Vögel, auch wenn es anders klang und von diesem Menschen erzeugt wurde.

 

“Denn dann treffen sich die beiden, um sich zu begrüßen und wiederzusehen, und um vereint zu sein, so wie es bei dem letzten Mal der Abschied der beiden war. Ein Tag, an dem man sich in diesem Königreich sehnen sollte... diese Priester...”

 

Letzteres sprach Elasai zu sich, und er seufzte leise.

 

“Ich frage mich, was der Sonnengott tun würde, wenn er wüsste, was sie den Menschen hier antun.”

 

Allein schon der Gedanke an die Wut und die Strafen des Sonnengottes ließen Beljaro innerlich mehr als nur finster grinsen... doch man merkte es dem Nebel nicht an, außer, daß er noch immer ruhig in den Dornen liegenblieb.

Der junge Nebelnaga wußte um diesen Abschied, denn sein Göttervater hatte ihm davon erzählt, wie schwer es ihm gefallen war, den Sonnengott in diesen langen und schrecklichen Krieg ziehen zu lassen.

 

Seit diesem Tag hatten viele Generationen das Licht der Welt erblickt und die Erinnerung an dieses Ereignis verblaßte immer mehr... nurmehr in einigen Liedern und Legenden konnte man sich daran erinnern, und wie es schien, erinnerte sich dieser Mensch gerade daran, weil die Priester seinen Bruder gefangen hielten.

 

“Dieser Dornenberg ist wundervoll auf seine Art. Ich wünschte, du wärst bei mir, kleiner Bruder.”

 

Elasai wirkte wieder traurig und holte ein kleines Bildchen heraus, auf dem sein Bruder abgebildet war.

 

“Ich hoffe, sie tun dir nichts an.”

 

'Bruder?'

 

Nun doch wieder ein wenig neugieriger werdend, kam Beljaro in seiner Nebelform etwas näher und blickte auf das mit warmen Ölfarben gemalte Bild eines kleinen Jungen, das in der Hand des Barden ruhte.

Die Laute und das Erzählen ließen den Nebelnaga zu diesem Schluß kommen - und gerade deshalb wunderte er sich, wieso der Mann hier war. Irgendwie schien es mit dem Bruder zusammenzuhängen... doch der Nebelnaga konnte nicht fragen, ohne sich zu offenbaren und so zog er sich wieder ein wenig zurück, auch wenn man es auch dem Wind zuschieben konnte, der aufgekommen war.

 

“Wie soll ich es ihm nur erklären? Wird er mich anhören?” wisperte der Sänger, und streichelte mit den Fingerspitzen über das kleine Bild.

 

“Ich kann nicht sagen: "Ich muss deinen Kopf bringen, damit sie meinen Bruder nicht töten... aber ich will dich nicht töten." - auch wenn es die Wahrheit ist."

 

Elasai lachte verzweifelt und strich sich unruhig durch die Haare. Er fühlte sich gerade unwohl und blickte zu den Dornen. Doch diese waren noch immer in Nebel gehüllt, der sich langsam weiter nach innen zum Berg zurückzog und damit dem Wind folgte, der ein wenig stärker wurde, da die Nacht völlig hereinbrach.

 

Und mit ihr kam auch eine Kälte, die sich langsam über das wenige Gras und die Steine legte, die unterhalb des Dornenwalls lag... die wenigen Tiere, die es noch hier bei den Dornen gab, verkrochen sich noch weiter in ihre Baum- und Erdhöhlen und selbst die Eulen waren ruhig.

 

Die verzweifelten Worte dieses Barden hatten Beljaro völlig unerwartet getroffen und er war aufgewühlt - doch es brachte nichts, erst mußte dieser Mensch in den Dornenwald und damit auf sein Gebiet, ehe er ihn sich greifen und befragen konnte. Und so zog sich der Nebelnaga wieder in seine eigene, große Höhle innerhalb des inneren Dornenwalls zurück, um zu ruhen... denn außer dem Barden war Niemand hier und er konnte es sich leisten, ein wenig zu schlafen.

 

Die Unruhe verschwand nur langsam und machte Erschöpfung Platz. Der Barde hatte einen langen Weg hinter sich, und Morgen wollte er durch die Dornen hindurch. Dazu war er geistig ebenso erschöpft, da ihn die Sorge um seinen Bruder sehr vereinnahmte und es dauerte auch nicht lange, bis Elasai unter dem schützenden Licht des Mondes einschlief.

 

.: | :.

 

Der Barde erwachte früh am nächsten Morgen und schnürte nach einem leichtem Frühstück sein Bündel. Jetzt konnte er die dicken Dornen besser sehen und band sich das Bündel so eng es ging an den Körper. Er war von Grund auf schmaler als die Männer, die sonst versuchten, durch die Dornen zu kommen und hatte auch keine Rüstung an ... das erleichterte sehr viel und er atmete nochmal tief durch, ehe er sich durch die ersten Dornen wagte.

 

So früh am Morgen lag noch leichter Dunst auf dem Boden und bedeckte auch die untersten Äste der baumdicken Dornenranken, durch die nur einige verrostete Rüstungsteile oder Waffen der toten Krieger manchmal hindurchblitzten. Beljaro liebte es, mit seinem schweren Nagakörper über die Knochen und Rüstungen zu schlängeln und sie mit seinem Gewicht zu zerbrechen... doch im Augenblick versagte er sich dieses Vergnügen und betrachtete den Barden, der mit sichtbarem Geschick durch die Wirrungen der Ranken stieg, weiterhin in seiner Nebelform.

Und anders als bei den Kriegern befahl Beljaro den Ranken, den Barden nicht zu behindern - sie verhielten gemäß seinem Befehl ruhig und ließen ihn durch, auch wenn sie es dem schlankeren Menschen nicht erleichterten und schließlich so eng umschlungen waren, daß der einzige Weg über die Ranken selbst führte.

 

“Oje.” wisperte der Barde, und verschnaufte erstmal.

 

Er nahm einen Schluck Wasser und blickte an den Ranken hoch. Hier waren keine Knochen und Rüstungen mehr, scheinbar war bisher keiner so weit gekommen. Aber jetzt musste er richtig an den Ranken hochklettern, und langsam wurde es Mittag.

 

“Dann mal los.”

 

Er motivierte sich und verstaute den Trinkschlauch wieder in seinem Beutel, ehe er anfing, geschickt an den Ranken hinaufzuklettern.

 

Da es mittlerweile auffällig wäre, wenn noch Nebel über den Boden waberte, hatte Beljaro sich in seine Höhle inmitten eines weiteren Dornenwaldes zurückgezogen und beobachtete nur mit seinen guten Augen, wie der bunt gekleidete Barde langsam über den Rand des äußeren Dornenrankenringes auftauchte.

 

Er war gut auf den schwarzen Dornenranken erkennbar und der weißhäutige Naga überlegte, was er wohl mit diesem Menschen tun würde. Noch nie zuvor war ein Mensch soweit in sein kleines Reich eingedrungen - und er wunderte sich selbst darüber, daß er es erlaubt hatte.

 

Doch Beljaro war neugierig und wollte mehr wissen, so daß er den Dornen befahl, den Menschen auch weiterhin nicht zu behindern. Sicherlich würde es noch einige Stunden dauern, bis der Barde schließlich bei ihm war... doch Beljaro hatte Zeit, er konnte warten und würde es auch, um seiner Neugier und dem Geheimnis des Menschen auf den Grund zu gehen.

 

.: | :.

 

Es dauerte noch einige Stunden, bis Elasai die Dornen endlich überwunden hatte. Er war sichtlich erschöpft und hatte Hunger - aber was er sah, raubte ihm fast den Atem, denn vor ihm lag ein wundervoller Wald.

 

“Wie schön. Das müssen die Überreste des Waldes sein, von dem die Bäuerin erzählte. Der Berg soll ja sehr schön gewesen sein.”

 

Auch wenn er weiter wollte, der Rothaarige musste erstmal etwas essen und setzte sich nun erschöpft auf seine Decke, um etwas Schinken und ein wenig von dem Trockenobst zu essen.

 

Dabei wurde dieser jedoch wieder beobachtet, auch wenn er es nicht zu bemerken schien. Beljaro hatte sich hoch oben im Wipfel eines uralten Baumes um den dicken Stamm gewickelt und ruhte auf einem der mannsdicken Äste, legte den Kopf auf seine verschränkten, muskulösen Arme und blickte zu dem jungen Barden herab, der nun gemächlich zu essen begann.

 

Nach einer Weile trank der Rothaarige noch etwas Wasser und stand schließlich auf, ging einige Schritte auf die Seite und Beljaro grinste, als der Mensch die Hose öffnete und seine Männlichkeit herausholte, um die Blase zu erleichtern. Dabei konnte der große Naga einen guten Blick auf dessen Männlichkeit erhaschen und zu seiner Verwunderung besaß dieser Barde nicht nur auf dem Kopf dunkelrotes Haar, auch sein Schamhaar besaß diese seltene Farbe.

 

Und das wiederum verstärkte die so oder so schon erwachte Neugier Beljaros, denn alleine diese seltene Farbe unterschied den Barden schon auffällig von den dunkelhaarigen oder blonden Kriegern, die er bisher gesehen und getötet hatte.

 

Eine Farbe, die ihn wahrlich abhob, und auch Elorian besaß diese Haarfarbe. Einige Menschen hatten sie schon als Dämonen bezeichnet, denn die Farbe glich Blut, das teilweise getrocknet war, und es schimmerte in der Sonne wie der Glanz von Blut. Aber jetzt nahm Elasai etwas feuchtes Laub von der Seite, wischte sich damit ab und verstaute seine Männlichkeit wieder sorgfältig in seiner Hose. Danach packte er seine Habseligkeiten wieder ein und schulterte seinen Beutel, um weiterzugehen.

 

“Nur bergauf, dann müsste ich irgendwann auf ihn treffen.”

 

Es erstaunte den Barden schon, daß er so weit gekommen war und auch, daß der Mondsohn noch nicht auf ihn lauerte oder ihn überfallen hatte. Ihm konnte es allerdings recht sein, denn es verschob das Unvermeidbare ein wenig.

 

Während der ganzen Zeit wurde er von oben beobachtet, da Beljaros Neugier mit jedem Moment, in der er den Rothaarigen beobachtete, weiter geweckt wurde. Alleine schon die Tatsache, daß der Barde sich säuberte, unterschied ihn von den meisten der Krieger, die bisher zu den Dornenranken gekommen waren. Die feinen Sinne des Nagas nahmen den Gestank der ungewaschenen Leiber schon sehr früh war und es ekelte ihn ein jedes Mal, sie überhaupt berühren zu müssen. Nur, wenn sie nicht so stanken, holte er sich auch ein wenig körperliche Befriedigung an ihren sterbenden Leibern, obwohl es nur aus der Not geboren war.

 

Doch dieser Barde... er roch frisch, so als hätte er sich gerade erst vor einem oder zwei Tagen gewaschen, er säuberte sich sogar nach dem Erleichtern und schien auch Wert darauf zu legen, die teilweise geflochtenen und mit Bändern verzierten, hinternlangen Haare regelmäßig zu waschen.

Dies war ein weiterer Punkt, der den Ausschlag dafür gab, daß Beljaro sich langsam über die dicken Äste des uralten Mischwaldes schlängelte und dem Rothaarigen folgte... denn wer weiß, vielleicht entdeckte er dabei noch mehr.

 

.: | :.

 

Kapitel 7

 

 

Soviel gab Elasai dann nicht mehr von sich preis, er marschierte schnurstracks bergauf und sah sich dabei in dem wundervollen Laubwald um.

 

“Das würde Elorian sicher gefallen... ja, ganz sicher.”

 

Im Wald waren viele Vögel und kleines Getier, und irgendwie wirkte er sehr, sehr friedlich. Ein Vogel schien besonders neugierig und tirilierte munter. Elasai grinste, und äffte den Gesang mit einem Pfiff nach, was den kleinen Vogel sichtlich erschütterte.

 

Und gerade das brachte den großen, weißhäutigen Nebelnaga dazu, breit zu grinsen und er verhielt knapp hinter und einige Meter über dem Rothaarigen.

 

'Er hat Humor - und er kann gut pfeifen. Wie er wohl singen kann? Wenn er redet, klingt seine Stimme gut, so weich... nicht so unangenehm wie die Brüllerei dieser dummen Krieger.'

 

 Die Gedanken Beljaros sah man ihm deutlich an, da er niemals gelernt hatte, seine Gefühle vor Anderen zu verbergen. Doch er hielt sich noch immer versteckt und beobachtete den Barden, der nun langsam über den Pfad, den der schwere Schlangenleib des Nagas in all den Jahren durch das Unterholz gegraben hatte, näher zu der großen Höhle kam, die Beljaro bewohnte.

Eigentlich sollte der Naga bei dem Gedanken wütend werden - doch irgendwie war er gespannt, wie der Rothaarige reagieren würde und so ließ er ihn, folgte ihm durch die Baumkronen und beobachtete ihn dabei weiter.

 

Der Weg war sehr eindeutig, und hier und da weckte ein kleines Funkeln die Aufmerksamkeit des Barden. Er hockte sich hin und hob eine große Schuppe vom Boden auf, die der Mondsohn verloren hatte. Sie schimmerte weiß und blau, und Elasai steckte sie in seinen Beutel, damit er sie seinem Bruder schenken konnte. Dann aber merkte er auf, denn in einem Baum erkannte er eine Höhle, die mit ziemlicher Sicherheit dem Mondsohn gehörte.

 

“Ob er da ist?”

 

Er war da - jedoch nicht in der Höhle, die in dem großen Felsen lag, um die der riesige, alte Baum wuchs und durch seine eigene Höhlung den Eingang dazu bildete. Nein, Beljaro ruhte auf einem Ast dieses Baumes und blickte auf den Barden herab, der sichtbar zögerte.

Jedoch nicht aus Angst, das konnte er riechen - Nein, es schien eher Höflichkeit zu sein und als der Barde nach einer Weile sichtbar unsicher eintrat, schlängelte sich der weiße Nebelnaga langsam von dem Ast über den uralten Baum herab.

 

Derweil schob sich Elasai langsam durch den mannsdicken Spalt im Baum, das Fell am Eingang und ebenso durch das zweite Fell kurz dahinter. Beides sollte vor Kälte schützen, was sehr klug war, denn hier auf dem Berg war es bestimmt sehr kalt im Winter.

 

Ganz vorsichtig ging er weiter hinein und erschrak leicht, als er einen Helm von einem Krieger an der Wand sah, der recht hübsch war. Überall hingen noch weitere Dinge, und hier und da Ketten mit menschlichen Zähnen. Weiter hinten lag ein Berg aus Fellen, der eine gemütliche Schlafkuhle bildete.

 

“Irgendwie gemütlich.”

 

Inzwischen war auch Beljaro am Boden angelangt und schlängelte sich ohne ein Geräusch durch den Baumspalt und hob die Felle zur Seite, ehe er stehenblieb und den sich fasziniert umblickenden Barden betrachtete. Zum allerersten Mal kam er einem Menschen so nahe, ohne maßlosen Zorn und hellrote Wut zu fühlen... und zum allerersten Mal war ein Mensch in seiner Nähe nicht von Angstgeruch getränkt, sondern duftete nach sauberer Haut und Heu.

 

"Das soll es auch sein - ich mag es weich und warm."

 

Als die tiefe und raue Stimme erklang, erschrak der Barde fast zu Tode, wirbelte herum und wich sofort an die Wand der Höhle zurück. Seine grünen Augen starrten nun ängstlich zu dem Mondsohn, der den gesamten Höhleneingang mit seinem großen Körper verdeckte.

 

“Ich... verzeiht... ich wollte nicht einfach so eindringen.”

 

Beljaro roch die Panik und Angst, die in dem jungen Mann anstieg, als er ihn sah - doch es war anders, längst nicht so beißend wie bei den Kriegern, und so grollte der große Naga nur und kam völlig herein. Trotz seines großen und massigen Körpers war die Höhle nicht überfüllt - und auch der junge Barde hatte noch Platz, als Beljaro näher zu ihm kam.

 

"Keine Angst... wenn ich dich hätte töten wollen, wärst du schon lange tot. Und ich habe dich auch hierhergehen lassen, du bist also nicht unerlaubt eingedrungen."

 

Irgendwie hatte der Naga das Gefühl, daß der Rothaarige gerade deshalb Panik bekam - und die wollte er ihm mit den Worten nehmen.

 

"Wer bist du? Ich habe dich schon länger beobachtet, und werde nicht klug aus dir."

 

Es klang kein Vorwurf in seinen Worten, sondern eher Neugier... und als der leicht scharfe Geruch der Panik weniger wurde, nickte der Weiße und für einen Moment huschte ein kurzes, hartes Lächeln über seine Lippen.

 

Ein Lächeln das beruhigte, auch wenn es hart war. Die Fänge blitzten kurz auf, und vom großen Körper Beljaros drang eine wohlige Wärme zu Elasai.

 

“Ich... kann und werde dir nichts vormachen, Beljarao. Ich habe deine Geschichte in der Stadt erzählt und man nahm mich und meinen kleinen Bruder fest. Sie werden ihn töten, es sei denn, ich bringen ihnen deinen Kopf.”

 

Er ratterte es ein wenig herunter, weil er noch immer leicht nervös war.

 

"Du hast meine Geschichte erzählt?"

 

Nun wußte der weißhäutige Naga mit Sicherheit, daß er einen Barden vor sich hatte und er schätzte es sichtbar, daß dieser ihm die Wahrheit sagte, auch wenn es dessen Tod bedeuten konnte. Es war jedoch ein wenig unbequem, so zu reden und deshalb nahm Beljaro den Schlankeren auf und ringelte sich in seiner weichen Schlafkuhle ein, legte den Barden in die Windungen seines Leibes und betrachtete ihn mit sichtbarer Neugier.

 

"Du bist ein Barde, nicht wahr? Erzählst du mir, was du den Anderen erzählt hast... und was passierte? Ich kann deine Sorge um deinen Bruder verstehen, die Sonnenpriester sind die grausamsten Priester unter dem Himmel."

 

Für einen Moment zeigte sich der ehrliche, tiefe Zorn Beljaros nur zu deutlich - doch dann legte es sich wieder, als er eine der teilweise geflochtenen Haarsträhnen aufnahm und unerwartet sanft durch seine großen, krallenbewehrten Finger gleiten ließ.

 

Natürlich war der Barde überrascht, daß er nicht gleich getötet wurde - denn das hatte er eigentlich erwartet, und so sah man ihm sein Erstaunen an, als der Mondsohn ihn einfach so mitzog und dafür sorgte, daß sie beide es bequem hatten.

 

“Du willst mich nicht töten? Da bin ich irgendwie erleichtert. Und du willst, daß ich deine Geschichte singe? Ich habe sie von der Zofe, die bei deiner Mutter war. Ina hieß sie.”

 

Beljaro nickte leicht, denn er wußte von ihr aus den Geschichten seines Göttervaters.

 

"Ich weiß - mein Vater, der Mondgott, erzählte mir von ihr... und auch, daß er die Ereignisse, die sie nicht sah, in ihren Kopf brachte. Sie reiste unter seinem Schutz in ein anderes Land, das noch den Mondgott anbetet... und sie muß sehr lange geschwiegen haben, wenn die Geschichte erst jetzt durch dich bekannt wird.

Wußtest du nicht, daß du in der Stadt des Königs bist? Die Sonnenpriester und er haben verboten, auch nur ein Wort über mich zu verlieren."

 

Als Beljaro den König und die Priester erwähnte, verzogen sich seine Züge erneut voller Haß - doch dann legte es sich wieder, als sein Blick auf den rothaarigen Barden fiel.

 

"Sie muß dir sehr vertraut haben, wenn sie es dir erzählte."

 

“Das hat sie... und ich...”

 

Elasai überlegte einen Moment und legte dann den Dolch weg, den er bei sich trug. Damit wollte er Beljaro zeigen, daß er wirklich nicht die Absicht hatte, etwas zu tun, das dem Naga schaden könnte. So fühlte er sich besser; es war so oder so seltsam, daß er vor dem Mondsohn keine Angst hatte... er fühlte sich durch dessen Ruhe irgendwie bei ihm sicher.

 

“Nein, ich wusste leider nicht, daß ich in der Stadt war, in der diese Geschichte geschah. Einige Leute flohen, aber viele blieben und hörten zu.”

 

Er nahm die Laute aus seiner Tasche und spielte sie an, um Beljaro die Geschichte über ihn vorzusingen.

 

Im ersten Moment war der weiße Naga verblüfft, da er ein solches Instrument nicht kannte - doch als die ersten Töne erklangen, nickte er leicht und legte sich über eine seiner Windungen, schloß die Augen bis auf einen genießenden Spalt und hörte der Geschichte des Barden zu.

 

Vieles davon kannte er - doch vieles auch nicht. Es zeigte ihm eine andere Sichtweise, und auch wenn man ihm manchesmal seine Gefühle mehr als nur deutlich ansah, so handelte er nicht danach, sondern ließ den Barden weitersingen und beruhigte sich wieder.

 

Jener bekam die Emotionen deutlich mit, denn Beljaro hatte es nie nötig gehabt, diese zu verbergen und zeigte sie daher sehr offen. Hin und wieder fühlte er dessen Hand in seinen Haaren oder an seinem Körper, was Elasai zeigte, daß der Mondsohn gern berührte. Es dauerte ein wenig, dann hatte er die Geschichte erzählt und legte die Laute wieder beiseite.

 

“Gleich danach ergriff uns die Stadtwache und schaffte uns in den Kerker der Burg. Der König kam sofort hinab und sagte, ich solle dich töten, damit ich meinen kleinen Bruder lebend zurückerhalte. Ich werde aber das Gefühl nicht los, daß er mir damit das Leben retten wollte.”

 

Im ersten Moment sah man wieder den tiefen Haß Beljaros, als der König erwähnt wurde - doch die Worte des jungen Barden brachten ihn zum Nachdenken und er grübelte ein wenig, ehe er die breiten, kräftigen Schultern zuckte.

 

"Es ist seltsam - denn die Sonnenpriester lassen jeden öffentlich köpfen, der gegen ihre dummen Glaubenssätze verstößt. Vor allem, wenn es öffentlich geschieht, so wie bei dir."

 

Es war wirklich seltsam... und Beljaro hätte das auch nicht von dem König erwartet.

 

"Daß er dich hierherschickte, um meinen Kopf zu holen, hätte ich nicht erwartet - schließlich bist du kein Krieger. Hat er denn noch etwas gesagt? Und konntest du sehen, ob Sonnenpriester in der Nähe waren?"

 

“Hmmm... nun, der König hat immer wieder hoch zu einer bestimmten Stelle gekuckt, es kann sein, daß sich dort Jemand versteckt hatte. Der König wirkte sehr verbittert, wie eine Maske... ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß er wirklich so viel Hass in sich trägt, wie er es von außen zeigt. Ich glaube, er ist innerlich ganz anders.”

 

Elasai kannte sich gut mit Menschen aus, und der König trug garantiert eine Maske, um sich und seine Töchter zu schützen.

 

Im ersten Moment war die Versuchung groß, die Worte des Barden als Gewäsch abzutun - doch als Beljaro ein wenig darüber nachdachte, machte es mehr Sinn als das, was er bisher angenommen hatte. Er wollte aber trotzdem nicht einfach alles vergessen, was gewesen war und knurrte leise, ehe er wieder ruhiger wurde, als er sah, daß der Rothaarige erschrak.

 

"Habe keine Angst - ich tue dir nichts. Es ist nur alles so neu für mich, all das, was du sagst. Bisher habe ich mit dem Gedanken gelebt, daß der König mich ebenso haßt wie ich ihn - und daß er nur deshalb die Krieger schickte, um mich zu töten. Aber irgendwie bekomme ich langsam das Gefühl, daß es an den Sonnenpriestern lag - dieser Abschaum ist an allem schuld, das passierte."

 

Alleine schon der Gedanke an die Priester ließ den Naga erneut und noch viel tiefer aufknurren und sein Gesicht verzog sich in tiefstem Haß, aus dem er nur langsam wieder hervorkam.

 

Dann huschte jedoch wieder ein Lächeln über seine Lippen, als er sich näherneigte und an den blutroten Haaren des Barden schnupperte... denn er hatte noch nie so etwas gerochen, und es gefiel dem Naga sichtbar.

 

“Ich denke, sie haben ihn sehr beeinflusst, schon damals... ach ja, ich heiße Elasai.”

 

Es war dem Barden etwas peinlich, er hatte sich nicht vorgestellt und holte dies nun nach. Er sah dabei aber verwundert zu, wie Beljaro genüsslich an seinen Haaren schnupperte.

 

“Gefallen dir meine Haare?”

 

"Ja, sehr... du wäscht sie oft und sie sind sehr weich. Und sie haben eine Farbe, die ich bisher noch nie an einem Menschen gesehen habe: Sie haben die Farbe von Blut, das frisch aus einem Herzen quillt. Eine wunderschöne Farbe."

 

Beljaro mochte die Farbe wirklich sehr, denn er mochte auch Blut und frisches, rotes Fleisch. Doch bei Elasai gab es keinen Wunsch, ihn zu töten... irgendwie fehlte er völlig, und das sah man auch an seinem leicht verwunderten Gesicht.

 

Ein Ausdruck, der Elasai irgendwie zum Lächeln brachte.

 

“Mein Bruder hat die Farbe auch, und wohl alle aus der Familienseite meiner Mutter. Und ich sorge dafür, daß sie nicht verfilzen und achte darauf, sie sauber zu halten, damit ich nicht Läuse oder Flöhe bekomme.”

 

Er konnte sich nichts Schlimmeres vorstellen.

 

“Und ich muss gut aussehen, damit man mich auch singen hören will.”

 

Das ließ Beljaro leise schmunzeln und er strich mit den Krallen seiner Hand zärtlich durch die blutroten Haare, ehe er sie sacht über die Wange Elasais zu dessem Hals streichen ließ.

 

"Das kann ich verstehen... und du wirst dem auch gerecht. Du bist wunderschön, so anders als die anderen Menschen, die ich bisher sah - schlanker und hübscher, freundlicher und einfach angenehm."

 

“Nun, ich bin ja auch ein Barde und kein Krieger, Hm?”

 

Irgendwie war der Mondsohn niedlich, er kannte bis auf die Krieger und die Nähe seines Göttervaters nicht sehr viel, und wirkte sehr neugierig.

 

“Wenn du möchtest, erzähle ich dir noch andere Geschichten. Ich war in vielen Ländern und kenne noch Geschichten meines Vaters, der in noch viel mehr Ländern war, als ich. Aber erst muss ich überlegen, was ich tun kann, um meinen Bruder zu retten.”

 

Doch Beljaro schüttelte nur den Kopf und kam noch ein wenig näher, um nun direkt am Hals des Rothaarigen zu schnuppern und leicht mit seiner langen, gespaltenen Zunge darüberzulecken.

 

"Das können wir später tun... nicht jetzt. Nun ist nur wichtig, daß du bei mir bist und das ist es so lange, bis der Vollmond erstrahlt und mein Vater zu uns kommen kann. Bis dahin kannst du mir erzählen... bei mir sein, und mich mit deinem Anblick erfreuen."

 

“So lange?”

 

Elasai war doch erschüttert, denn der Vollmond war erst vor wenigen Tagen gewesen.

 

“Kommt er nur dann zu dir?” fragte er leise und schauderte einen Moment, als die Zunge ihn erneut streifte.

 

Aber es war ein wohliges Schaudern, was ihn doch sehr erstaunte. Ein Schaudern, das Beljaro sehr wohl bemerkte und so leckte er erneut und schmunzelte, als der Barde ein weiteres Mal erschauderte.

 

"Ja... nur dann kann er zu mir kommen, leider. Doch ich verstehe es, er ist ein Gott und im Gegensatz zu anderen Göttern kümmert er sich um seine Anhänger und hilft ihnen sehr oft."

 

Er war deshalb nicht böse - er konnte es verstehen und auch, daß andere Götter eben auch anderen Pflichten nachgingen.

 

"Gefällt dir, was ich tue?"

 

Die Worte drangen leise direkt an das Ohr des Barden, und es schauderte ihn nun noch heftiger.

 

“Seltsamerweise schon.”

 

Er konnte sich das nicht erklären und jetzt, wo der darüber nachdachte, gefiel es ihm auch, wie sich die warmen und glatten Schuppen anfühlten. Als die warmen Hände des Barden über seinen Schlangenkörper strichen, grollte Beljaro weich und lächelte noch tiefer, ehe er sich auf den Rücken drehte und den Schlankeren einfach sanft packte und auf sich legte.

 

"Das ist gut... sehr gut sogar. Aber du hast noch zuviel an, Elasai - ich möchte deine Haut fühlen. Bitte?"

 

Das Letztere kam nur schwer über die Lippen des Nagas, da er das Wort in seinem Leben bisher nur sehr selten benutzt hatte - und noch nie bei einem Menschen. Doch irgendwie paßte es, er wollte ihn nicht mit Gewalt nehmen und deshalb bat er den Barden darum, sich auszuziehen.

 

Jetzt wurde Elasai doch tatsächlich leicht Rot auf den Wangen und schluckte trocken. Er mochte es, mit Männern zusammen zu sein, aber kam natürlich nicht so oft dazu. Doch mit Beljaro?

 

“Bist... du sicher, daß ich soll?”

 

Sichtbar fasziniert, berührte der Nebelnaga mit den Fingerspitzen seiner Rechten die rotgewordene Wange des Barden und schmunzelte, ehe er leicht nickte und lächelte.

 

"Natürlich bin ich sicher, sonst hätte ich nicht gefragt. Du faszinierst mich, Barde... schon seit ich dich das erste Mal sah. Bitte?"

 

“Ich... wann war das?” fragte Elasai leise und stand dann doch auf, da er irgendwie das Gefühl hatte, daß seine Kleidung leiden würde, wenn er sich jetzt nicht auszog.

 

Also machte er sich langsam daran, zog Weste und Hemd aus, dann die Stiefel und letztlich etwas langsamer seine Hose. Er sah an den Augen Beljaros, wie gern dieser ihm dabei zusah, und irgendwie würde es wohl nicht nur beim Ansehen bleiben.

 

So war es auch - kaum, daß das letzte Stück Stoff die Haut Elasais verlassen hatte, neigte der Naga sich wieder vor und holte ihn zu sich, grollte weich und schloß vor Genuß fast die Augen, als er ihn an sich fühlte.

 

"Ich habe dich schon beobachtet, als du vor dem ersten Dornenwall gerastet hast... schon da konnte ich dich nicht angreifen, sondern hörte dir und deiner herrlichen Stimme zu. Ich weiß nicht, weshalb - doch alles an dir weckt mein Inneres, ein Verlangen, das ich bisher noch nie hatte."

 

Das stimmte, und man sah es auch an den verwunderten, saphirblauen Augen des Nagas - bisher hatte er seine Lust gewaltsam an den sterbenden Kriegern gestillt, doch hier fühlte er etwas anderes, zärtlicheres, in sich erwachen.

 

“Und ich habe absolut keine Angst vor dir, was doch sehr merkwürdig ist, oder?”

 

Elasai blickte in das Gesicht des Mondsohnes und lächelte einen Moment.

 

“Deine Schuppen fühlen sich ganz wundervoll an, ganz warm und trocken.”

 

Er hatte bisher noch keine Schlangen berührt - auch wenn er sie schon gesehen hatte, so hielt er ein jedes Mal respektvoll Abstand.

 

Die warmen Fingerspitzen des Barden strichen leicht über die Schuppen des Nagas und ließen diesen wieder weich grollen, da es sich so gut anfühlte. Langsam neigte er sich näher und ließ auch seine Finger über die Haut Elasais gleiten, fühlte dessen schlankere Muskeln und lächelte, als er sich noch näherneigte und wieder über dessen Halsbeuge schnupperte.

 

"Und du bist so anders als die Krieger - du stinkst nicht und deine Haut ist weicher, nicht so vernarbt."

 

Beljaro war mehr als nur fasniniert und kam der ihn streichelnden Hand entgegen... denn der Barde war der erste Mensch, der keine Angst vor ihm hatte, und dem seine Nagagestalt sogar gefiel.

 

“Weil ich kein Krieger bin.” wisperte Elasai und kuckte kurz verblüfft, als er etwas aus der Hauttasche an den Lenden des Nagas herauslugen sah.

 

Dann begriff er, was es war: Beljaro war erregt, und seine Männlichkeit kam daher aus der schützenden Hauttasche. Nochdazu roch der Mondsohn sanft nach etwas sehr Angenehmen und der Barde berührte nun ganz vorsichtig die Spitze, die aus der Hautfalte herauskuckte.

 

Als Beljaro die Finger an seiner Härte fühlen konnte, schloß er seine Augen und für einen Moment wurde sein Grollen tiefer und härter... doch dann legte es sich und er nahm den Rothaarigen wieder in seine Arme, zog ihn eng an sich heran und küßte ihn erregt, ehe er seine Lippen wieder löste und schwer an die Lippen Elasais atmete.

 

Als er ihn wieder anblickte, schienen die saphirblauen Augen des Nagas in einem inneren Feuer zu brennen - ein Feuer, das dieser nurmehr schwer unter Kontrolle hatte.

 

Ein Feuer, das Elasai aber unter Kontrolle bringen konnte. Der Rothaarige küsste den Mondsohn erneut sehr leidenschaftlich und rückte dann tiefer, um die Erregung erneut zu berühren, ehe er sich zu ihr neigte und seine Lippen darum schloss. Der Barde hatte Erfahrung damit und tat es recht gern, war über die Größe allerdings doch ein wenig überrascht, auch wenn es ihm gefiel.

 

Beljaro hingegen war mehr als nur überrascht, da er diese Form der körperlichen Zuneigung nicht kannte - doch es gefiel ihm sehr, so daß er die Augen schloß und einfach nur fühlte. Die Hände des Barden, die ihn überall zu berühren schienen und auch immer wieder in die Hautfalte fuhren, um seine Hoden zu streicheln... die Lippen und der heiße Mund, die ihn immer tiefer nahmen und mit einem jeden Lecken und Saugen seine Lust höherkatapultierten.

 

Der Naga dachte, er müsse vergehen - noch nie hatte er eine solche Lust erlebt und war dennoch so ausgeliefert, denn ein Druck der schlanken Finger oder ein Zubeißen, und er würde seine Männlichkeit oder seine Potenz verlieren. Beljaro wußte sich nicht anders zu helfen, als immer wieder weich zu grollen und seine eigenen Hände in den blutroten Haaren des Barden zu vergraben - und auch wenn er unbewußt darauf achtete, ihn nicht mit seinen Krallen zu verletzen, so konnte er nicht verhindern, daß er ein jedes Mal, wenn Elasai wieder über seine Spitze leckte, leicht zupackte und sich fast schon an den Haaren festhielt.

 

Aber Ela erkannte die Zeichen und nahm die Hände des Nagas in seine, ehe er weitermachte. So hielt er die Finger von Beljaro etwas unter Kontrolle und saugte nun deutlich fester, da er eben die ersten Lusttropfen hatte schmecken können. Der Geschmack war irgendwie wild, und doch war er süß wie Honig und er wollte mehr davon kosten.

 

Und mehr bekam er fast sofort, denn Beljaro grollte tief und bäumte sich leicht auf, als der Sänger ein wenig stärker saugte. Es fühlte sich einfach nur atemberaubend an - so schön wie nichts sonst und der Naga grollte so weich, daß man es fast nur noch spüren konnte.

 

Seine Lust stieg so schnell an, daß Beljaro es fast nicht glauben konnte, und so dauerte es nicht lange, bis er ein raues "Ich ... paß auf, ich ..." raunte, um Elasai zu warnen.

 

Der nahm die Warnung wahr und machte sich schon auf Einiges gefasst. Er fühlte, wie Beljaro sich verspannte und dann kam ihm ein großer Schwall des süß schmeckenden Samens entgegen. Er hatte ja mit viel gerechnet, aber nicht ganz so viel, einen Teil schaffte er zu schlucken, aber dann verschluckte er sich doch und hustete leise.

 

“Ihr Götter.”

 

Der Naga keuchte leise und nickte kurz, ehe er sich vorneigte und Elasai zu sich hochzog, ihm den restlichen Samen von den Lippen, dem Kinn und dem Hals leckte und ihn schließlich zärtlich küßte. Noch niemals zuvor hatte Beljaro so etwas erlebt - und noch nie zuvor war er so befriedigt gewesen. Dabei hatten sie sich noch nicht einmal vereint... und alleine der Gedanke daran sorgte dafür, daß der Weißhäutige wieder ein wenig erregt wurde, wenngleich man es nur an dem etwas leidenschaftlicher werdenden Kuß merken konnte.

 

“Du schmeckst unglaublich.” wisperte Elasai, der entspannt auf dem Körper des Weißhäutigen lag. Es fühlte sich gut an und irgendwie war es eine Geborgenheit, die er noch nie gefühlt hatte.

 

“Du hattest lange nicht mehr das Vergnügen einer Vereinigung, nicht wahr?”

 

Der um ein vieles größere Naga schmunzelte leise, während er mit seinen Händen über den Körper des Sängers streichelte und es sichtbar genoß, ihn so nahe bei sich zu halten.

 

"Ein Vergnügen war es nie, Elasai... ich hatte immer nur die Körper der Krieger, die kamen, um mich zu töten. Mit ihnen war es nicht schön, sondern gewaltsam - manchesmal sogar grausam, doch ich bereue nichts. Das, was du gerade getan hast, kannte ich nicht... doch es ist herrlich. Um wieviel herrlicher muß es dann sein, wenn wir uns vereinigen?"

 

Ein sachtes Schaudern ging durch den Körper des Barden. Er hatte sich gerade vorgestellt, wie es wäre, wenn diese mächtige Härte in ihn drang.

 

“Ich weiß nicht, ob ich dich aufnehmen kann... aber wenn du mich in Ruhe weitest und etwas Öl oder Fett benutzt, dann geht es.”

 

Im ersten Moment wußte Beljaro nicht, was der Schlankere mit seinen Worten meinte - denn bisher hatte er nicht darauf geachtet, ob die Männer, die er sich nahm, ihn aushielten oder einrissen. Doch dann kam es ihm und er lächelte, nickte und küßte den Schlankeren, ehe er leise in dessen Ohr grollte.

 

"Wenn du möchtest? Gerne. Aber vielleicht sollten wir zuvor ein wenig schlafen, du bist müde, Elasai. Die Reise hierher war sehr anstrengend für dich..."

 

“Schlafen klingt gut... und vielleicht etwas essen? Hast du etwas da? Ich habe nicht viel dabeigehabt.”

 

Und die Vorräte waren so gut wie verbraucht. Elasai kam zwar gut mit wenig aus, aber normal kletterte er nicht stundenlang durch und über Dornenranken. Das brachte Beljaro allerdings zum Seufzen, denn er bezweifelte, daß der schlankere Sänger das essen wollte, das er selbst aß.

 

"Ich jage mir immer ein wenig Fleisch und esse es gleich - ich mag es noch warm und blutig. Aber wenn du möchtest, kann ich dir einige Äpfel holen? Die Bäume tragen reichlich und sie sind wunderbar saftig und süß."

 

“Äpfel klingen großartig... und vielleicht kannst du bei deiner nächsten Jagd etwas Fleisch mitbringen? Das wäre sehr nett.”

 

Dann konnte er hier ein kleines Feuer machen, und das Fleisch braten oder kochen.

 

"Fleisch? Gern."

 

Der große Naga lächelte und küßte ihn noch einmal, ehe er ihn von sich herabhob und ihn auf die Felle legte, sich herausschlängelte und auf den Weg zu den Apfelbäumen machte. Er würde auf dem Weg dorthin bestimmt einem Hasen oder ähnlich kleinen Tier begegnen - und dazu konnte er ihm noch die versprochenen Äpfel bringen.

 

Elasai blieb nackt auf den Fellen zurück, und lächelte kurz. Es war alles so anders verlaufen als gedacht, nie im Leben hatte er erwartet, daß Beljaro so ruhig war und ihm nicht doch gleich den Kopf abriss.

Es war fast schon zu gut gelaufen, und er dankte den Göttern dafür. Einzig die Sorge um seinen Bruder blieb und er hoffte, daß sein Gefühl ihn nicht betrog. Der König würde Elorian nichts tun, das fühlte der Barde - auch wenn er sich noch immer schreckliche Sorgen machte.

 

“Nun warten, bis der Mond sein volles Gesicht zeigt.”

 

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Kapitel 8

 

 

Nach ein paar Tagen fühlte sich Elasai so gut wie selten. Der Mondsohn war sehr zärtlich, er brachte ihm jeden Tag Äpfel und Fleisch und auch immer wieder Schmuck, den er noch in den Dornen zwischen den Knochen gefunden hatte.

 

Einiges davon trug der Rothaarige, und in seinen Haaren war auch schon Schmuck zu finden, da Beljaro Gefallen daran fand, es ihm an die Bänder zu knoten. Und so war es auch... es lag in seinem innersten Sein, seinen Liebsten zu schmücken, und mit jedem verstreichenden Tag vertieften sich seine Gefühle für den rothaarigen Barden noch.

 

Gefühle, die der Naga bisher nur für seinen Göttervater und seine verstorbene Mutter empfunden hatte... doch hier bei Elasai schienen sie mehr als nur richtig und Beljaro hoffte, daß sein Göttervater den jungen Barden ebenso akzeptierte. Doch dann verdrängte er den Gedanken und kam lächelnd mit einer Schüssel frischen Wassers und mehreren Äpfeln zu ihm in die Höhle, reichte sie ihm und ringelte sich sanft um ihn ein, ehe er ihn zärtlich küßte.

 

"Einen guten Morgen, mein Schmuckstück... ich hoffe, du hast noch ein wenig schlafen können, als ich wegging?"

 

Die Schüssel und die Äpfel nahm Elasai gern entgegen und nickte leicht.

 

“Das habe ich. Ich schlafe hier so gut, wie sonst nirgends... nur mein Bruder fehlt mir noch immer so sehr.”

 

Da brachte auch die Nähe und Zuneigung des Nagas keine Abhilfe.

 

“Ihm würde es hier sicher auch gefallen.”

 

Das ließ Beljaro leicht nicken und er hauchte seinem Liebsten einen Kuß auf die Stirn, ehe er ihm zärtlich durch die köstlichem Blut gleichenden, geschmückten Haare koste.

 

"Ich würde ihm auch nichts tun, mein Schmuckstück. Habe noch ein wenig Geduld... es wird nicht mehr lange dauern, dann wird mein Göttervater zu uns kommen und ich bin sicher, er wird dir helfen können."

 

Der große Nebelnaga war zuversichtlich, daß es so kam - und er hoffte es auch, da es ihn schmerzte, Elasai so leiden zu sehen. Und dieser kuschelte sich nun an ihn, denn er mochte es, die starken Arme zu fühlen, die ihm Halt und Trost gaben. Er wusste auch, daß Beljaro absolut in ihn verliebt war, und die Gefühle basierten langsam aber sicher auch auf Gegenseitigkeit.

 

“Ich bin froh, daß du so viel Verständnis hast. Ich danke dir dafür."

 

Als der Rothaarige sich so an ihn kuschelte, lächelte Beljaro glücklich... denn es erhellte sein Inneres, daß Elasai seine Gefühle erwiderte. Doch dessen Worte ließen ihn leise seufzen und er vergrub einen Moment das Gesicht in den weichen, roten Haaren, ehe er sich wieder löste und den Barden ansah.

 

"Es wundert mich selbst, daß es so ist - doch es ist so, mein Schmuckstück. Ich liebe dich, mit einem jeden Tag ein wenig mehr... und mach dir keine Sorgen, ich könnte deinem Bruder nichts tun. Ich würde niemals einem Kind etwas antun, mein Schmuckstück... niemals."

 

Das stimmte - es war eine seiner Schwachstellen, doch zum Glück kannte sie Niemand außer Elasai. Eine Schwäche, die ihn sehr liebevoll machte, und Elasai lächelte zärtlich.

 

“Ich hoffe, der König ist ähnlich... ich hoffe, er hat sich geändert, auch wenn er es nach außen nicht zeigt.”

 

Er klammerte sich an diese Hoffnung und seufzte wohlig, weil das Kraulen seiner Haare eine sehr beruhigende Wirkung auf ihn hatte.

 

Die Erwähnung des Königs ließ Beljaro für einen Moment dunkel aufknurren, doch dann hatte er sich wieder im Griff und zog seinen Liebsten einfach nur näher an sich heran.

 

"Ich hoffe es für dich und deinen Bruder, mein Schmuckstück - denn wenn er ihm auch nur ein Haar krümmte, werde ich ihn bei lebendem Leib zerfleischen."

 

Daß das keine leere Drohung war, merkte man gut an dem erneut für einen Herzschlag stärker werdenden Griff seiner Arme und auch dem zornigen Aufflammen seiner Augen... denn der Naga haßte den König wie nichts sonst und alleine schon der Gedanke, daß dieser einem unschuldigen Kind etwas antun könnte, wie er es schon bei seiner Mutter und auch ihm getan hatte, ließ wieder diesen maßlosen Zorn und Haß in ihm erwachen.

 

“Bitte beruhige dich... er ist nicht hier. Und wir werden dann sehen, was passiert.”

 

Jetzt war es an dem Barden, zu beruhigen, und er streichelte über die Brust des Weißhäutigen und ließ einen Kuss auf dessen Lippen folgen.

 

“Vielleicht kann der Mondgott den Sonnengott zurückrufen, es wird Zeit, daß etwas geschieht.”

 

Es dauerte einen Moment, doch dann wurde Beljaro ruhiger und grollte weich, ehe er den Kuß zärtlich erwiderte und einfach nur die Nähe des Barden genoß.

 

"Ich weiß - und mein Göttervater weiß es auch, ich bin sicher, daß er Antworten für uns haben wird. Es dauert nicht mehr lange, dann ist es Vollmond und wir können ihn fragen, mein Schmuckstück."

 

Doch noch bevor der Naga weiterreden konnte, schlugen seine Instinkte an und er runzelte die Stirn, ehe er aufstand und Elasai behutsam absetzte. Dann nahm er seinen großen, scharfklingigen Kampfspeer von der Seite und schlängelte aus der Höhle, richtete sich auf und sog die Luft tief in seine Lungen, damit er die Gerüche sondieren und und seine instinktive Ahnung bestätigen konnte.

 

Elasai folgte dem Naga allerdings und ihn schauderte leicht, als er ihn ansah. Jetzt sah er sehr gefährlich aus, und doch wusste er, daß es nicht ihm galt und irgendwie fand er es auch herrlich anzusehen.

 

“Was ist los?” fragte der Barde leise, und kam noch etwas näher.

 

Inzwischen hatte Beljaro Gewißheit und knurrte tief, als er in die Richtung blickte, in der die Straße lag, die zu seinem Berg führte.

 

"Es sind wieder Krieger gekommen, die mich töten wollen - ich war zu nachlässig, ich habe in den letzten Tagen nicht mehr nachkontrolliert. Bitte verzeih mir, mein Schmuckstück - sie werden nicht nahe genug kommen, um dir etwas anzutun."

 

Dann packte er den Kampfspeer fester und brüllte so markerschütternd auf, daß alles Getier um sie herum vor Schreck erstarrte. Doch kaum endete das Brüllen, flohen die Tiere und die Vögel flogen voller Angst auf, während der Naga sich in Nebel wandelte, den Speer in den wabernden Schwaden hielt und so schnell wie der Wind zu den Dornenranken floß.

 

“Oh, Nein... das ist meine Schuld.” wisperte der Rothaarige und blickte Beljaro nach, der als Nebel durch den Wald raste.

 

Kurz entschlossen, rannte er in die Höhle und zog sich Hose, Stiefel und Hemd über, um dem Mondsohn zu folgen. Er war schon am Ausgang, als er umdrehte, um seinen Dolch mitzunehmen.

Sicher war sicher, erst dann rannte er los und folgte dem Pfad durch den Wald und den inneren Dornenring, bis er die ersten Kampflaute hörte. Es waren viele Männer, die brüllten und auch vor Schmerzen aufschrien. Zwischen den Schreien war das dunkle Knurren und Brüllen von Beljaro zu hören, der außer sich vor Wut war und alles niedermetzelte, was sich ihm näherte.

 

Doch die vielen Krieger, die durch ihre Uniformen deutlich als die Elitegarde der Sonnenpriester erkennbar waren, nutzten jede Bresche, die sich ihnen bot und schleuderten ihre Speere oder schossen Pfeile mit Widerhaken auf den Naga, der mit seinem Kampfspeer blutige Ernte hielt.

Trotz der Schmerzen, die er durch die Waffen hatte, die seinen Leib immer wieder durchbohrten, kämpfte er weiter - denn nun verteidigte er nicht nur sich, sondern auch den Mann, dem er sein Herz geschenkt hatte.

 

Und gerade das gab ihm die Kraft, die sicherlich mehr als hundert Soldaten nicht nur zurückzuschlagen - sondern sie auch einer nach dem Anderen zu töten, so daß er schließlich nurmehr drei Gegner hatte, die er mit einem letzten, gewaltigen Hieb der langen Klinge seines Kampfspeers aufspießte und den Speer in den Boden hinter ihnen bohrte. Erst jetzt hielt Beljaro schwer keuchend inne und hob den Blick, als der Wind ihm den Geruch Elasais zuwehte.

 

"Mein Schmuckstück..."

 

Das Schmuckstück stand ein wenig entfernt und starrte auf das Schlachtfeld, aber dann löste er sich von dem Anblick und rannte zu Beljaro, da er verletzt war.

 

“Du bist verletzt... ich helfe dir.”

 

Noch immer steckten Speere in dessem Leib und es tat dem Rothaarigen in der Seele weh, das zu sehen.

 

“Das ist meine Schuld... sie sind bestimmt wegen mir gekommen.”

 

Der große Naga schluckte schwer, doch dann lächelte er ein wenig schief und seufzte erleichtert, als ihm Elasai einen der Speere aus dem Fleisch zog.

 

"Halte dich nicht zurück, mein Schmuckstück - die Wunden heilen sofort wieder, es schmerzt mich nur, solange die Speere und Pfeile drin sind."

 

Die Worte des Barden ließen Beljaro allerdings nachdenklich werden und so packte er einen der Soldaten, der noch halbwegs lebte, zog ihn nahe an sein Gesicht und damit an die gifttropfenden Fänge und knurrte laut, ehe er ihn fragte.

 

"Stimmt das, was der Barde sagt?! Wart ihr wegen ihm hier?! Du bist aus der Elitegarde der verfluchten Sonnenpriester, das sehe ich!"

 

“Ja... die Priester schickten uns nach. Wir sollten dich töten, wenn er dich ablenkt oder dich ablenken, damit er dich töten kann. Diese verfluchten Priester!”

 

Es gab Einige, die langsam an der Vernunft der Priester zweifelten und dieser Mann gehörte dazu.

 

“Selbst der König wird von ihnen beherrscht.”

 

Im ersten Moment erwachte wieder heiße Wut in dem Naga - doch als der Soldat auf die Priester fluchte, legte es sich wieder, da er riechen konnte, daß der Mann trotz seiner Angst und der Schmerzen die Wahrheit sagte.

 

Beljaro nickte nur und wisperte ein raues "Mögest du nun bei deinem Gott Ruhe finden.", ehe er dem Mann das Genick brach und ihm so ein schmerzfreies Ende schenkte.

 

Erst jetzt drehte er sich zu Elasai um und grollte weich, zog ihn an sich und hielt ihn, um durch den so wundervollen Geruch des Barden wieder zur Ruhe zu kommen.

 

Ela war froh, daß der Naga sich so sehr bei ihm beruhigte, und er wisperte ein sachtes “Bringst du mich zurück in die Höhle?”

 

Er wollte ihm jetzt Nähe geben, und vielleicht noch mehr. Der große Naga nickte nur und seufzte leise, ehe er sich ein wenig löste und noch die letzten Pfeile und Speere mit einem schmerzvollen Knurren aus seinem Leib zog.

Erst jetzt heilten die Wunden völlig ab, so daß nur leichte Narben blieben und Beljaro nahm seinen Liebsten auf die Arme, packte mit der Rechten seinen Kampfspeer und schlängelte zurück zu dem zweiten Dornenrankenring und dem Mischwald dahinter, damit er sich dort an einem der kleinen, klaren Bäche waschen konnte.

 

"Wir rasten hier einen Moment, mein Schmuckstück - ich möchte die Höhle nicht mit dem Blut dieser Wanzen beschmutzen."

 

“Kann ich verstehen.” erwiderte Elasai leise und zog sich aus, ehe er dem Naga dabei half, sich zu säubern.

 

Gerade auf dem Rücken kam Beljaro nicht so gut heran, und so konnte der Weißhäutige die sanften Hände des Barden fühlen, die immer wieder Wasser schöpften und dann über die Haut wuschen.

 

“Ich bewundere deine Selbstheilung.”

 

Der große Naga brauchte einen Moment, bis er sich wieder soweit aus seinem Genuß gefangen hatte, um auf die leisen Worte des Barden zu antworten und dabei den Kopf zu drehen, Elasai anzulächeln und zärtlich zu grollen.

 

"Es ist ein Geschenk meines Göttervaters... auf diese Weise habe ich einen Vorteil, es ist eine Gabe seines Blutes. In mir fließt dreierlei Blut: Das meiner Mutter und meines Menschenvaters zu einer Hälfte, doch die andere Hälfte stammt vom Mondgott. Du selbst hast es besungen, mein Schmuckstück - und es ist die Wahrheit. Ich bin sehr froh darum, daß meine Wunden so schnell heilen... denn sonst wäre ich jetzt nicht hier und du bei mir."

 

Es tat so wohl, die sanften Hände des Rothaarigen an seinem Rücken zu fühlen, daß Beljaro fast zerfließen wollte... doch er wußte, daß sie noch zurück in die Höhle mußten und so ringelte er sich nur sanft um Elasai ein und drehte sich, küßte ihn kurz und legte dann den Oberkörper über eine seiner Windungen, damit dieser besser an ihn herankam und auch die hinternlangen, saphirblauen Haare im weichen Flußwasser gewaschen wurden.

 

Dies tat Elasai sehr gewissenhaft. Er mochte die langen Haare des Nagas und durchkämmte sie nach dem Waschen noch ein wenig mit den Fingern, damit sie beim Trocknen nicht verzottelten.

“So, jetzt ist alles sauber. Du hast wirklich schöne Haare... sie verzotteln kaum beim Waschen.”

 

Ihm antwortete zuerst ein leises Schmunzeln, ehe Beljaro sich ein wenig mehr aufrichtete, so daß der Barde es leichter mit dem Kämmen hatte.

 

"Sie sind sehr dick, deshalb verfangen sie sich nicht so schnell. Ich bin froh, daß sie dir gefallen, mein Schmuckstück... viele Männer mögen es nicht, lange Haare zu haben oder wenn andere Männer ihre Haare länger tragen. Sie nennen es weibisch - mein Göttervater hingegen meint, daß es von der Kraft eines Mannes zeugt, wie lang und gesund sein Haar ist."

 

Die Zärtlichkeiten Elasais sorgten dafür, daß das Adrenalin schon fast aus dem Körper des Nagas verschwunden war... und er fühlte sich so wohlig ruhig wie selten zuvor nach einem Kampf.

 

“Ich trage es lang, weil ich Spielmann bin. Es fällt eh schon durch die Farbe auf, aber wenn die Leute die Bänder und Zöpfe sehen, wissen sie ganz sicher, daß ich Barde bin, auch wenn es auch bei meiner Zunft langsam aus der Mode kommt. Elorians Haar wächst ebenfalls schon lang, er wird später mit mir singen.”

 

Nur musste er zum Waschen immer die Bänder und Zöpfe lösen, damit sein Haar, das weich und feiner war, nicht total verfilzte. Eine Aufgabe, die nun allerdings immer Beljaro übernahm - und das mit sichtbarer Freude. So wie er auch jetzt schmunzelte, als er die bunten Bänder und auch die einzelnen Ketten betrachtete, die er ihm geschenkt und in das blutrote Haar geflochten hatte.

 

"Ich danke dir, mein Schmuckstück... denn ich mag es, dein herrliches Haar flechten zu dürfen. Wir sollten langsam zurückkehren, nicht wahr? In der Höhle ist es gemütlicher und auch ein wenig wärmer... zieh dich besser an, damit dein Körper nicht zu sehr auskühlt, mein Schmuckstück."

 

Der Naga machte sich ein wenig Sorgen, auch wenn er wußte, daß Elasai von sehr robuster Konstitution war. Elasai fror wirklich, auch wenn er es gewöhnt war im Freien zu schlafen und zu leben. Die Höhle war ihm jedoch deutlich lieber, und so schlüpfte er in seine Kleidung und lachte, als der Mondsohn ihn packte und stolz zurück in die Höhle trug.

 

.: | :.

 

Kapitel 9

 

 

Es war dem großen Naga eine sichtbare Freude und er küßte ihn immer wieder auf ihrem Weg... erst, als sie an der Höhle ankamen, ließ Beljaro ihn herab und zuerst eintreten, ehe er den Kampfspeer wieder an seinen Platz an der Höhlenwand lehnte und mit einem tiefen Lächeln den Barden dabei beobachtete, wie dieser sich ein weiteres Mal auszog.

 

Als der Rothaarige wieder völlig nackt war, kam der große Weißhäutige zu ihm und umarmte ihn zärtlich von hinten, neigte sich vor und küßte ihn sanft in den Nacken, ehe er leise an dessen Ohr raunte.

 

"Sag mir, mein Schmuckstück... vermißt du es, daß ich keine Beine habe?"

 

“Nein... ich finde es eher sehr interessant, daß du keine hast. Dein Schweif, es fühlt sich sehr schützend an, wenn du ihn um mich legst.”

 

Dazu die starken Arme, die ihn umfingen, und es war um Elasai geschehen.

 

“Ich möchte dich jetzt fühlen.”

 

Die letzten Tage hatte sie es nie getan, es gab nur Streicheln und sanftes Weiten mit den Fingern, oder... ”Oder wieder mit... du weißt schon?” 

 

Die leichte Röte auf den Wangen des Barden ließ Beljaro leise schmunzeln, ehe er die heißen Wangen küßte und ein wenig mit dem Schlankeren schmuste. Er wußte, was Elasai meinte - und das war etwas, das nur der Naga mit ihm tun konnte. Denn er hatte ihn nicht nur mit den Fingern geweitet und so langsam auf seine Größe vorbereitet, sondern auch seine Schweifspitze dazu benutzt und seinem Liebsten damit einen unvergleichlichen Orgasmus beschert.

 

Denn die Schweifspitze Beljaros besaß nicht nur eine respektable Dicke, so daß sie gut für das Weiten geeignet war - sie war auch voll beweglich und er konnte damit sehr gezielt das Nervenbündel erregen, das in einem jedem Mann war und den Sex mit einem anderen Mann so herrlich machte.

 

"Ganz wie du es möchtest, mein Schmuckstück... du weißt, daß ich dich zu nichts dränge und dir alles gebe, was du willst."

 

“Ich weiß, und ich genieße es.” wisperte Elasai und er schauderte schon leicht, wenn er nur einen Blick auf die Schwanzspitze warf.

 

“Vielleicht geht ja Heute schon mehr... wenn du erst... und danach gleich....” stammelte der Rothaarige.

 

Denn er brauchte nicht viel zu sagen, Beljaro verstand sicher, was er meinte. Das tat er und der große Naga lächelte, ehe er weich in das Ohr des Schlankeren grollte und ihn behutsam hochnahm, in sein weiches Lager und sich neben ihn legte.

 

"Gerne, mein Schmuckstück... mehr als nur gerne."

 

Noch während Beljaro sprach, tauchte er seine Schweifspitze in den Tigel mit wohlriechendem Öl und neigte sich zu Elasai, küßte ihn zärtlich und drehte sich dabei ein wenig, so daß der Barde auf ihm lag und die Beine um den Schlangenleib des Nagas gelegt hatte.

Erst jetzt kosten die Hände des Nagas zum Hintern seines Geliebten und streichelten darüber, so daß sich ihre Lenden trafen und sie beide fühlen konnten, wie ihre Männlichkeiten langsam erstarkten und einander berührten.

 

"Mein Schmuckstück..."

 

So hatten sie es schon zwei oder drei Mal gemacht und Elasai stöhnte leise, als er die großen Hände an seinem Hintern fühlen konnte, die seine Pobacken leicht auseinanderspreizten. Er schauderte im voraus und dann stöhnte er erneut, als die Schwanzspitze langsam über seine Öffnung streichelte und das Öl verteilte.

Der Rothaarige verging fast vor Wonne und atmete schon jetzt schwer durch die Erwartung von dem, was kommen würde. Und wie schon die Male zuvor genoß Beljaro es zutiefst, Elasai dabei zuzusehen, wie dieser seine Beherrschung Stück für Stück verlor und sich seiner Lust hingab.

 

Doch er hielt ihn nicht mehr lange hin und drang mit der dünnen Spitze seines Schlangenleibs in dessen Eingang, wartete einen Moment, bis der Rothaarige sich daran gewöhnt hatte und kam langsam tiefer, während er dabei mit den Händen über den Hintern und den Rücken Elasais streichelte.

 

"Du bist so heiß und eng, mein Schmuckstück..."

 

Alleine schon die Lust des Schlankeren sorgte dafür, daß die Männlichkeit Beljaros sich verstärkte - doch als er sich vorstellte, wie es wäre, mit seiner Härte in diesen engen, heißen Tunnel zu gleiten, verhärtete sie sich fühlbar und der Blauhaarige grollte tief vor Verlangen auf.

 

Elasai wusste im Moment nicht, wohin mit seiner Lust Sein Körper war weich wie Butter und er stöhnte immer wieder auf, wenn Beljaro mit der Schwanzspitze seine Prostata kitzelte.

 

“Oh, Gott... bitte... nimm mich richtig.” Er wollte es jetzt und wusste, daß er bereit war.

 

“Bitte, Bel... ich will dich jetzt fühlen.”

 

Die Worte des Rothaarigen ließen Beljaro tief erschauern, da er nicht nur sehen, sondern auch riechen konnte, wie ernst sie gemeint waren. Und er fühlte es auch - Elasais Körper war gespannt wie die Saiten seiner Laute und bebte fühlbar, als der Naga noch ein wenig tiefer mit seinem Schweif in ihn drang.

Erst jetzt zog Beljaro ihn langsam wieder heraus, während er den Rothaarigen über eine der Windungen seines Schlangenkörpers legte und dunkel grollte, als er fühlte, wie sich Elasai in die weißen Schuppen einkrallte.

 

"Mein Schmuckstück... ich liebe dich so sehr..."

 

Die Worte des Nagas waren so weich wie sein tiefes Grollen und er nahm seine Härte aus der Hautfalte, neigte sich über den Schlankeren und sobald er die Schweifspitze völlig aus ihm gelöst hatte, drang er langsam mit seiner eigenen Härte in ihn ein. Durch das vorige Weiten und damit verbundene Einölen war es leichter, da Elasai schon gedehnt war - doch trotzdem spürte Beljaro, wie eng dieser sich um ihn schloß und keuchte schwer vor Lust, als er endlich mit der Spitze seiner Härte durch den engen Muskelring gedrungen war.

 

“Ah... ihr Götter.”

 

Elasai krallte sich fester in die Schuppen und keuchte schwer, als die Erregung ein Stück in ihn drang. Er hatte eine gewisse Größe erwartet, aber es übertraf doch seine Vorstellungen und er war dankbar dafür, daß Bel verhielt und ihm Zeit gewährte, sich daran zu gewöhnen.

 

Auch wenn es den Naga viel seiner Beherrschung kostete - er verhielt und erst, als Elasai sich wieder entspannte, kam er etwas tiefer und verhielt wieder. Es war hart für ihn, sich zurückzuhalten und nicht einfach zuzustoßen... doch Beljaro wollte seinen Liebsten nicht verletzen und kostete es einfach aus, fühlte die bebenden Schenkel des Rothaarigen und küßte über dessen Hals und Nacken, ehe er einfach nur den herrlichen Duft Elasais einatmete und dabei ruhiger wurde.

 

Die Küsse beruhigten auch den Rothaarigen, sie sorgten dafür, daß er sich weiter entspannte. Er wurde deutlich weicher und atmete schwer, als Beljaro nun wieder tiefer drang und dann endlich diesen einen Punkt streifte.

 

“Ihr Götter...”

 

Es raubte Elasai den Atem und er schrie im nächsten Moment auf, als er kam und sich an den Schlangenleib verströmte.

 

Ebenfalls ein leises "Ihr Götter..." murmelnd, schloß Beljaro die Augen und verhielt schwer stöhnend, als sich der Schlankere bei seinem Kommen um ihn verengte.

 

Der Reiz war so stark, daß es die ganze Beherrschung des Nagas kostete, nicht zuzustoßen und selbst zu kommen - doch er beherrschte sich und hielt Elasai, während dieser wieder Atem schöpfte, ehe er leicht lächelte, als er bemerkte, daß der Schlankere wieder bereit wurde. Doch Beljaro bewegte sich erst, als Elasai ihm etwas entgegenkam - und er grollte dunkel, als er nun völlig in den Schlankeren glitt und erneut verhielt, um dieses absolut herrliche Gefühl auszukosten.

 

Dem Rothaarigen entwich ein leiser Schrei - denn er hatte einen Moment das Gefühl, gepfählt zu werden, und ein leichter Schmerz war da. Aber gerade das erregte ihn unerwartet stark und er entspannte sich nun völlig.

 

“Bitte... mach nochmal.” bat er leise raunend, und bebte vor Erwartung.

 

Eine Bitte, die Beljaro überraschte - doch er roch die sich rasant verstärkende Erregung und sein Grollen wurde ein wenig dunkler und rauer, ehe er sich etwas zurückzog und erneut in den Schlankeren stieß. Er bemerkte schnell, daß es Elasai wirklich gefiel und ließ sich noch ein wenig mehr gehen... jedoch achtete Beljaro noch immer darauf, nicht zuviel Kraft einzusetzen und nur ein wenig leidenschaftlicher zu werden, während seine Lippen und Fänge immer wieder über den Nacken und Hals des Rothaarigen strichen.

 

Der Schlanke fühlte sich wie in einem Traum. Er merkte erst jetzt, daß er es mochte, wenn Männer so groß waren, und auch der immer noch leichte Schmerz machte ihm wenig aus. Es erregte ihn sogar, und er fühlte im Moment nur noch seine Lust und die Härte, die sich in ihn trieb.

 

Und Beljaro stöhnte leise, als er fühlte, wie der Schlankere sich ihm noch entgegenbog und noch weicher unter ihm wurde. Er hatte immer befürchtet, daß Elasai davor Angst bekommen und ihn nicht so haben wollte - doch ihn nun so zu sehen und zu fühlen, nahm ihm diese Angst und gab ihm förmlich Flügel, so daß der große Naga seiner Lust die Fesseln nahm und Elasai packte, ihn an sich zog und seine langen Fänge in dessen Nackenmuskeln schlug.

 

“Ah!!”

 

Der Biss war fast zuviel für den Barden und er schrie leise vor Lust auf. Das war der unglaublichste Sex, den er jemals gehabt hatte, und als Beljaro erneut in ihn stieß, war es ein weiteres Mal um den Rothaarigen geschehen, er verengte sich und kam mit einem erneuten, lauten Aufschrei.

 

Ein Schrei, der wie süßester Gesang an die Ohren Beljaros drang, als er ein weiteres Mal zustieß und es auskostete, wie Elasai sich heftig um ihn verengte. Dieser Reiz genügte völlig, um auch ihn kommen zu lassen und der große Naga stöhnte hocherregt, als seine Lust ihn überrollte und er sich in den Schlankeren ergoß. Dabei löste er auch den Biß und legte den Kopf in den Nacken, damit er nicht aus Versehen doch sein Gift in Elasai fließen ließ.

 

“Ihr Götter...” hauchte Elasai, und bebte am ganzen Leib.

 

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als der Mondsohn in ihm kam, und die Nachwehen von seinem Orgasmus dauerten besonders lange an, ehe seinem Körper die Kraft fehlte, sich zu halten und er erschöpft auf dem Schlangenleib niedersank.

 

“Ihr Götter...”

 

Beljaro nickte nur und atmete noch immer schwer, ehe er auf dem Rothaarigen niedersank und zärtliche Küsse auf dessen Nacken und die Schultern hauchte.

 

"Du fühlst dich einfach nur herrlich an, mein Schmuckstück... deine Hitze und Enge, deine Lust..."

 

Daß er noch immer in ihm war, genoß der Naga mit einem tiefen Lächeln, das sich auch in dem weichen Grollen zeigte, das aus seiner Kehle rollte.

 

“Du fühlst dich auch wunderbar an... ich hätte nie gedacht... daß ich so etwas so gut finde.”

 

Man hörte in dem erschöpften Wispern, wie erstaunt der Rothaarige darüber war, und er genoss es noch immer, daß Beljaro in ihm war.

 

“Das will ich öfter haben.”

 

Beljaro grollte weich bei den Worten und nickte, ehe er leicht über die wenigen Blutstropfen leckte, die sich aus dem Nackenbiß gelöst hatten.

 

"So wie auch ich, mein Schmuckstück... du fühlst dich noch immer so herrlich an."

 

Erst jetzt löste sich der große Naga aus ihm und legte sich mit dem Rücken auf eine seiner Windungen, ehe er Elasai auf sich zog und liebevoll streichelte.

 

"Ruhe ein wenig, so kannst du Kraft schöpfen."

 

“Hmmm... ja, das brauche ich jetzt auch. Du hast mich richtig ausgelaugt.” wisperte der erschöpfte Barde und es dauerte nur wenige Momente, da war er auch schon mit einem Lächeln auf den Lippen eingeschlafen.

 

Auch über die Züge des Nagas huschte ein Lächeln und er nickte unmerklich, ehe er Elasai einen liebevollen Kuß auf die Stirn hauchte und sich ein wenig bequemer in die weichen Felle legte.

 

"Schlaf gut und erhole dich, mein Schmuckstück... so wie auch ich es tue." Dann schloß Beljaro die saphirblauen Augen und ließ sich in einen tieferen Schlaf gleiten, auch wenn seine Sinne trotzdem wachsam blieben.

 

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Kapitel 10

 

 

Einige Tage später schien der Vollmond hell durch die wenigen Wolken und die Bäume warfen weiche Schatten auf die Wiesen und Lichtungen um die Höhle Beljaros. Doch dann wurde die Ruhe ein wenig gestört, als ein Nebelstreif sich aus dem Mondlicht zu lösen schien und langsam ein wenig dichter wurde, leicht um den Baum und die Höhle herumwaberte und dann durch den Eingang hindurch nach innen floß.

Erst hier löste sich aus dem Nebel ein riesiger Nagakörper und der Mondgott lächelte, als er seinen Sohn und dessen Liebsten betrachtete. Beljaro rührte sich auch schon und lächelte, als er aufsah und sein Blick sichtbar liebevoller wurde.

 

Elasai bemerkte nichts, er schlief tief und fest, denn sie hatten am frühen Abend wieder ausgiebigen Sex gehabt, und er war dadurch doch sehr müde. Natürlich war es schön gewesen und das sah man noch immer, denn er kuschelte sich leise murmelnd an seinen Liebsten und wurde wieder ruhig. Doch Beljaro neigte sich zu ihm und küßte ihn sanft, ehe er leise zu ihm sprach.

 

"Wach auf, mein Schmuckstück... wir haben Besuch."

 

Der Mondgott schüttelte nur leise schmunzelnd den Kopf und ringelte seinen großen Leib um die Schlafstelle ein, ehe er sich an eine der großen Körperwindungen lehnte und darauf wartete, daß der junge Barde aufwachte.

 

“Hmm? Besuch?”

 

Elasai murmelte leise, doch dann schrak er auf.

 

“Besuch?!”

 

Als er endlich wach war, sah er, daß der Mondgott da war. Er ähnelte Beljaro, nur waren sein Haar und der Schimmer seines Körpers hellblau, und er war fast doppelt so groß wie Bel.

 

“Ihr Götter... der Mondgott.”

 

Der Mondgott lachte leise bei dem Ausruf und nickte, ehe er sich näherneigte, Beljaro zärtlich küßte und sich dann neben diesen legte, um Elasai ein wenig näher zu betrachten.

 

"Du hast Recht, mein Junge - ich bin der Mondgott und ich freue mich, dich endlich einmal näher betrachten zu können. Sicherlich habe ich dich schon sehen können... doch es ist immer anders, wenn man sich berühren kann, nicht wahr?"

 

Während er sprach, ließ der Mondgott seine schlanke Hand über die Brust des Rothaarigen streichen und schließlich spielte er ein wenig mit einer der blutroten Locken.

 

“Ähm... ja, das ist es.” erwiderte Elasai mit leichter Ehrfurcht in der Stimme. Der Mondgott war seine letzte Hoffnung darauf, daß er seinen Bruder zurückbekam.

 

“Kannst du uns helfen?”

 

Der große Naga schmunzelte wieder und blickte liebevoll auf seinen Sohn, der sich an ihn herankuschelte, ehe er wieder zu dem Rothaarigen sah und sein Lächeln noch liebevoller wurde.

 

"Das habe ich schon, mein Schöner... schon vor sehr, sehr langer Zeit. Ich kann verstehen, daß du dich um deinen Bruder sorgst, Elasai - die Sonnenpriester trachten nach seinem Leben, auch wenn sie es bisher nicht bekamen."

 

Alleine die Erwähnung der verhaßten Priester ließ Beljaro tief knurren und der größere Naga seufzte leise, ehe er dem jüngeren Naga sacht auf die Stirn küßte und ihn aus seinen Augen anblickte, die dem Blau tiefster Nacht glichen.

 

"Der Zorn in dir ist stark, mein Junge - du bist ein Krieger, wie ich nie einer war. Du willst zu deinem Menschenvater und deine Rache, nicht wahr? Und auch den Bruder deines Liebsten retten."

 

Beljaro nickte nur und atmete tief ein, ehe er sich wieder an den Mondgott lehnte und dessen beruhigende Nähe genoß, während die melodische Stimme des Mondgottes erklang.

 

"Hast du dir schon Gedanken gemacht, Elasai? Wie würdest du dieses Problem lösen..."

 

“Ich? Also...”

 

Der Angesprochene zögerte einen Moment, doch dann sagte er, was er meinte.

 

“Ich würde versuchen, es friedlich zu lösen. Ich glaube nicht, daß der König wirklich böse ist. Aber man kommt gegen die Priester nicht an, und ich finde trotz der Kriege, die sicher wichtig sind, sollte sich der Sonnengott auch um die Menschen kümmern, die ihn anbeten, und nicht alles in die Hand der Priester legen. Sie nutzen es aus, und das schon über viele Jahrhunderte.”

 

Er sprach sich fast ein wenig in Rage und atmete nach den Worten tief durch, um sich zu beruhigen.

 

“Könntet ihr ihn nicht rufen?”

 

Der Mondgott schmunzelte leise und hauchte auch Elasai einen Kuß auf die Stirn, ehe er sich wieder ein wenig zurückzog und ihm mit einem leicht wehmütigen Lächeln auf den Lippen antwortete.

 

"Es ist nicht so leicht, wie du dir das vorstellst, junger Barde... ich wünschte mir oft, es wäre so. Es ist uns nur zu bestimmten Zeiten gestattet, auf die Welt der Menschen herabzukommen - ich kann es bei einem jeden Vollmond und mein Gefährte, der Sonnengott, darf es nur zu den vier Hochtagen der Sonne: Den beiden Tag- und Nachtgleichen im Frühjahr und Herbst, dem längsten Sonnentag im Sommer und dem kürzesten Sonnentag im Winter.

 

Nur, wenn eine Sonnenfinsternis oder Mondfinsternis herrschen, dürfen wir beide herkommen und uns den Menschen zeigen - vorausgesetzt, mein Gefährte kämpft nicht in einem der großen Kriege der Götter. Ich selbst warte schon seit Jahrhunderten auf ihn, junger Barde... und ich sehne den Tag herbei, wenn er wieder bei mir sein kann."

 

Für einen Moment sah man dem Mondgott seine Sehnsucht an und Beljaro grollte weich, während er sich trostspendend näher an den Größeren heranschmiegte. Der Mondgott hingegen lächelte nun wieder und genoß es einen Moment, ehe er sich wieder etwas löste und die beiden anblickte.

 

"Du hast recht, was die Priester betrifft, junger Barde... mein Gefährte gab ihnen damals zuviel Macht, eine Macht, die ihr Innerstes verdarb. Es liegt an euch, was ihr tut und wie ihr vorgeht - mein Rat ist, denkt über die genauen Worte des Königs nach und auch darüber, was sie bedeuten könnten. Alles andere wird sich lösen, wenn die rechte Zeit dafür gekommen ist... und habt Vertrauen, es wird belohnt werden."

 

Dann küßte er noch einmal einen jeden von ihnen auf die Stirn und lächelte, ehe er sich in Mondlicht verwandelte und auch dieses langsam versickerte. Der Barde seufzte leise, denn er hatte sich irgendwie mehr erhofft.

 

”Ich glaube, dann müssen wir wirklich unsere Köpfe anstrengen, um das Problem zu lösen.”

 

Er kuschelte sich wieder an seinen Geliebten und dachte nochmal darüber nach, was der König gesagt hatte.

 

"Natürlich müssen wir das - mein Göttervater gibt niemals fertige Lösungen, denen man einfach nur gehorchen muß. Er gibt Rat... und einem die Möglichkeit, selbst auf die Lösung zu kommen und das Richtige zu tun, und das ist viel mehr wert. Kannst du mir noch einmal alles erzählen? Von dem Augenblick an, in dem der König zu euch in den Kerker kam und wenn es geht, auch seine Worte, und wie er sich verhielt."

 

Während er sprach, koste Beljaro zärtlich über die blutroten, weichen Haarsträhnen, ließ die eine oder andere Kette darin über seine Krallen gleiten und hielt ihn liebevoll an sich, um ihn zu wärmen.

 

“Sicher... ich habe ein gutes Gedächtnis.”

 

Elasai wusste noch jedes Wort und erzählte nun nochmals ganz genau, was gesagt wurde, und wie der König auf ihn gewirkt hatte.

 

“Ich habe das Gefühl, daß er sich aufgegeben hat.”

 

"Es ist alles so unwirklich, mein Schmuckstück - der König gibt sich so hart, kalt und rachsüchtig, wie ich es immer gehört und verachtet habe. Und doch hat er dich und deinen Bruder verschont... und damit gegen seine eigenen, von den Sonnenpriestern geforderten Gesetze verstoßen. Denn es ist bei Todesstrafe verboten, diese Geschichte zu erzählen... ihr hättet sofort geköpft werden müssen. Sicherlich hat er dich in den vermeintlichen Tod geschickt, als er dir den Auftrag gab, meinen Kopf zu holen - doch es ist sehr ungewöhnlich und dein Bruder lebt, solange du nicht mit leeren Händen zurückkehrst, mein Schmuckstück."

 

Es gab so viele Rätsel und so wenig Teile, sie zu lösen, daß Beljaro der Kopf schwirrte - er war noch nie Jemand gewesen, der sich gerne den Kopf über Dinge zerbrach, er handelte lieber und das Denken jetzt verursachte ihm Kopfschmerzen.

 

“Das Einzige, das geht, ist deinen Kopf zu bringen, aber das will ich nicht. Ich liebe dich.”

 

Es war bedrückend für den Barden. Zwei Menschen, die er schrecklich liebte, waren von seiner Entscheidung abhängig.

 

“Es ist nicht fair.”

 

"Schhh, mein Schmuckstück."

 

Es schmerzte Beljaro, ihn so zerrissen zu sehen - und er konnte auch verstehen, weshalb dies so war. Und so seufzte der große Naga und fällte eine Entscheidung, die ihm schwerer als alles andere fiel.

 

"Hör zu, mein Schmuckstück - es gibt eine Möglichkeit. Sieh... wenn ich dich begleite, dann können wir sie täuschen, bis wir bei deinem Bruder sind."

 

Mit den Worten löste der weiße Naga seine Rechte und formte darin Nebel, der fester wurde und schließlich die Form seines eigenen Kopfes annahm. Diesen geformten Kopf starrte Elasai einen Moment verwundert an, und erst dann kam ihm langsam, was dies bedeutete.

 

“Du willst mich begleiten?”

 

Sein Blick wanderte vom falschen zum echten Gesicht, und er sah ein Schmunzeln auf den Lippen seines Geliebten.

 

"Ja, mein Schmuckstück - denn es gibt etwas, das du noch nicht über mich weißt."

 

Und noch während er sprach, konzentrierte sich Beljaro und der lange Schlangenschweif schien zu schrumpfen, bis der Naga schließlich zwei lange, muskelbepackte Beine besaß.

 

"Wenn ich mir die Kleidung eines Kriegers anziehe und mich so verhülle, kann ich mit dir kommen und dich beschützen, mein Schmuckstück... und du kannst dem König das bringen, das er verlangte, und damit deinen Bruder auslösen."

 

Und Bel konnte den König töten, wenn es sein musste.

 

“Warum hast du mir das nicht schon früher gezeigt? Oh Mann, ich bin so froh, daß du mitkommen kannst.”

 

Die Erleichterung war dem Barden anzusehen, und er warf seinen großen Geliebten fast um, als er ihn umarmte.

 

“Kannst du damit überhaupt laufen?”

 

Der große Naga lachte erst einmal amüsiert über den Übermut seines Liebsten und hielt ihn bei sich, ehe er eines der Beine anwinkelte, damit er das Gleichgewicht besser halten konnte.

 

"Natürlich, mein Schmuckstück - mein Göttervater bestand darauf, daß ich auch lernte, meine Menschenbeine zu benutzen, es ist ein unschätzbarer Vorteil in einer Schlacht. Und ich habe es dir deshalb nicht gesagt, weil du meinen Nagakörper mochtest - erinnerst du dich? Ich habe dich gefragt, ob du es vermißt, daß ich keine Beine habe."

 

“Das tue ich auch nicht. Es ist schön mit deinem Schlangenkörper, aber es ist auch schön, daß du Beine haben kannst. Daß du mich begleiten kannst.”

 

Allein, daß er allein dahin hätte gehen müssen, in der Angst, daß der Betrug mit dem Kopf aufflog, hatte Elasai Angst gemacht. Aber jetzt war sie verflogen, und er küsste Beljaro zärtlich.

 

“Wann gehen wir los?”

 

Der Naga kostete den zärtlichen Kuß ein wenig aus, ehe er ihm leise antwortete.

 

"Wir gehen am Morgen los - so können wir uns noch ausruhen, denn die Rückreise wird genauso lange dauern wie die Herreise."

 

Jedoch würde sie angenehmer sein, denn Beljaro würde eines der großen Felle und auch genug Proviant mitnehmen, so daß sie nicht hungern mußten.

 

“Ich kann es kaum erwarten, und du hast Recht. Wir sollten uns erst ausschlafen.”

 

Elasai drängte nicht, jedoch sah man ihm die Vorfreude an den glänzenden Augen an. Aber auch leichte Sorge, denn er hatte Angst, daß etwas schiefgehen könnte.

 

“Wir werden das schaffen, nicht wahr?”

 

"Niemand wird dir etwas tun, mein Schmuckstück - nicht, so lange ich lebe. Und es wird klappen... denn wenn etwas schieflaufen sollte, töte ich jeden in meinem Weg und bringe dich als Nebel aus dem Schloß heraus."

 

Beljaro wußte, daß er das schaffen konnte - daran hatte er nicht den geringsten Zweifel.

 

"Denke nur an deinen Bruder, mein Schmuckstück... er ist alles, das zählt, und wir werden ihn herausholen. Daran darfst du niemals zweifeln, ja?"

 

“Die letzten Zweifel hast du mir gerade genommen.” wisperte Elasai und seufzte wohlig.

 

Ihm war jetzt leichter ums Herz, denn von ihm war ein weiteres Bröckchen der Last genommen, die ihn so belastete.

 

“Ich freue mich so auf Elorian.”

 

Das ließ den Größeren wieder leise schmunzeln und er nickte, ehe er ihm einen zärtlichen Kuß auf die Lippen hauchte.

 

"So wie auch ich, mein Schmuckstück. Sicherlich ist er ebenso hübsch, wie du es bist... und er wird es bei mir gut haben, das verspreche ich dir. Doch nun schlafe - wir haben einen schweren Tag vor uns, du mußt Kraft sammeln."

 

Elasai nickte sacht und kuschelte sich wieder eng an seinen Liebsten, der nun Beine hatte, und schloss seine Augen, um weiterzuschlafen. Es fühlte sich jetzt anders an, aber auch irgendwie ganz gut. Aber das schönste Gefühl war die Freude, seinen Bruder wiedersehen zu können, und so schlief er auch rasch ein, da er nun wieder beruhigter war.

 

Der weißhäutige Naga nickte nur und zog eines der Felle über sie, damit Elasai es warm hatte. Die Nacht würde noch früh genug zu Ende sein und sie hatten noch viel zu tun... doch nun konnten sie die Zeit noch nutzen und miteinander schlafen, die Nähe auskosten und einander Kraft geben.

 

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Kapitel 11 

 

 

Der nächste Morgen war für Elasai irgendwie sehr aufregend. Er packte schon einige Dinge ein, die sie auf dem Weg brauchten, und Beljaro war schon unterwegs, um sich eine Rüstung zu suchen, die ihm auch passte, und um noch ein wenig zu jagen.

 

“Ich bin gespannt, wie er aussieht.”

 

Das war er wirklich, denn er kannte seinen Geliebten nur nackt oder mit Schlangenleib, und somit auch nackt.

 

Beljaro war an diesem Morgen schon sehr früh aufgestanden, um sich nach der Jagd in dem nahen Bach zu säubern und schließlich aus einer kleineren Baumhöhle eine Truhe herauszuziehen und zu öffnen, die er schon seit sehr langer Zeit nicht mehr angerührt hatte. In ihr lag eine Lederrüstung und noch andere Kleidungsstücke, die der Weißhäutige nun nach und nach anlegte.

 

Nach einem ledernen Slip folgte eine schwarze, aus sehr widerstandsfähigem Leder gefertigte und an den Außenkanten mit gekreuzten Lederfäden geschmückte Hose, die durch einen sehr breiten und schweren Ledergürtel an seinen Hüften gehalten wurde. Obenrüber zog Beljaro eine langärmelige, ebenso schwarze Tunika an, jedoch legte er um die Unterarme und die Tunika schwarzlederne Unterarmschoner an, die vorne in lederne und mit Stahlschuppen beschlagenen Handschuhen endeten. Seine Krallen formte der Naga vorsichtshalber kurz, damit sie nicht durchstachen... und schließlich schlüpfte er noch in schwere, schwarze Lederstiefel, ehe er einen bodenlangen Umhang aus schwarzem Stoff mit einer sehr großen Kapuze nahm und ebenso umlegte, nachdem er seine langen, saphirblauen Haare wie gewohnt an den Seiten geflochten und um die offenen Haare in seinem Nacken gewickelt hatte, so daß sie dort zusammengebunden blieben.

 

Erst jetzt schloß Beljaro die Truhe wieder und versteckte sie in der Baumhöhle, packte die beiden erlegten Wildschweinferkel und kehrte zu seiner Wohnhöhle zurück. Dort merkte Elasai auf, als er seinen Liebsten hörte und er kuckte erstmal nicht schlecht, als er ihn in Kleidung sah.

 

“Du bist kaum wiederzuerkennen... dich langt bestimmt keiner an.”

 

Er kam sogleich zu ihm, musterte Bejlaro und berührte auch das Leder, das er auf der Haut trug.

 

“Irgendwie aufregend.”

 

Im ersten Moment schmunzelte der Größere, ehe er leicht zu ihm nickte.

 

"Ich habe mit Absicht schwarze Kleidung gewählt - sie schreckt besser ab. Ich nehme auch meinen Kampfspeer mit... er wirkt noch abschreckender, und falls wirklich Jemand zu nahe kommen sollte, ist er selbst schuld."

 

Dann gab er die Ferkel seinem Gefährten - er selbst hatte schon gegessen und so konnte dieser sich noch einmal kurz stärken, während Beljaro noch einmal nach innen ging, um seine Waffe und ihr Gepäck zu holen.

Elasai verschnürte noch die Ferkel und legte sie zu seinem Gepäck. Er wartete geduldig auf seinen Liebsten, und doch war in ihm eine innere Unruhe, weil es nun endlich losging. Als Bel aus der Höhle kam, schnaufte er erleichtert auf und nahm sein Gepäck, um es zu schultern. Was soviel hieß, daß er sofort los wollte.

 

“Können wir?”

 

"Ja, mein Schmuckstück."

 

Noch während er sprach, nahm Beljaro ihm das Gepäck ab und hängte es ebenfalls über seine breiten Schultern - und man konnte ihm ansehen, daß er kein Widerwort dulden würde.

 

"Komm - die Rückreise wird nun ein wenig schneller gehen, da ich nicht nur den Weg kenne, sondern uns des Nachts auch schneller voranbringen kann, wenn ich mich in Nebel wandle und dich trage. Die Dornenranken werden uns durchlassen, damit es schneller geht... und sie schützen den Berg und meine Höhle, während wir weg sind."

 

Mit den letzten Worten legte der Naga seinen Arm um die schmaleren Schultern Elasais, lächelte kurz und nickte dann aufmunternd in die Richtung der inneren Dornenhecke, die sie nach dem Mischwald erreichen würden.

 

Der Schlanke erwiderte das Lächeln und ging los. Er fühlte sich gut, denn es ging nun zu seinem Bruder und er hatte in Beljaro einen starken Beschützer. Der Weg zurück war irgendwie leichter, und doch wusste man nicht, was sie erwartete.

 

“Ich werde den Wald irgendwie vermissen.”

 

"Ich tue es schon jetzt - ich hasse die Welt der Menschen, besonders das Schloß. Ich weiß zwar genug über die Menschen, um mich anpassen zu können... doch es widerspricht allem in mir und ich muß mich immer zurückhalten, sie nicht einfach zu zerfleischen."

 

Es fiel Beljaro schwer, sich zusammenzunehmen und man sah ihm mehr als nur deutlich an, wie wenig er aus seinem Wald wegwollte... doch ein Blick zu Elasai genügte und er wußte, daß er es für ihn tun würde, und so erhellte für einen Moment ein Lächeln seine harten Züge.

 

"Aber zum Glück ist es nicht für lange - wir holen deinen Bruder raus und kehren dann wieder hierher zurück."

 

“Ja, das tun wir dann.” erwiderte Elasai sanft und streckte sich zu seinem Liebsten, um ihn zärtlich zu küssen.

 

Dann ging er weiter mit ihm durch die Dornen, die ihnen einen Weg öffneten, und so war der Weg doch leichter als vor zwei Wochen, als Elasai noch über und durch die Dornen klettern musste.

 

“Ich kenne einen netten Bauern, bei dem wir sicher übernachten können. Die Bäuerin gab mir das Bild von Sonnen- und Mondgott.”

 

"Die Bäuerin? Das ist seltsam - eigentlich dürften sie so etwas gar nicht besitzen, die Sonnenpriester bestrafen den Besitz von so etwas harsch und eisern. Gerade, wenn es den Mondgott und den Sonnengott zeigt - sie nennen es Ketzerei, obwohl es stimmt, daß die beiden ein Paar sind."

 

Es wunderte Beljaro noch immer, daß sein Liebster so etwas bekommen hatte... denn die Bauern begaben sich damit in Lebensgefahr.

 

“Sie hatte es gut versteckt und ich versprach ihr, es erst später zu öffnen. Ich denke, sie werden uns eine Nacht in der Scheune schlafen lassen... obwohl du nicht durchblicken lassen solltest, wer du bist. Es wäre sicherer für den Bauern und seine Frau.”

 

Elasai sorgte sich um deren Wohl und überlegte, ob sie nicht doch auf den Besuch bei ihnen verzichten sollten. Auch Beljaro überlegte einen Moment - doch dann seufzte er leise und schüttelte den Kopf.

 

"Es ist besser, wenn wir nicht bei ihnen sind, Elasai - die Tiere haben Angst vor mir und es würde zu sehr auffallen. Wenn wir in der Stadt sind, ist es nicht so schlimm... die Pferde der Wachen und Händler sind Raubtiere gewohnt, da die Adeligen sie immer wieder mitnehmen, und scheuen deshalb nicht vor mir."

 

Bel erhielt ein Nicken auf die Worte und Elasai blickte seinen Liebsten an.

 

“Ja, ich habe eben auch noch darüber nachgedacht. Ich möchte die zwei nicht gefährden - sie waren wirklich sehr nett. Mit dir zusammen werden die Nächte doch deutlich gemütlicher als allein, so müssen wir nicht in einer Scheune schlafen.”

 

Der große Naga nickte nur und zog ihn kurz an sich, ehe er ihm vorging und so den Weg bahnte. Sicherlich wichen die Dornenranken zurück, doch trotz allem war es besser, wenn er vorging und so ihren Weg noch erleichterte. Schließlich kamen sie an dem äußeren Ring der baumdicken Dornenranken an und ein kurzer Wink des Nagas genügte, daß sich ein Weg hindurch bildete und sie durchgehen konnten.

Nach ihnen schlossen sich die Ranken noch mehr zusammen, so daß kein Durchkommen mehr war - auf diese Weise war der Berg und damit auch seine Höhle gut geschützt, so daß er sich darüber keine Sorgen machen mußte.

 

Ab jetzt ging es weiter vorwärts, und Elasai übernahm ein wenig die Führung, da er den Weg zur Stadt ja schon gegangen war. Aber jetzt war der Weg leichter - er hatte eine Begleitung und es ging zu seinem Bruder zurück, und nicht von ihm weg.

 

“Soll ich ein wenig was singen, während wir laufen?”

 

"Wenn du es möchtest, Elasai? Ich habe nichts dagegen."

 

Da sie nun nicht mehr im Schutz seines Berges waren, ging Beljaro dazu über, den Barden mit dessem Namen anzusprechen - es war sicherer so, auf diese Weise merkte man nicht so schnell, daß sie Gefährten waren. Ob Elasai sang oder nicht, war dem großen Naga eigentlich egal - sicherlich mochte er es gerne, wenn der Rothaarige sang, doch wenn er es nicht tat, war es auch nicht schlimm, da Beljaro ihr einvernehmliches Schweigen ebenso genoß.

Zum Glück waren um diese Zeit noch keine Menschen unterwegs, so daß sie ungestört vorankamen - denn auch wenn der Naga die Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte und so seine Züge verbarg, die als einzigste nicht von Stoff verhüllt waren, so fiel doch seine schiere Größe und Kraft mehr als nur auf.

 

Ein Liedchen zu singen beruhigte den Barden noch mehr, daher sang er leise und lächelte hin und wieder zu Beljaro. Aber dann fiel ihm etwas ein, und er wurde kurz ernst.

 

“Die Menschen wissen, wie du heißt... vielleicht sollte ich dich anders nennen?”

 

"Das wissen sie?"

 

Für einen Moment war der Naga sichtbar verblüfft - doch dann wurde er übergangslos ernst und nickte.

 

"Dann solltest du mich wirklich anders nennen, Elasai. Rufe mich ab jetzt Belan - so kannst du die Abkürzung nehmen, die du so gern magst, und es fällt nicht auf."

 

“Ich habe es ihnen gesagt, als ich die Geschichte sang. Bitte verzeih.”

 

Es tat Elasai sichtlich leid, er hatte nicht geahnt, daß die ganze Sache solche Ausmaße annahm, und daß sie das nun verraten konnte.

 

“Aber Belan gefällt mir.”

 

Dies ließ Beljaro leise schmunzeln und nachdem er kurz mit seinen besseren Sinnen gehorcht hatte, nickte er leicht, da er Niemanden in ihrer Nähe hören konnte. Ohne weiter zu zögern, ließ er das Gepäck herab, zog er ihn an sich und neigte sich zu dem schlankeren Barden, küßte ihn zärtlich und lächelte, ehe er ihm leise ins Ohr wisperte.

 

"Es gibt nichts, das ich dir verzeihen müßte, mein Schmuckstück. Denn hättest du die Geschichte nicht erzählt, wärest du niemals in meinen Wald und zu mir gekommen. Ich liebe dich, mein Schmuckstück - und ich will gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn du nicht zu mir gekommen wärst."

 

“Dann...”

 

Aber weiter kam Elasai nicht, denn Beljaro küsste ihn und verhinderte, daß er noch etwas dazu sagen konnte.

 

“Ist gut, ich sage nichts weiter.” hauchte er schließlich, als sich ihre Lippen wieder trennten.

 

“Lass uns weitergehen, ja?”

 

Ihm antwortete nur ein kurzes Nicken, dann ließ der Naga ihn wieder los und schulterte erneut ihr Gepäck. Sie hatten noch einen weiten Weg vor sich - es würde sicherlich einige Tage dauern, bis sie zur Hauptstadt und damit dem Schloß des Königs kamen.

 

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Kapitel 12 

 

 

Langsam kamen sie ihrem Ziel näher. Elasai konnte in der Ferne schon die Stadtmauer sehen, und ihn schauderte es, da sie seit der letzten Nacht den aus Nebel geformten Kopf in einem Beutel mit sich herumtrugen.

 

Ein seltsames Gefühl war es schon, denn der Kopf wirkte ziemlich real. Noch dazu hatte Bel etwas von seinem Blut in den Beutel laufen lassen, und das machte alles noch viel echter. Langsam machte sich auch Aufregung in dem Barden breit. Er hoffte, daß alles gut ging, denn er hatte Angst davor, was passieren könnte, wenn die Heimlichkeit zu früh aufflog und die Sonnenpriester davon Wind bekamen. Auch wenn alles bisher gut ging, die Angst war einfach da. Elorian war alles, das Elasai noch hatte, und ihn wollte er auf gar keinen Fall verlieren.

 

Beljaro fühlte die Zerrissenheit des Barden, doch er konnte ihm in diesem Fall keine Hilfe geben. Es wäre zu auffällig, wenn er ihn trösten würde - denn nur seiner Größe, Stärke und Unnahbarkeit war es zu verdanken, daß sie bisher ungestört reisen konnten.

 

Die anderen Reisenden auf der belebten Straße machten um sie beide einen großen Bogen, nachdem sie einen Blick auf den vermummten Naga geworfen hatten... denn er strahlte so viel Gefährlichkeit aus, daß ihre Herzen vor Angst schneller schlugen und manche von ihnen murmelten auch kleine Gebete zu ihren Göttern, da sie sich vor dem vermeintlichen Söldner fürchteten.

 

Während Beljaro diesen Gedanken nachhing, fiel sein Blick erneut auf den einfachen Stoffbeutel, in dem der aus Nebel geformte Kopf verborgen lag... es würde genug sein, um die Stadtwachen zu täuschen und zum König zu kommen, doch einen Priester würden sie damit nicht täuschen können.

Der Weißhäutige hoffte, daß er den König gut genug einschätzte und dieser veranlaßt hatte, daß sie sofort zu ihm gebracht werden würden, ohne daß man die Priester verständigte... doch sicher konnte er sich nicht sein und so unterdrückte er ein Knurren, um sich nicht zu verraten.

 

“Ist gut... es wird gut gehen, da bin ich sicher.” wisperte Elasai, und berührte kurz die Hand seines Liebsten.

 

Daran, daß es nicht gut ging, wollte er nicht denken... und er atmete tief ein, als die Stadttore immer näher kamen. Jetzt sah Beljaro zum ersten Mal die Stadt, in der er geboren wurde, es war doch seltsam. Aber Elasai wusste auch, daß sein Liebster diese Stadt eigentlich hasste.

 

Das stimmte - und es fiel dem Naga schwer, seine Wut zurückzuhalten. Hier hatte alles seinen Anfang genommen... hier ging seine Mutter den Pakt mit dem Mondgott ein und hier wohnte der König, der sein Menschenvater war. Doch dann verbiß er sich diese Gedanken, da die Straße vor ihnen sich langsam füllte... die Stadtwachen hatten die Tore noch nicht geöffnet und so mußten die Händler mit ihren Wagen, die Bauern, Reisenden und Söldner warten, bis sie endlich eingelassen werden konnten.

 

“Vielleicht sollten wir vorgehen?” wisperte der Rothaarige.

 

Die Wachen würden sie bestimmt vorher einlassen und hoffentlich gleich zum König bringen.

 

“Oder lieber nicht?”

 

"Nein - wir warten wie die Anderen auch, ich will nicht, daß wir auffallen und die Priester etwas spitzkriegen."

 

Die Antwort Beljaros war leise und dunkel, so daß sie Niemand sonst hören konnte - doch der Blick des Nagas war unter der Kapuze auf die Stadttore und die Wachen gerichtet und er mußte sich beherrschen, daß er den Kopf nicht so hoch hob, daß man seine weiße Haut sehen konnte.

 

“Auch wenn es dir zuwider ist, vielleicht hättest du doch etwas Staub ins Gesicht wischen sollen.”

 

So hätten sie nicht so sehr aufpassen müssen, aber da Bel so groß war, musste er auch kaum aufblicken. Doch dieser schüttelte nur kurz den Kopf und knurrte bei der Vorstellung dunkel, da er alleine schon den Gedanken haßte.

Die Söldner, die ein wenig weiter vorne standen, drehten sich bei dem Geräusch um und blickten den vermummten Riesen mit gerunzelten Stirnen an - doch das hörbare Knarren des Lederhandschuhes, als Beljaro den Griff um seinen Kampfspeer verstärkte, sorgte dafür, daß sie sich wieder umdrehten und sich nicht mehr darum kümmerten.

 

"Nein, Elasai. Und nun mach dir deshalb keine Sorgen, meine Tarnung reicht aus."

 

“Ist gut.” erwiderte Elasai und blickte auch kurz zu den Wachen, die sich langsam in Bewegung setzten, da jetzt die Tore hochgezogen wurden.

 

Die Wagen der Händler fuhren langsam an und die Wachen überprüften stichweise einige der Wagen ... etwas, das dem Barden Sorge machte.

 

“Was ist, wenn sie uns nicht hineinlassen?”

 

Es fiel dem Naga schwer, bei den ängstlichen, nervenden Worten Elasais ruhig zu bleiben - und ein erneutes Knarren seines Handschuhes bestärkte dies, da er seine Wut in den Griff um seinen Kampfspeer steckte.

 

"Wenn du weiterhin so viel redest, sicherlich nicht. Bleib einfach ruhig und bei mir, ich rede."

 

“Verzeih.”

 

Erst jetzt bemerkte der Barde, daß er Bel mit seiner Unruhe nervte und es tat ihm sichtlich leid. Die lange Reihe der Wartenden bewegte sich nun langsam vorwärts und er ließ seinen Liebsten reden, als sie das Tor erreichten und die Wachen nach dem Grund ihres Kommens fragten.

 

Beljaro straffte sich zu seiner vollen Größe, als er antwortete - auch wenn er dabei darauf achtete, daß sein Gesicht noch immer im Schatten lag.

 

"Mein Geldgeber, der Barde Elasai, möchte den König sprechen - er erledigte mit meiner Hilfe einen Auftrag des Königs und wir sind hier, um ihm darüber Bericht zu erstatten und das zu bringen, das er von meinem Geldgeber verlangte."

 

Die Stimme des Nagas klang tief und hart zu den Torwachen und er hoffte, daß er sie genug beeindruckte, daß sie nicht zuviele Fragen stellten. Das hatte er, denn Bel war immerhin so groß, daß er fast das ganze Tor ausfüllte, und die tiefe Stimme veranlasste zu Respekt.

 

“Der Barde Elasai?”

 

Der Wachmann blickte zu dem Rothaarigen, musterte ihn und blickte kurz zu dem Beutel, der aussah, als ob ein Kopf darin lag. Er schlug sofort panisch das Zeichen des Sonnengottes und schluckte leicht.

 

“Ihr dürft sofort durchtreten.”

 

Beljaro nickte nur kurz und legte die Hand auf die Schulter des jungen Barden, ehe er ihn an dem rasch zur Seite tretenden Wachmann vorbeischob, der gleich einem anderen Wachmann winkte und ihm Bescheid gab.

 

Dieser sprach nur ein kurzes "Folgt mir." und schlug sofort den Weg zum Schloß ein, da auch er die Weisung kannte, die der König persönlich an die Stadt- und Torwachen gegeben hatte.

 

Sie wurden auf dem kürzesten Weg durch die Stadt zu einem kleinen Eingang der Burg geführt, und dort dann der Burgwache übergeben. Elasai schwieg die ganze Zeit, aber sein Inneres war aufgewühlt wie lange nicht, und sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Was ihn irgendwie erstaunte war, daß sie bisher keinem der Priester begegnet waren.

Man erkannte sie rasch, da sie ein eingebranntes Sonnensymbol auf der Stirn trugen. Scheinbar war der König wirklich auf dem besten Wege, die Priester zu hintergehen, und sie wurden nach einem kurzen Weg durch einen Flur in einen Nebengang geführt.

 

Das bemerkte auch Beljaro und einerseits verblüffte es ihn, doch andererseits traute er dem Frieden nicht und blieb mehr als nur wachsam, und als sie sich schließlich dem Ende des Ganges näherten und vor einer sehr massiven Türe standen, mußte er sich ein lautes Knurren verkneifen.

 

Einer der Wachen blieb vor der Türe stehen, als ein Diener die Türe öffnete und sie hineingeleitete, und einer ging mit ihnen in die Gemächer - er war sichtlich dazu abgestellt, sie zu bewachen und zu verhindern, daß sie etwas stahlen und flohen. Jedoch wunderte sich Beljaro ein wenig darüber, denn in diesem Zimmer sah er nichts, das für einen normalen Söldner stehlenswert gewesen wäre.

 

Es gab keine Goldkelche oder wertvolle Waffen, keine Silbermünzen, Edelsteine oder ähnliches. Im Gegenteil - das Zimmer war nicht einmal das eines Kriegers, überall waren Dinge, die eigentlich einer Frau gehörten.

Und gerade das sorgte dafür, daß sich das Herz des Nagas schmerzhaft zusammenzog... denn er erkannte die Frau auf den Bildern und war sich sicher, daß die vielen Stickereien und genähten Decken von seiner Mutter waren.

Alleine schon der Gedanke daran, daß der König diese Dinge noch immer hierbehielt, ließ den Schmerz in seinem Inneren zu tiefer Wut werden und er mußte sich mühsam beherrschen, nicht laut aufzuknurren.

 

Elasai erstaunte das Zimmer ebenso. Er hatte es nicht gesehen, aber es bestätigte seinen Verdacht, daß der König seine erste Liebe noch immer liebte und die Dinge daher aufgehoben hatte. Das Zimmer wirkte dadurch sehr warm und angenehm, fast schon beruhigend.

 

Jedoch nicht für Beljaro, dessen Wut mit jeder verstreichenden Minute weiter anstieg. Indessen hatte einer der Diener den König informiert und dieser nickte nur, ehe er sich von seinen Ministern verabschiedete und so schnell es ihm möglich war, zu seinen Gemächern lief.

Er ahnte nichts Gutes - denn wenn der Barde es wirklich geschafft hatte und ihm den Kopf des Mondsohnes brachte, dann war sein einziger Erbe tot... oder es war nur ein Vorwand und er würde den Barden töten lassen müssen, da die Sonnenpriester sicherlich bald Wind davon bekamen.

 

Außerdem bereitete ihm die Kunde Sorge, daß der Barde einen Söldner bei sich hatte, der riesig und sichtbar stark war - und so furchteinflößend, daß der Diener beim Erzählen bleich wie ein Laken geworden war.

Also eine Gefahr, der sich Nintano durchaus bewußt war - und dennoch schickte er die Wachen weg, die vor seinen Gemächern Wache hielten, ehe er sichtbar zögernd die Türe öffnete, eintrat und auch die noch in seinen Gemächern stehende Wache wegschickte.

 

Elasai hatte in der Zwischenzeit zu tun gehabt, daß Bel die Wache nicht ansprang und tötete, und er fürchtete schon das Schlimmste. Und genau das traf ein - kaum hatte die Wache das Zimmer verlassen und der König war mit ihnen allein, knurrte Beljaro laut auf, riss sich den Umhang und die Armschienen ab und wandelte sich in seine eigentliche Gestalt.

 

“Bel, Nein!”

 

Der Naga ging sofort auf den König los, der sich vor einer Nebentür aufbaute und scheinbar versuchte, etwas zu schützen. Und genau das kam aus dem Zimmer, als Beljaro kurz davor war, den König zu packen.

 

“Elorian!”

 

Der Rothaarige schrie erschrocken auf. Sein Bruder und die Töchter des Königs waren eilig aus dem Zimmer gekommen, und bauten sich schützend vor Nintano auf. So stoppten sie den Naga, der urplötzlich innehielt und auf die Kinder blickte.

 

Denn wenn Beljaro eines nicht konnte, dann war es, ein Kind zu verletzen. Daß die vor Angst zitternden Mädchen und dieser rothaarige Junge, der niemand Anderes als der Bruder Elasais sein konnte, sich so schützend vor den König stellten, irritierte den Naga sichtbar und er knurrte laut, während er seinen Schlangenleib um sich ringelte und sie musterte. Es bestand kein Zweifel daran, daß diese Mädchen die Töchter des Königs waren - sie ähnelten ihm, und an ihnen allen haftete der Geruch des Königs.

 

Die Mädchen hatten Angst, das konnte Beljaro riechen... doch trotzdem stellten sie sich zwischen ihn und Nintano, der verzweifelt versuchte, sie hinter sich und damit in Sicherheit zu bringen.

 

“Elorian!”

 

Elasai rannte zu seinem Bruder und kniete sich zu ihm, und ihn gleich in seine Arme zu ziehen. Der sonst so stille Junge schimpfte aber über die Schulter des Bruders hinweg, und funkelte Beljaro an.

 

“Wag es nicht, den König anzufassen! Er ist ein guter Mensch und hat mich gleich, nachdem mein Bruder weggeschickt wurde, zu sich und hierher geholt.”

 

Die Worte des Jungen ließen Beljaro wieder laut aufknurren und er fauchte auf, fletschte die langen Giftfänge und versuchte ein weiteres Mal, vorzustoßen und den König zu packen, der es endlich geschafft hatte, sich vor seine Töchter zu stellen. Der weißhäutige Naga konnte nicht glauben, daß der Mann, der seine Mutter getötet hatte, gut wäre und schaffte es schließlich auch, ihn zu packen und seine Krallen tief in dessen Armmuskeln zu treiben.

 

Doch ehe er seine Fänge in dessen Hals schlagen konnte, hielt er erneut inne - denn auf den Lippen Nintanos lag ein schmerzhaftes Lächeln und Tränen schimmerten in dessen Augen, Tränen, die Beljaro nicht erwartet hätte.

 

“Bitte nicht!”

 

Elorian löste sich von seinem Bruder und versuchte, Bel von Nintano wegzuziehen.

 

“Er bereut doch, was er getan hat.”

 

Elasai berührte seinen Liebsten sanft und wisperte ein “Lass ihn doch sprechen.”, denn er sah deutlich das Leid in den Augen des Königs.

 

Die Wut in den Gesichtszügen des Nagas war so deutlich und tief wie nichts sonst - und er knurrte erneut aus tiefster Brust, als er den König direkt vor sein Gesicht zog und schließlich wieder zurückschleuderte und so seine Krallen löste. Erst jetzt löste er seinen großen Leib und ringelte ihn um sich und Elasai und dessen Bruder ein, verengte die Augen und antwortete schließlich auf die Worte des Barden.

 

"Bereut?!! Wie kann dieses Aas es bereuen, wenn er immer wieder Schergen schickte, die mich töten sollen?!! Er tötete meine Mutter so kaltblütig wie ein Sonnenpriester - und das nur, weil sie ihm unter Aufgabe ihres eigenen Lebens seinen Herzenswunsch erfüllen wollte!"

 

Nintano zuckte unter den Worten des großen Nagas zusammen und schloß für einen Moment die Augen - doch dann nickte er und blickte unerschrocken zu dem riesigen Naga, der so mächtig und bedrohlich vor ihm stand und wahrscheinlich kein Wort von dem glauben würde, das Nintano sagte. Daher trat die kleine Maria hinter ihrem Vater vor und lächelte scheu zu ihrem großen Halbbruder.

 

“Ich bin Maria.” wisperte sie, und wagte sich noch ein Stückchen vor. Dann löste sich auch Elorian von seinem Bruder und stellte sich neben Maria, die er sehr lieb gewonnen hatte.

 

“Die Priester wollten, daß er Männer schickt, um dich zu töten. Er tat es, um seine Töchter zu beschützen, und wenn er nicht bereuen würde, warum hat er dann all das hier aufgehoben ?”

 

Elorian, der sonst so still war, sprach ungewöhnlich offen und mit fester Stimme. Nintano wollte schon vor und seine kleine Tochter wieder hinter sich bringen, doch ein warnendes Knurren Beljaros sorgte dafür, daß er die Hand wieder zurücknahm.

Erst jetzt neigte der Naga sich vor und musterte die beiden Kinder mit tief in die Augen gezogenen Brauen, atmete durch die leicht geöffneten Lippen ein und nickte schließlich, da er riechen konnte, daß die Kinder es trotz ihrer Angst ernst meinten. Und das sorgte dafür, daß sein hartes Gesicht etwas weicher wurde, ehe er ein wenig leiser zu ihnen sprach.

 

"Maria... so hieß auch meine Mutter, die erste Königin, deren Bilder ihr hier sehen könnt. Ich weiß, daß die Priester meinen Tod wollen - doch weshalb sollten sie euch etwas antun? Ihr seid Prinzessinnen."

 

“Sie hätten uns schon längst verheiratet. Selbst die kleine Maria wollten sie schon versprechen.”

 

Die Älteste der Töchter sprach nun und blieb etwas abseits an der Zimmertür stehen.

 

“Sie hätten uns zu ihrem Vorteil verheiratet, und auch an viel ältere Männer. Vater verhinderte dies immer wieder und schützte uns, indem er tat, was die Priester sagten. Sie hätten ihn auch absetzen und mich anstatt ihn auf den Thron setzen können. Verheiratet mit einem Mann, der ihnen treu ist.”

 

Beljaro hörte ihr zu, ohne sie zu unterbrechen und schlang schließlich sein Schweifende vorsichtig um ihren Körper, um sie zu sich zu ziehen. Erst, als sie bei ihm stand, ließ er sie los und betrachtete die junge Frau, die leicht zitternd und dennoch festen Willens vor ihm stand. Sie alle sprachen die Wahrheit, das konnte der Naga hören und auch riechen... und die Worte dieser jungen Frau ergaben einen schrecklichen und sehr einleuchtenden Sinn.

 

"So viele Prinzessinnen... und noch nicht verheiratet? Keine einzige von euch?"

 

Nintano schüttelte leise seufzend den Kopf, ehe er liebevoll zu den Mädchen lächelte und antwortete.

 

"Nein, Beljaro. Die Sonnenpriester versuchten es schon oft, doch ich habe sie immer wieder zurückgewiesen. Denn es gibt einen Grund, weshalb sie mich nicht vom Thron werfen können: Ich gewinne die Kriege, die unser Land immer wieder bedrohen, und sichere ihnen damit ihre Einkünfte. Die Soldaten vertrauen mir - ohne mich wäre das Land schnell dem Untergang geweiht, und die Priester würden ihren Einfluß verlieren."

 

Die Stimme des Königs klang bitter, als er das sagte - und Beljaro betrachtete ihn nun zum ersten Mal etwas ruhiger und ohne den Zorn, der sonst immer sein Denken verschleierte. Auch für den Barden klangen die Worte einleuchtend und erschreckend, und er berührte Beljaro zärtlich am Arm.

 

“Vielleicht kannst du ihn weiter anhören? Ich vermute, schon damals waren die Priester so einflussreich, nicht wahr?”

 

Elasai blickte zum König und bemerkte nicht, daß Elorian etwas verblüfft kuckte. Sein großer Bruder ging sehr zärtlich mit Beljaro um, und der beruhigte sich zusehends durch diese kleinen Berührungen.

 

Und schließlich zog der Naga ihn eng an sich heran und atmete den Geruch Elasais ein, um sich noch weiter zu beruhigen. Es überraschte Nintano, daß der Naga das tat - doch dann erwachte ein Lächeln auf seinen Lippen und er nickte, ehe er den Naga ansprach.

 

"Ich hatte gehofft, daß du den Barden nicht tötest - aber ich hätte nicht damit gerechnet, daß er dein Herz stiehlt. Achte darauf und halte es in Ehren, damit du nie den gleichen Fehler wie ich begehst."

 

Beljaro knurrte kurz auf - doch dann verstummte er wieder und verengte für einen Moment die Augen.

 

"Du hast nichts dagegen?!"

 

Der König schüttelte nur den Kopf, ehe er die Arme liebevoll um seine Töchter legte und ihm leise antwortete.

 

"Nein, Beljaro. Wieso sollte ich, wenn er dich glücklich macht?"

 

Die Mädchen schmiegten sich auch gleich an ihren Vater - und Elorian lächelte, kam schließlich zu Beljaro und seinen Bruder und ließ sich von Elasai hochheben. Als er oben war, konnte er Bel auch mal direkt in die Augen sehen, und er musterte den Naga eingehend und prüfend, ehe er nickte und lächelte.

 

“Was wird jetzt geschehen?”

 

Die Frage brannte Elasai jedoch auf den Lippen, und er blickte wieder zum König. Dieser seufzte leise und strich sich kurz mit der Hand über das Gesicht, ehe er den Blick zu Beljaro hob und mit den Schultern zuckte.

 

"Ich weiß es nicht. Du bist gekommen, um mich zu töten, nicht wahr, Beljaro? Und um den Bruder des Barden zurückzuholen."

 

Der Naga grollte hart, doch dann nickte er und zog Elasai näher zu sich, und legte auch den Arm um dessen kleinen Bruder, um ihn schützend an sich zu ziehen. Nintano lächelte, als er das sah und blickte zu seinen Töchtern, die sich sichtbar beruhigten und nurmehr leicht bei dem Anblick des riesigen Nagas bebten.

 

"Das Problem ist, daß die Sonnenpriester nur darauf warten, daß du mich tötest, damit sie dich töten können, Beljaro. So stark du auch bist - gegen alle Soldaten hier im Schloß wirst auch du nicht gewinnen können, vor allem, wenn sie ihre Zauber gegen dich wirken. Und... ich weiß, auch wenn es jetzt zu spät ist, das zu sagen... ich möchte dich kennenlernen, Beljaro, denn du bist das Einzige, das mir von Maria geblieben ist."

 

Bei den letzten Worten knirschte der Weißhäutige mit seinen langen Zähnen und fauchte schließlich laut - denn sie rissen erneut an den Narben, die sein Innerstes bedeckten. Doch selbst er konnte nicht leugnen, daß kein Haß in der Stimme oder den Augen des Königs lag und so unterband er mühsam das Verlangen, den älteren Menschen zu zerfleischen.

 

"Ich kann dir nicht sagen, was wir tun sollen - mein Göttervater sagte, daß sich alles regeln würde, wenngleich er nicht deutlich wurde. Ich weiß, daß er nichts genaues sagen darf... doch ich werde das Gefühl nicht los, daß er wollte, daß ich hier bin und daß ich dich nicht töte."

 

“Ähm...”

 

Maria trat ein Stückchen vor, und blickte zu ihrem Halbbruder auf.

 

“Heute soll etwas passieren, ich habe beim Unterricht die Priester wispern hören. Sie sind beunruhigt, da der Mondgott heute den Sonnengott verdeckt. Sie beten Heute schon den ganzen Tag, damit es nicht passiert.”

 

"Was?!"

 

König Nintano blickte sichtbar verwirrt auf seine kleine Tochter und Beljaro knurrte dunkel, ehe er langsam nickte.

 

"Nun bekommt alles einen Sinn - mein Göttervater sagte, daß sich alles wieder zum Guten wenden würde. Aber was die dummen Priester sagen, stimmt nicht... mein Vater verdeckt den Sonnengott nicht, sondern es ist eine der wenigen Möglichkeiten, an denen der Sonnengott zu euch Menschen kommen kann, und nur dann können sie es zusammen."

 

Und das wiederum ließ Nintano erschrocken zu dem Naga blicken, ehe er Maria wieder fragte.

 

"Weißt du auch, wann das passieren soll? Auch mir fiel auf, daß diese dummen Priester sich Heute noch nicht blicken ließen und mich noch nicht nervten."

 

“Zur Mittagszeit, wenn der Sonnengott am Höchsten steht.”

 

Maria hatte viel gehört und lächelte stolz.

 

“Also wird es nicht mehr lange dauern.”

 

Elasai wirkte erleichtert, denn es hieß, daß sie wirklich Hilfe von den Göttern bekommen würden. Und daß sie bis dahin vor den Sonnenpriestern sicher waren.

 

“Vielleicht setzen wir uns hin.” warf Elorian ein, der sich etwas unwohl fühlte, weil alle herumstanden.

 

Beljaro nickte nur auf die Worte des Jungen, ehe er langsam seinen Griff um Elasai und dessen Bruder löste. Er war noch immer viel zu aufgewühlt, um sich hinzusetzen und schlängelte zum Fenster, um sich dort einzuringeln und eine der feinen Stickarbeiten aufzunehmen, die seine Mutter gefertigt hatte.

In der Zwischenzeit hatte Nintano seine Töchter wieder in das nebenan liegende Gemach geschickt und als er zurückkam, sah er Beljaro und seufzte leise, ehe er zu Elasai ging und ihn kurz anlächelte.

 

"Ich bin froh, daß ihr euch mögt... ich hatte gehofft, daß er dich nicht tötet."

 

“Das habe ich auch... ich danke euch, daß ihr mir und meinem Bruder so das Leben gerettet habt. Auch wenn ich es anfangs nicht sehen wollte - ich dachte, ihr schickt mich in den sicheren Tod.”

 

Der Barde lächelte, als er sah, daß sein Bruder zu Beljaro ging, um ihn nun eingehend zu mustern, und der Junge berührte vorsichtig den schuppigen Schweif, während der Naga noch immer die fein gestickten Muster auf dem Tuch betrachtete.

 

Die Muskeln unter den Schuppen zuckten kurz bei der ungewohnten Berührung und Beljaro drehte den Kopf, um den ihn berührenden Jungen zu betrachten. Elorian sah seinem Bruder sehr ähnlich - und doch gab es geringe Unterschiede, die ihn leicht lächeln ließen. Der Naga merkte, daß Elorian nur neugierig war und wandte sich wieder der Stickerei zu, die so fein und zerbrechlich in seinen großen Händen lag.

 

Er konnte nach all der langen Zeit noch immer den Geruch seiner Mutter wahrnehmen - selbst wenn es fast nur erahnbar war, seine feinen Sinne nahmen ihn wahr und für einen Moment wurde das Gesicht des Nagas dunkler und abwesender, als er an sie dachte. Elasai beobachtete dies und überlegte einen Moment.

 

“Habt ihr noch etwas Persönliches von der Königin? Ich bin sicher, er würde sich darüber freuen.”

 

Er sprach den König wieder an und hoffte, daß er nicht zu unverschämt gewesen war. Das war er jedoch nicht, denn auch der König sah mit schwerem Herzen, wie sehr Beljaro seine Mutter zu lieben schien, auch wenn er sie niemals gekannt hatte.

Nintano zögerte einen Moment - doch dann ging er zu dem kleinen Nachttischchen und öffnete die schmale Schublade, nahm von dort etwas heraus und kam zögerlich zu dem Naga, der im ersten Moment leicht knurrte, jedoch gleich wieder verstummte.

 

"Was willst du?"

 

Der ältere Mann seufzte leise und lächelte schließlich wehmütig, ehe er seine Hand öffnete und das, was darin lag, in die größere Hand des Nagas legte.

 

"Ich habe es wie die anderen Dinge hier aufbewahrt und vor den Priestern und den Frauen geschützt, die ich heiraten mußte... und ich denke, sie hätte gewollt, daß du es bekommst."

 

Beljaro zögerte, doch dann nahm er das kleine Medaillon an und öffnete es vorsichtig, ehe er leise keuchte und die Augen schloß, als er sacht daran roch. Denn in dem Anhänger war nicht nur ein Bild, sondern auch eine Haarlocke der Königin - und an ihr haftete auch noch schwach ihr Geruch. Elasai lächelte und kam zu seinem Geliebten, um ihn zärtlich zu berühren.

 

“Siehst du, er liebt sie noch immer. Sonst hätte er all das nicht aufgehoben.”

 

Beljaro schloß das Medaillon so behutsam, als wäre es ein rohes, zerbrechliches Ei und barg es schließlich in seiner rechten Hand, ehe er zuerst zu Elasai und dann zu seinem Vater blickte, der ein wenig zurückgetreten war und bei den Worten des Barden schmerzhaft schluckte.

 

"Das mag sein - doch er hat sie trotzdem getötet, mein Schmuckstück."

 

Die Worte des Nagas waren noch immer so hart und kalt wie seine Augen... doch zumindest war die Wut und der Zorn in ihm schon merklich zurückgegangen.

 

"Ich weiß, Beljaro - und ich verfluche mich einen jeden Tag aufs Neue, daß ich damals so jung, dumm und blind gewesen bin. Ich suche keine Vergebung bei dir, da ich weiß, daß ich sie nicht verdiene - doch ich möchte dir erklären, weshalb ich damals so handelte, wenn du mich läßt?"

 

Man sah Beljaro an, wie sehr es ihm widerstrebte... doch andererseits wollte er endlich wissen, wieso Nintano es getan hatte und holte ihn mit seinem Schweif näher, ehe er Elorian mit einem harten Blick in das Nebenzimmer schob, da dies nichts für die Ohren des jungen Bruders war.

Elasai hingegen berührte seinen Geliebten zärtlich, damit er ruhig blieb, und nickte kurz zu dem Fell vor dem Kamin.

 

“Wir setzen uns am Besten dorthin.”

 

Er wollte lieber sitzen und Bel bei sich haben, so konnte er ihn besser beruhigen.

 

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Kapitel 13

 

 

Der Naga nickte nur und hob den Barden hoch, ehe er zu dem Fell glitt und sich dort einringelte, auf eine der Windungen lehnte und Elasai eng an sich hielt. Nintano schmunzelte bei diesem Anblick und kam näher, ehe er sich auf eines der großen Kissen setzte und leise seufzte.

 

"Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll... ich war damals noch so jung, gerade eben erwachsen geworden. Nur kurze Zeit zuvor fiel mein Vater in einem der Kriege, die unser Land immer wieder heimsuchten - und ich mußte die Krone viel zu früh übernehmen, auch wenn ich es noch nicht wollte.

Aber ich mußte es... und die Sonnenpriester redeten dauernd auf mich ein, daß ich heiraten sollte, damit ich einen Nachfolger hätte, falls auch ich in den Kriegen fallen sollte. Ich habe mich zumindest damit durchgesetzt, daß ich mir selbst eine Frau suchen konnte... und ich fand deine Mutter, Maria, die zu dem Zeitpunkt von vielen Königen und Prinzen umworben wurde.

 

Sie war so wunderschön und sanft... ich habe mich von Anfang an in sie verliebt und hoffte während der ganzen Zeit meiner Werbung, daß sie mich erwählen würde. Als sie es wirklich tat, dachte ich, daß für immer die Sonne in meinem Leben scheinen würde - ich weiß, es ist für dich ein schrecklicher Vergleich, doch sie brachte so viel Licht in mein bisher dunkles Leben.

 

All die Verantwortung und das, was die Priester von mir erwarteten, verdunkelte mein Innerstes - doch immer wenn ich Maria sah, wußte ich, weshalb ich all das auf mich nahm... sie war der Lichtstrahl in meinem Leben."

 

Beljaro knurrte leise, als er das hörte... denn er konnte es zumindest ein wenig nachfühlen, da selbst er wußte, wieviel Verantwortung ein guter und gerechter König tragen mußte. Nintano wußte, daß das Knurren nicht ihm galt und nickte kurz, ehe er schließlich weiterredete.

 

"Als die Zeit verstrich und sie kein Kind empfing, begannen die Priester, immer wieder auf mich einzureden, und nach und nach begann selbst der Hofstaat, hinter meinem Rücken zu tratschen und die Worte der Priester zu glauben. Die Priester redeten darüber, daß der Sonnengott unsere Liebe nicht guthieß und daß das ein Fluch war... daß nur deshalb so viele Soldaten fielen und auch, daß ich nicht fähig sei, ein Kind zu zeugen.

 

Ich hielt es durch und versuchte, nicht auf sie zu hören - doch das Gift der Priester faßte Fuß und fing an, mein Innerstes langsam zu vergiften. Als deine Mutter mir sagte, daß sie endlich ein Kind unter dem Herzen trug, war ich so glücklich - doch es nagte immer an mir, daß es so plötzlich war und die Priester warnten mich, daß sie vielleicht einen Liebhaber hätte.

 

Ein Gedanke, der mein Innerstes zerfraß und meine Liebe trübte, auch wenn ich mir nichts anmerken ließ. Als du dann geboren wurdest, dachte ich, daß ich vor Schmerz zerbrechen müßte - denn ich dachte, daß die Priester wirklich recht hatten und du nicht mein Sohn wärst, daß deine weiße Haut ein Zeichen dafür war, daß sie bei einem anderen Mann gelegen hätte.

 

Sie versuchte, es zu erklären... doch ich hörte nicht auf sie und in meiner Wut habe ich sie getötet. Ich habe es gar nicht bemerkt - ich wußte nur, daß ich dich zu dem Mondgott bringen mußte, da ich dachte, daß er bei Maria gelegen hätte. Die Priester verurteilten immer, daß er für die Fruchtbarkeit steht und sagen, daß er sich immer wieder Frauen und Männer sucht, um mit ihnen zu schlafen."

 

Als Bel das hörte, fauchte er laut auf und schlug seine harten, saphirblauen Krallen in den Stein des Kamins und zerbröckelte ihn zwischen seinen Fingern, ehe er sich langsam wieder beruhigte und zu seinem Menschenvater nickte, damit dieser fortfahren konnte.

 

"Als der Mondgott mir erzählte, wie es wirklich war, konnte ich es nicht glauben und verleugnete dich - und deshalb nahm er dich als seinen Sohn an und weckte sein Erbe in dir, machte dich so zu seinem Sohn. Ich ritt wieder zurück, und als ich wieder in mein Gemach trat, traf mich die Größe meines Verbrechens wie ein Schlag mit einem Amboß. Mein Innerstes schien vor Schmerz zu zerbrechen, als ich Maria in meinen Armen barg und ich flehte den Sonnengott an, sie wieder zum Leben zu erwecken und stattdessen mein Leben zu nehmen.

 

Doch er hörte mich nicht... er hört nie, es ist fast so, als ob er uns Menschen vergessen hätte. Der Rest der Geschichte ist einfach - ich fügte mich den Worten der Priester und versuchte, so gerecht ich es vermochte, zu herrschen. Ich zeigte allen nur die Kälte, die in mir erwachte, wenn die Sonnenpriester mit mir sprachen... und nach einem Jahr mußte ich eine andere Frau heiraten, die mir die ersten meiner Töchter schenkte. Ich liebte diese Frauen nicht - keine der Frauen, die ich heiraten mußte. Doch meine Kinder liebe ich, sie sind alles, das ich habe und ich habe sie immer vor den Priestern beschützt."

 

Den Barden rührten die Worte sehr, denn er hatte es fast geahnt und streichelte unbewusst über den Arm seines Geliebten.

 

“Einfluss von außen kann sehr viel bewirken... gerade, wenn man jung und allein ist. Gutes und schlechtes, und die Priester sind schlecht.”

 

Beljaro nickte nur und genoß für einen Moment die zärtliche Berührung, während er den König eingehender betrachtete. Dessen Worte hatte er eigentlich nur am Rande gehört... seine Aufmerksamkeit hatte mehr dessen Gefühlen und dem Körper gegolten, um herauszufinden, ob Nintano die Wahrheit sprach oder log.

Doch Nintano hatte nicht einen Moment lang die Angst empfunden, die ein Lügner spürte - und der Naga fühlte ein wenig Verwunderung, daß sein Zorn sich fast gelegt hatte und er beinahe so etwas wie Verständnis für seinen Menschenvater empfinden konnte. Etwas, von dem er niemals gedacht hatte, daß es passieren könnte - und so grollte er nur ein wenig und nickte erneut, ehe er leise fragte.

 

"Du liebst deine Kinder, nicht wahr?"

 

Nintano überraschte die Frage - doch dann nickte er und setzte noch ein "Und mein Land." dazu, ehe er wieder verstummte und den Naga weiterreden ließ.

 

"Die Priester sind wahrlich schlecht - und wenn ich meinen Göttervater richtig verstanden habe, dann werden sie Heute die Strafe dafür erfahren. Doch das wiederum heißt, daß nun alle Verantwortung auf dir liegen wird, Nintano - wirst du sie übernehmen können?"

 

Dieser nickte nur und strich sich über das Gesicht, ehe er leicht mit den Schultern zuckte und hart lächelte.

 

"Natürlich - mein Leben lang habe ich nichts anderes getan. Allerdings würde es mir leichter fallen, wenn ich dich an meiner Seite wüßte, Beljaro... nicht nur, weil du der stärkste Krieger in allen Ländern bist, sondern mein Sohn. Mein einziger Sohn, und mein Erbe."

 

In dem Moment öffnete sich die Tür und die Töchter, wie auch Elorian, kamen ins Zimmer gestürmt und stürzten sich auf den Naga.

 

“Bitte bleib hier... wir haben uns immer einen großen Bruder gewünscht.”

 

Maria plapperte los, und auch die Anderen stimmten mit ein. Elasai lachte bei den Anblick, denn er hatte Bel noch nie so überrascht erlebt.

 

Das war dieser wirklich - und mehr als das, denn noch nie in seinem Leben gab es so viele Menschen, die ihn mochten und bei sich haben wollten. Es war so ungewohnt, all die Kinder und jungen Frauen und auch den jungen Bruder Elasais zu fühlen, die ihn umarmten und mit bittenden Augen ansahen.

 

Nintano lachte leise bei dem Anblick, schüttelte noch immer lächelnd den Kopf und wisperte ein sanftes "Glaub mir, du hast keine Chance gegen sie - wenn sie etwas wollen, bekommen sie es auch.", das Beljaro zum Schmunzeln brachte, da er die Wahrheit dieser Worte in sich spüren konnte.

 

"Es liegt alles bei meinem Göttervater und dessem Gefährten... wenn sie es gutheißen, werde ich hierbleiben."

 

Die kleine Gesellschaft wurde aber getrübt, denn draußen hörte man entsetzte Schreie und Elasai ging rasch zum Fenster, um nachzusehen. Einige die Priester waren auf dem Hof und blickten durch angerusstes Glas hinauf zur Sonne.

 

“Ich glaube, es fängt an.” wisperte der Rothaarige und blickte durch den bunten oberen Teil des Fensters. Man konnte sehen, wie ein Stück der Sonne leicht verdeckt war.

 

“Ja, es geht los.”

 

Beljaro richtete sich mit einem lauter werdenden Knurren auf und löste sich von den jungen Prinzessinnen, kam ebenso zum Fenster und blickte in den Himmel, der sich langsam verdunkelte, als der Mond sich immer mehr vor die Sonne schob. Der große Naga fühlte die Macht seines Göttervaters und die noch größere Macht des Sonnengottes - und schließlich zerschlug er das Fenster, warf den Kopf zurück und brüllte all seinen Schmerz und seine Wut heraus, während der Himmel sich langsam verdunkelte, und ein heftiger Sturm sich erhob und sein Donnern mit dem Brüllen des Nagas mischte.

 

Und Momente später war die Sonne ganz verdeckt und es schien so, daß sich der feurige Rand, der nur noch hinter dem Mond zu sehen war, langsam löste und wie eine Schlange vom Himmel hinabglitt.

 

Und das Feuer wurde auch wirklich zu einer Art Schlange - es wurde zu einem riesigen Feuernaga, der schließlich über dem Schloss schwebend innehielt und laut aufbrüllte, so daß die Erde leicht dabei bebte und man es fast im ganzen Land hören konnte. Die Menschen, die eben noch geschrien hatten, waren nun alle still. Eine beklemmende Stille, die wohl beabsichtigt war.

 

Bei dem antwortenden Brüllen war Beljaro verstummt und neigte respektvoll seinen Kopf, ehe er wieder aufblickte und ein Lächeln auf seinen Lippen erwachte, als sich aus der Schwärze des Mondes ein heller Nebelschweif löste. Der Nebelschweif glitt nun ebenfalls herab und wurde langsam zu einem weißhäutigen Naga, der sich ein wenig um den Feuernaga schlang und schließlich in dessen Arme schmiegte. Auch wenn der Mondgott einen Kopf kleiner und ein wenig schlanker als der Sonnengott war, so besaß auch er eine ehrfurchtgebietende Größe - doch in seinen Zügen lag sichtbare Sanftheit und Liebe, als er bewundernd zu seinem zornigen Gefährten aufblickte.

 

Ebenso bewundernd wurden sie von Elasai und Elorian angesehen. Unten auf dem Hof trauten sich die ersten Priester hinaus, und auch der Hohepriester wagte sich endlich hervor und warf sich sogleich vor dem Sonnengott auf den Boden.

Daß der Mondgott bei ihm war, irritierte wohl alle sehr, aber sie ließen es sich nicht anmerken. Die verbotenen Legenden schienen wahr zu sein, und gerade das beunruhigte alle Priester sehr.

 

“Hoher Herr!”

 

Der Hohepriester grüßte den Sonnengott, doch ehe er noch mehr sagen konnte, wurde er von dessen lauter Stimme unterbrochen.

 

“Schweig!” donnerte der Sonnengott, und grollte wütend. “Wagt es nicht, auch nur ein Wort an mich zu richten. Ich habe euch vertraut, und ihr habt dieses Vertrauen schändlich missbraucht!”

 

Als die Priester unter der donnernden Stimme des sichtbar vor Zorn flammenden Gottes erzitterten, huschte ein hartes Lächeln über die Lippen Beljaros, ehe er zu seinem Göttervater blickte, dessen sanfte, nachtblaue Augen über die vor Angst bebenden Menschen glitten.

 

"All die Jahrhunderte wurde der Glaube an mich, den Mondgott und meinen Gefährten, den Sonnengott, getrennt... und schließlich verboten die Sonnenpriester es sogar, daß man mich hier anbetet.

Sie folterten und töteten die Menschen, die sich weigerten, ihren alten Glauben aufzugeben... und sie sorgten sogar dafür, daß die Menschen vergaßen, daß wir seit Anbeginn des Lebens zusammengehören und Gefährten sind."

 

In der Stimme des Mondgottes lag die Traurigkeit, die man auch in seinen Zügen sah - Traurigkeit und Mitleid, Gefühle, die so gegensätzlich zu der flammenden Wut und Stärke des Sonnengottes wirkten.

 

Im ganzen Land waren beide Stimmen zu hören und die Menschen kamen langsam aus ihren Häusern. Und die, die dicht genug an der Burg waren, konnten die Götter sehen und fielen auf die Knie.

 

“Und daher werde ich ein Exempel statuieren, das bis über die Grenzen dieses Landes hinausgetragen werden soll!”

 

Der Sonnengott sprach wieder weiter und hob die Hand - und noch im gleichen Moment schrie der Hohepriester auf und verbrannte von innen heraus zu Asche. Ein Moment, der allen Priestern klarmachte, daß sie sterben würden ... doch es ging zu schnell und bevor sie es wirklich begreifen konnten, gingen fast alle in Flammen auf und verbrannten zu Asche.

Nur wenige der Kämpfer blieben, da der Sonnengott einen Widerstand gegen das Tun der Priester in ihnen gefühlt hatte und sie so verschonte. Und wie zuvor, ergriff nun wieder der Mondgott das Wort und zeigte damit, daß sie wahrhaft zusammengehörten und gleichwertige Gefährten waren.

 

"Die Sonnenpriester erfuhren überall in den Ländern ihre gerechte Strafe - nur einige der Sonnenkrieger leben, da sie die Worte der Priester anzweifelten und ihr Herz ihrem Gott und nicht dem Gold zuwandten.

Von diesem Tage an werden wir keine getrennten Priester mehr haben - denn so, wie der Mond nicht ohne die Sonne sein kann, kann auch ich nicht ohne meinen Gefährten sein. Die ehemaligen Priester des Mondes sind von nun an die Priester der schwarzen Sonne... denn sie ist das Symbol unserer Einigkeit."

 

Nicht nur die Menschen überall im Land und den Ländern darum atmeten erschrocken bei dieser Neuigkeit ein - auch König Nintano tat es, während Beljaro zufrieden lächelte, da sich die Worte seines Göttervaters bewahrheiteten. Denn nun würde sich wirklich alles zum Guten wenden... nun, da die Gefahr der macht- und goldgierigen Sonnenpriester gebannt war.

 

Elasai war sehr froh, daß es nun so war, denn es würde in diesem Land viel ändern. Der Anblick der beiden Götter war wundervoll und er erschrak leicht, als er sah, wie der Sonnengott genau auf ihn herabblickte und lächelte. Dann wisperte er dem Mondgott ein sachtes “Er trägt mein Blut in sich.” zu, was kein Anderer hören konnte.

 

Der weißhäutige Nagagott schmunzelte leise bei den Worten und nickte, ehe er einen zärtlichen Kuß auf die goldene, heiße Haut des Feuernagas hauchte.

 

"Ich weiß, mein Herrlicher... ich habe es schon gerochen, als ich ihn das erste Mal sah. Es ist schwach, doch es ruft nach dem Innersten meines Sohnes, so wie dein Blut schon immer nach mir rief."

 

Der Mondgott freute sich sichtbar für Beljaro und lächelte nun zu ihm, ehe er den Blick auf Elasai richtete und auch ihn zärtlich anlächelte.

 

“So, wir haben noch ein wenig zu bereden... lass uns zu ihnen gehen.”

 

Der Sonnengott grollte einen Moment weich und sank langsam tiefer, wobei er deutlich kleiner wurde.

 

“Ich erwarte euch im Thronsaal.” sprach er zum König und wurde zu einem Feuerband, das in die Burg floss, und erst im Thronsaal wurde das Feuer wieder zu dem Nagakörper.

 

Der Mondgott folgte als Nebelschweif und formte sich im Thronsaal ebenfalls zu einem Naga, der so wie der Sonnengott noch immer so groß war, daß sie gerade gut in die große Halle paßten. Währenddessen blickte Nintano zu seinem Sohn und dieser seufzte, ehe er Elasai wieder losließ und seinen Kampfspeer aufnahm.

 

"Geh vor... Vater... du weißt den Weg."

 

Es fiel dem Naga sichtbar schwer, Nintano so zu nennen - doch er rang sich dennoch dazu durch und das überraschte und dankbare Lächeln des älteren Mannes zeigte ihm, daß es richtig war.

Einige kurze Worte genügten, daß die Prinzessinnen und Elasais Bruder weiterhin in den Gemächern blieben - dann ging Nintano vor und Beljaro folgte mit seinem Gefährten, bis sie im Thronsaal ankamen und der König beim Anblick seines völlig verängstigten Hofstaates aufschnaubte und sich tief vor den beiden Göttern verneigte.

 

"Ich grüße euch, hohe Götter... bitte verzeiht die Respektlosigkeit der Sonnenpriester und das ängstliche Gebrabbel meiner unfähigen Berater. Es ist mir eine Ehre, daß ihr mir die Gunst gewährt, in meinem Thronsaal zu erscheinen und ich entbiete euch meine Dienste, hohe Götter."

 

“Ich grüße dich, Nintano. Ich sehe mit Wohlwollen, daß du es geschafft hast, dich größtenteils von den gedankenvergiftenden Reden der Priester abzukapseln. Auch wenn nicht ganz, wie ich erfahren habe.”

 

Der Sonnengott meinte den Tod von Maria - aber er verzieh, da er wusste, was passiert war, und unter welchen Umständen.

 

“Es gibt Einiges zu klären - vor allem die Herrschaft. Ich glaube, du, König Nintano, brauchst einen Nachfolger.”

 

Das wußte dieser - und er wußte auch, daß der Sonnengott den Tod seiner geliebten Frau meinte und ebenso, was dieser mit seinen letzten Worten sagen wollte.

 

"Glaubt mir, hoher Gott - es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht wegen dieses Fehlers gräme. Und wegen der Frage einer Nachfolge... ich könnte mir keinen besseren Sohn und Nachfolger denken als den mächtigsten Krieger, den es unter uns Menschen gibt: Beljaro, der auch der Sohn eures Gefährten ist."

 

Der Hofstaat war außer sich - es gab Aufschreie und erschrockenes Einatmen, doch es verstummte sofort, als der junge Naga wütend knurrte und langsam seinen Kampfspeer senkte.

 

“So sehe ich das auch.” erwiderte der Sonnengott und wandte sich an Beljaro.

 

“Würdest du für einige Zeit den Thron besteigen wollen? Bis deine älteste Halbschwester einen Mann gefunden hat, der ihr würdig ist. Das Land braucht jetzt eine Neuerung und ich denke, du bist wahrlich am Besten dafür geignet. Beraten von deinem Vater.”

 

Der Vorschlag kam nicht unerwartet - und er hatte vieles für sich, wenngleich er nicht unbedingt die Zustimmung Beljaros traf. Er dachte einen Moment darüber nach, ehe er leicht den Kopf schüttelte und nach vorne zu den beiden Gottheiten schlängelte, kurz respektvoll den Kopf schenkte und schließlich ernst zu dem Sonnengott aufblickte.

 

"Diese Möglichkeit ist sehr gut - doch ich möchte gerne eine andere wählen. Ich möchte, daß Vater auf seinem Thron bleibt, so wie es in der Zukunft der Sohn seiner ältesten Tochter tun wird. Ich will dafür sorgen, daß die Kriege gewonnen werden - und ich will dem Thron solange ein Leibwächter sein, wie ich gebraucht werde."

 

Auch wenn es nur kurze Zeit schien, daß der junge Naga sich zu dieser Entscheidung durchgerungen hatte... sie war wohldurchdacht und er wollte nicht, daß das Land sich spaltete, weil der Thron nicht von einem anerkannten Nachkommen des Königshauses besetzt wurde und ein innerer Krieg noch mehr Leben forderte. Der Sonnengott lächelte bei den Worten des jungen Nagas und nickte einen Moment später.

 

“Eine weise Entscheidung, Beljaro.”

 

So war es besser und es zeigte, daß der Sohn seines Gefährten ein kluger Kopf war, den er wohl auch von seinem menschlichen Vater hatte.

 

“Nintano, du hast jetzt endlich freie Hand. Ich denke, das Regieren wird dir nun wieder leichter fallen... so etwas wie mit meinen Anhängern wird nie wieder geschehen, da mein Gefährte ein Auge auf die Priester der schwarzen Sonne werfen kann, wenn ich nicht da bin.”

 

Die Worte des Feuernagas ließen den Mondgott zärtlich und bewundernd auflächeln und er schmiegte sich noch ein wenig mehr in dessen starke Arme.

 

"Das stimmt... ich werde darauf achten, junger König."

 

Nintano stutzte einen Moment, ehe er leise schmunzelnd den Kopf schüttelte. Sicherlich war er für den unsterblichen Gott nur ein kleines Kind - doch für einen Menschen hatte er schon ein gutes Alter erreicht, auch wenn er noch immer die volle Kraft seines Körpers besaß.

 

"Ich danke euch, hohe Götter... es wurde Zeit, daß sich das endlich ändert, die Herrschaft der Sonnenpriester sähte nurmehr Furcht und Haß unter den Menschen. Ich hoffe, daß die kommende Zeit eine Zeit der Hoffnung und des Friedens werden wird, dieses Land lebte schon viel zu lange unter der Geißel der Kriege."

 

“Dafür wird gesorgt werden.”

 

Der Sonnengott war zuversichtlich, und durch Beljaro würde sich vieles ändern.

 

“Meine Zeit verrinnt, ich werde nun wieder gehen müssen.”

 

Es tat dem Sonnengott sichtlich leid, jedoch lächelte er noch einen Moment zu Elasai und küsste ihn zärtlich auf die Stirn.

 

“Gib gut auf ihn acht, Beljaro.”

 

"Das werde ich - mit meinem Leben, wenn es sein muß."

 

Nach den Worten Beljaros neigte auch der Mondgott sich nun herab und küßte sowohl Beljaro, wie auch Elasai und schließlich Nintano auf die Stirn, ehe er sich wieder erhob und an seinen Gefährten schmiegte.

 

"Es ist Zeit, mein Liebster - und es ist gut, daß wir hier waren."

 

Dann begann er, wieder zu Nebel zu zerfließen und für einen Moment um den Sonnengott zu wabern, ehe dieser wieder zu Feuer wurde und die Dunkelheit der Sonnenfinsternis wieder dem Licht des Tages wich und beide Lohen in den Himmel stiegen und schließlich verblaßten.

 

Als es wieder hell war, stand der Barde noch immer da und berührte seine Stirn, denn es war ein seltsames Gefühl durch seinen Körper gerieselt, als der Sonnengott ihn dort geküsst hatte. Was es war, konnte er nicht sagen, und das Gefühl war nun auch schon wieder verschwunden.

 

Beljaro hatte das Schauern Elasais wohl gemerkt, doch im Moment verdrängte er den Gedanken wieder, da mit dem wiederkehrenden Tageslicht auch die Menschen im Thronsaal wie aufgeregte Hühner durcheinanderschnatterten.

 

Und das in einer wachsenden Lautstärke, die dem weißhäutigen Naga langsam in den Ohren schmerzte, so daß er schließlich ein lautes "RUHE!!!" brüllte.

 

Sogleich war alles still - denn sie begriffen, daß der Gott persönlich entschieden hatte, daß es so gemacht wurde. Sie hatten es alle zu akzeptieren und hofften, daß es besser wurde, als zuvor. Nur das Umgewöhnen würde dauern, und jeder hatte Angst um seinen Posten. Eine durchaus berechtigte Angst, denn nun konnte Nintano endlich die Neuerungen durchsetzen, die er schon immer haben wollte.

 

"Beljaro hat Recht - ich will hier endlich Ruhe haben! Und da ich nun endlich nicht mehr auf die Sonnenpriester hören muß, werde ich hier einige Neuerungen durchsetzen. Nun - fangen wir mit den Posten der Minister an!"

 

Während er sprach, setzte der König sich auf seinen Thron und nickte dankbar zu dem Naga, als dieser sich neben ihm einrollte und seinen Speer ein wenig senkte, um die Minister in Schach zu halten.

Die Wachen indes verschlossen die Türe auf einen Wink des Königs, ehe dieser mit einem kalten Lächeln damit begann, die Minister zu entlassen, die von den Sonnenpriestern vorgeschlagen wurden und durch solche Männer zu ersetzen, die er für fähiger und würdiger hielt.

 

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Kapitel 14

 

 

Einige Jahrzehnte in der Zukunft ...

 

“Das Ganze machte sehr viel Wirbel, jedoch nur unter denen, die durch die Sonnenpriester gefördert und vorgeschlagen worden waren. Danach wurde es ruhiger, und der Glaube der schwarzen Sonne setzte sich rasch überall im Land durch. All die Neuerungen sorgten auch dafür, daß nun Handel und nicht Krieg mit den benachbarten Ländern geführt wurde.”

 

Elasai saß am Brunnen der Stadt und lächelte sacht zu den Kindern. Noch immer erzählte er gern diese Geschichte, die ihn mit seinen Gefährten zusammengebracht hatte.

 

“Und ehe ihr fragt, liebe Kinder... die älteste Prinzessin heiratete, und als ihr Sohn alt genug war, den Thron zu besteigen, dankte Nintano ab. Elorian heiratete Maria, und sie gebar ihm viele Kinder, die auch wieder Kinder hatten.”

 

Elasai selbst hatte den Tod Nintanos und den Tod seines Bruders miterlebt und war bei ihnen gewesen. Es war eine traurige Zeit, die er ohne viel zu altern überlebte, da der Kuss des Sonnengottes etwas in ihm erweckt hatte.

Und doch wusste er, daß sein Bruder ein glückliches und erfülltes Leben gehabt hatte, und er selber war da, um diese Geschichte und viele andere über die Zeit hinweg zu bewahren. Wohlbeschützt von seinem Gefährten, der wie immer abseits saß und auf ihn aufpasste.

 

Die Worte des noch immer jungen Barden ließen Beljaro zärtlich lächeln, auch wenn man es unter der großen Kapuze nicht sehen konnte. Wie immer, wenn sie unter den Menschen waren, hatte der Naga sich vermummt, damit die Menschen keine Angst hatten und blieb beschützend in der Nähe Elasais, setzte sich ein wenig abseits und hörte dessen wundervoller Stimme zu. Und wenn dessen Vorstellung zu Ende war, so wie jetzt, dann stand er auf und ging zu seinem Gefährten, schlang seinen Arm um dessen Schultern und neigte sich zu ihm, um ihn zärtlich zu küssen.

 

"Gehen wir, mein Schmuckstück..."

 

“Gern, Belan.” wisperte der Rothaarige und lächelte warm und liebevoll, ehe er den Arm seines Liebsten fühlte, der sich um ihn legte.

 

Sie gingen langsam aus der Stadt, um zu ihrem Dornenberg und der Höhle zurückzukehren. Ein Weg, den sie schon sehr oft in den vergangenen Jahrzehnten gegangen waren und dennoch war es ein jedes Mal wieder interessant, was sich so alles verändert hatte. Mittlerweile gewöhnte sich Beljaro an die Menschen und auch die schon so lange andauernde Gegenwart des rothaarigen Barden sorgte dafür, daß der Naga viel ruhiger war und die anfangs immer vorhandene Wut sich schon lange nicht mehr zeigte.

 

Eine Tatsache, über die Elasai sehr froh war, und so gern er auch in die Stadt ging, um dort zu singen und zu erzählen, er liebte es, bei seinem Gefährten und auf ihrem Berg zu sein.

 

“Bist du glücklich, Bel?”

 

Die Frage stellte er ihm oft, und jedes Mal mit einem warmen Lächeln auf den Lippen.

 

"Natürlich, mein Schmuckstück - und mit einem jeden Jahr, in dem du bei mir bist, noch ein wenig mehr. Es ist nur schade, daß du dich hier bei den Menschen nicht in deiner vollen Schönheit zeigen kannst... ich weiß, es ist gefährlich, so viel Schmuck zu tragen, doch manchmal wünsche ich mir, daß sie alle sehen können, wie wunderschön du bist, mein Schmuckstück."

 

Mittlerweile hatten sie die Stadt hinter sich gelassen und so konnte Beljaro auch ein wenig offener sein und über diese Dinge reden - wären sie noch in der Stadt oder würden in der Nähe anderer Menschen sein, hätte er es sicherlich nicht getan.

 

“Ich will aber nicht, daß mich alle so sehen. Ich weiß, wie stolz du darauf bist... aber ich will nur für dich so schön sein.”

 

Jetzt trug Elasai nur wenig Schmuck, aber wenn sie bei der Höhle angekommen waren, wusste er, daß sein Liebster es sich nicht nehmen lassen würde, ihn wieder mit Schmuck zu behängen.

 

“Gib es zu, du freust dich doch schon, mich wieder zu schmücken.”

 

Dies ließ Beljaro leise schmunzeln, denn sein Liebster hatte natürlich vollkommen recht und so zog er ihn kurz näher, küßte ihn zärtlich und wisperte sanft an dessen Lippen.

 

"Aber natürlich, mein Schmuckstück, das weißt du doch. Und vor allem freue ich mich darauf, endlich wieder deinen herrlichen Körper Haut an Haut an meinem Körper zu spüren."

 

Als sie das erste Mal nach der langen Zeit bei Nintano und dessen Nachkommen wieder zurück zum Dornenberg gekommen waren, hatten sie der Sonnengott und der Mondgott ein weiteres Mal besucht... und durch ein weiteres, tieferes Wecken des seit vielen Generationen schlummernden Blutes des Sonnengottes in Elasai, hatte dieser ebenso die Fähigkeit erhalten, sich in einen Naga zu wandeln. Etwas, das Beljaro in wahre Verzückung gebracht hatte - denn dadurch hatte er sich noch mehr in ihn verliebt.

 

Und die folgenden Tage waren sie nicht mehr aus den Fellen herausgekommen. Allein der Gedanke an damals ließ Elasai leicht schaudern und er wusste, daß sie daheim auch bald wieder in den Fellen landeten. Sowie sie gegessen hatten, und er wieder geschmückt war.

 

Eine Vorstellung, die auch durch die Gedanken Beljaros geisterte und sein Lächeln noch ein wenig weicher werden ließ. Doch dann richtete er sich wieder auf, da ihnen Reiter entgegenkamen und zog die große Kapuze seines Capes ein klein wenig tiefer, damit sein Gesicht und damit die weiße Haut verdeckt war.

Sicherlich gab es schon seit langen Jahren nicht mehr so viele Krieger, da das Land friedlich lebte... doch der Naga mochte es trotzdem nicht, wenn er erkannt wurde, da auch die Freundlichkeit und Dankbarkeit der Menschen ihm ein wenig unangenehm waren.

 

Aber wenn Kinder ihn erkannten, war er ganz anders und Elasai schmunzelte sacht, als er an das letzte Mal dachte, wo sich zehn Kinder auf seinen Gefährten gestürzt hatten. Elasai merkte, wie schnell sich Bel wieder entspannte, als die Krieger weg waren, und er berührte ihn sacht an der Hand.

 

“Du bist froh, wenn dir daheim sind, Hm? Sowie wir weiter weg sind, kannst du mich ja als Nebel hinbringen, dann sind wir schneller da.”

 

"Ein wenig noch, bis es dämmert, mein Schmuckstück - sonst sind wir zu auffällig."

 

Auch Beljaro hatte schon daran gedacht, sie wieder als Nebel zum Berg zu bringen - denn auch wenn sein Gefährte es mochte zu reisen, so waren sie schneller und der große Naga konnte es kaum erwarten, endlich wieder in seiner Höhle zu sein.

 

“Sicher, wir warten noch.” erwiderte Elasai und seufzte wohlig, als er sich bei einem ruhigen Moment an ihn kuscheln konnte.

 

“Magst du eigentlich auch mal eigene Kinder haben?”

 

Die Frage überraschte den Weißhäutigen sichtbar, denn er erstarrte nicht nur, sondern stolperte auch ein wenig, ehe er sich wieder fing.

 

"Wie... wie meinst du das?"

 

“Wie soll ich das wohl meinen? Ein eigenes Kind, irgendwann. Hast du nie darüber nachgedacht? Du bist so gern mit Kindern zusammen.”

 

Elasai schmiegte sich wieder an seinen Liebsten, denn sie waren von der Straße weg auf einen kleinen Pfad ausgewichen. Der große Naga legte seinen starken Arm um ihn und antwortete nicht sofort ... denn die Worte seines Gefährten hatten ihn nachdenklich gemacht.

Erst nach einer Weile seufzte er leise und zuckte kurz mit den breiten Schultern, ehe er leise zu dem Rothaarigen sprach.

 

"Nein, ich habe eigentlich noch nie darüber nachgedacht, da ich Frauen nicht mag und deshalb niemals erwartet habe, eigene Kinder zu bekommen. Und ich möchte nicht, daß einer von uns mit einer Frau schläft, um ein Kind zu zeugen."

 

Das Letztere war hörbar nur mit Mühe beherrscht - denn alleine schon der Gedanke ließ die Eifersucht des Nagas rasend ansteigen.

 

“Aber wenn wir deinen Vater, den Mondgott, fragen, vielleicht hilft er, daß ich...”

 

Elasai ließ es offen, aber er brauchte wohl auch nicht viel mehr zu sagen. Der Mondgott war der Gott der Fruchtbarkeit und konnte ihn vielleicht so verändern, daß er Beljaro ein Kind schenken konnte.

 

“Was meinst du dazu?”

 

"Was ich dazu meine?"

 

Man konnte die Worte Beljaros kaum verstehen, denn alleine schon der Gedanke, daß sein Gefährte ein Kind bekommen konnte, schleuderte ihn gedanklich ziemlich durch.

 

"Ich kann dir nicht sagen, was ich meine... irgendwie will ich nicht, daß du eine Frau wirst, doch es wird kaum eine andere Möglichkeit geben, wie du ein Kind bekommen kannst. Bitte verzeih, wenn ich das sage - aber... ich weiß nicht, ob ich dich als Frau lieben könnte."

 

“Ich glaube nicht, daß ich eine Frau werden muss. Ich denke auch, der Mondgott wird dafür sorgen, wir fragen ihn einfach, ja?”

 

Daß es so sein könnte, schockte seinen Gefährten und er beruhigte Bel mit einem zärtlichen Kuss.

 

“Wenn es nur geht, wenn ich zur Frau werde, dann lassen wir das.”

 

Die Worte beruhigten den Naga und er seufzte erleichtert, ehe er den Kuß sanft erwiderte und Elasai zärtlich an sich zog.

 

"Ich danke dir, mein Schmückstück... ich weiß, daß es ungerecht klingt, wenn du den Wunsch nach Kindern hast und ich dir ins Gesicht sage, daß ich dich nur als Mann lieben kann. Aber ich kann es nicht ändern, ich liebe dich als Mann und möchte dich nicht verlieren."

 

“Ich kann es doch verstehen. Und wenn es nicht geht, dann verzichte ich auch.”

 

Elasai würde verzichten, denn die Wünsche seines Liebsten waren ihm sehr wichtig.

 

“Wir werden sehen, Liebster.”

 

Dieser nickte nur und lächelte wieder, ehe er den Rothaarigen noch einmal sacht an sich drückte und dann wieder losließ. "Ja, das denke ich auch... wir werden sehen, es ist bald Vollmond und mein Göttervater wird zu uns kommen können. Und weißt du was? Es ist Niemand in der Nähe und hier kann uns auch Niemand sehen... ideal."

 

Noch während er sprach, begann Beljaro schon damit, sich auszuziehen und seine Kleidung in den Reisebeutel zu legen, ehe er sich in Nebel wandelte und ihr Gepäck, seinen Kampfspeer und zuletzt auch Elasai aufnahm, um sie in der hereinbrechenden Nacht zu ihrem Berg zu bringen.

 

Eine Reiseart, die dem Barden sehr gefiel und er genoss es, den Wind dabei in seinen Haaren zu spüren. Und sie waren deutlich schneller wieder daheim, und konnten sich vielleicht einmal mit dem Mondgott zusammensetzen, damit sein Sohn vielleicht auch einen Sohn bekam.

 

 

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